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Mit Schwung ins neue Jahr

"Ganz Parist träumt von der Liebe" war das Motto – und tatsächlich atmete das Koblenzer Neujahrskonzert jede Menge französischen Esprits.¶

Beim unterhaltsamen Neujahrskonzert der Rheinischen Philharmonie in der Rhein-Mosel-Halle prickelte und perlte es auch ganz ohne Champagner – auch durch den Beitrag des Baritons Christoph Plessers aus dem Opernensemble des Theaters. Foto: Theater Koblenz
Beim unterhaltsamen Neujahrskonzert der Rheinischen Philharmonie in der Rhein-Mosel-Halle prickelte und perlte es auch ganz ohne Champagner – auch durch den Beitrag des Baritons Christoph Plessers aus dem Opernensemble des Theaters.
Foto: Theater Koblenz

Einst war die Figur eine der Paraderollen von Theo Lingen: Er spielte den ständig betrunkenen Hans Styx, den Diener Plutos in Jacques Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“. Und ein besonderer Glanzpunkt war stets das Couplet, das Styx alias Lingen zwecks Abwechslung der von Pluto entführten Eurydike näselnd und mit seinem berühmt heiser-schrägen „Haha“ vorsang, jenes Lied über die Zeiten, als er noch in Saus und Braus der Prinz von Arkadien war.Wenn, wie jetzt beim Neujahrskonzert von Rheinischer Philharmonie und Theater Koblenz in der voll besetzten Rhein-Mosel-Halle geschehen, gleich zwei Hauptakteure des Abends, der dirigierende Kapellmeister Karsten Huschke und der moderierende Intendant Markus Dietze, zu doppelten Prinzen werden und den Text des Liedchens noch ein bisschen abwandeln, ist Jubel im Publikum garantiert. Schließlich haben die beiden selbst Spaß an der Freud – und zum Motto des Konzerts passt es außerdem perfekt. Es lautet „Ganz Paris träumt von der Liebe“. Denn beim Neujahrskonzert an Rhein und Mosel gibt es mal Seine statt Donau und Paris statt Wien, mit Walzern und Polkas hier wie dort.

Viele Bravorufe

Spaß soll es anno 1954 auch Caterina Valente gemacht haben, eben jenen vom Kölner Kurt Feitz getexteten Song vom liebesträumerischen Paris aus Cole Porters Musical Musical „Can-Can“ aufzunehmen. Er sollte zu einem ihrer größten Hits werden. In der Rhein-Mosel-Halle wandert Monica Mascus mit der nötigen Inbrunst auf den Spuren nicht nur der Valente, sondern auch auf denen von Lys Gauty. Für diese Chansonette komponierte Kurt Weill im Pariser Exil unter anderem das sentimentale „Je ne t'aime pas“. Letztlich ist es fast gleichgültig, ob Monica Mascus die Träumerische oder die Sentimentale gibt oder die Romanze der Muse Nicklausse aus dem dritten Akt von Offenbachs „Contes d'Hoffmann“ singt: Die Koblenzer lieben sie und honorieren ihre stimmliche Wandlungsfähigkeit mit vielen Bravorufen.

Davon fallen ein paar auch für Bariton Christoph Plessers ab, umso mehr, als er beim „Paris bleibt immer Paris“ aus Frederick Loewes Musical „Gigi“ über das kleine Mädchen, das zur Gesellschaftsdame aufsteigt, verschlossener Fluchttüren halber einen Dauerlauf hinlegen muss, um rechtzeitig wieder auf der Bühne zu sein. Pannen machen ein Liveprogramm lebendig, selbst wenn diese musikalische Hommage an Paris an sich schon unterhaltsam genug ist.

Spielfreudiges Orchester

Wesentlich Anteil daran hat die gleich zum Auftakt erfrischend spielfreudige Rheinische Philharmonie, die es Huschke leicht macht, es auch ganz ohne Champagner perlen und prickeln zu lassen, Offenbach sei Dank. Denn der machte Paris nicht nur als Stadt der Liebe populär, sondern hatte auch ein Händchen für musikalisch Zündendes. Für Ouvertüren wie die zu seiner Märchenoper „Le voyage dans la lune“, bei der die Windmaschine noch die entsprechenden, die Muschel der Mondreisenden beschleunigenden Raketengeräusche liefert. Formidabel gelang Offenbach auch die Ouvertüre zur Opera buffa über die „Schöne Helena“, 1864 maßgeschneidert für die allen Parisern die Köpfe verdrehende Hortense Schneider. In der Rhein-Mosel-Halle gibt es noch ein paar fast nach Strauss klingende Polkas von Émile Waldteufel noch obendrauf, das Verführungsduettino aus Richard Heubergers „Opernball“ mit Mascus und Plessers – da bleibt als Wunsch eigentlich nur noch eins: Offenbachs Höllen-Cancan. Als Zugabe und zum Mitklatschen fast so schön wie der Radetzky-Marsch.

Lieselotte Sauer-Kaulbach

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