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    Koblenz

    Mit Puccinis Bohemiens auf Weltreise

    Puccini kann man gar nicht genug haben: Gleich zwei Werke des letzten ganz Großen der italienischen Opernkomponisten sind in dieser Spielzeit im Koblenzer Theater zu erleben. Konzertant zu Weihnachten „Tosca“, szenisch mit allem drum und dran von Samstag an „La Bohème“, die tragische Liebesgeschichte um die arme Blumenstickerin Mimì und den ebenso mittellosen Poeten Rodolfo.

    Wie grasgrün ist dies Auto: Mimì (Sara Rossi Daldoss) und Rodolfo (Marco Antonio Rivera) in der Neuproduktion von Giacomo Puccinis Oper „La Bohème“ am Theater Koblenz.  Foto: Matthias Baus
    Wie grasgrün ist dies Auto: Mimì (Sara Rossi Daldoss) und Rodolfo (Marco Antonio Rivera) in der Neuproduktion von Giacomo Puccinis Oper „La Bohème“ am Theater Koblenz.
    Foto: Matthias Baus

    Zehn Jahre ist es her, dass „La Bohème“ auf dem Koblenzer Spielplan stand – damals in die 1960er-Jahre versetzt. Und auch bei der Neuproduktion, die übermorgen Premiere feiert, öffnet sich der Vorhang zum ersten Bild nicht in der kühlen Pariser Mansardenwohnung, die Giacomo Puccini, seinen Librettisten und dem Autor der literarischen Vorlage rund um das Leben der Bohème vorschwebte. Bei der Matinee vor der Premiere ergreift Regisseurin Bettina Geyer die Gelegenheit, diese Frage als Allererstes zu klären: Es geht ihr um das Lebensgefühl der Bohemiens, deren selbst gewählte Armut die Oper so detailreich beschreibt. „Wir erleben, dass junge Leute auf der Schwelle zwischen Jugend und dem Weg ins bürgerliche Leben für eine Zeit ein Dasein wählen, in dem ihnen Freiheit wichtiger ist als Sicherheit.“

    Für die Entstehungszeit des 1896 aufgeführten Werkes war das, was einst auf der Bühne zu sehen war, ziemlich harter Tobak: Eine schmuddelige Männer-WG junger Künstlertypen, die den lieben Gott einen guten Mann sein lassen, in den Tag hineinleben – und die ziemlich eindeutig freie Liebe praktizieren. Die Brisanz dieser Lebensumstände hat sich, so ist sich Regisseurin Geyer sicher, für unsere heutige Zeit ziemlich erledigt – nicht aber die Tatsache, dass es diese Phase im Leben der meisten Menschen immer gegeben hat, ganz egal, ob man sie als Bohemiens, Hippies oder Revoluzzer bezeichnet hat. So hat sie sich mit ihrem Team aufgemacht, dafür ein aktuelles Bild zu finden – gefunden wurde die Inspiration in einem aktuellen Reisebericht, der 2016 auch in deutscher Sprache herauskam: „Drei Freunde, ein Taxi, kein Plan ... aber einmal um die Welt“ erzählt die Geschichte dreier junger Männer, die in einem alten Taxi eine Weltreise erleben wollen, nicht auf dem schnellsten Weg, sondern mit größtmöglichen Umwegen – denn danach, das ist ihnen klar, wartet der Ernst des Lebens auf jeden von ihnen.

    Fabian Lüdicke hat das Bühnenbild für die Neuproduktion von „La Bohème“ entworfen – und dabei ganz verschiedene Bilder geschaffen, die die Reise durch verschiedene Kontinente andeutet. Natürlich müssen alle Handlungen, die in der Oper stattfinden, auch möglich sein – ganz egal, ob der Vermieter nun der einer Mansardenwohnung oder eines Zeltplatzes ist.

    Die musikalische Leitung der Premiere übernimmt Chefdirigent Enrico Delamboye, bei der Einführungsmatinee hält der Zweite Kapellmeister Daniel Spogis eine ebenso flammende wie aufschlussreiche Lobrede auf die Musik Puccinis. Dass es dem Komponisten gelang, in einer Zeit, in der sich die Musikwelt im Umbruch befand, Anregungen aus ganz verschiedenen Richtungen aufzunehmen und sich doch von der italienischen Tradition nicht loszusagen, ist eben schon eine große Kunst für sich.

    Spogis belegt das anhand einer Szene aus dem Liebesduett von Mimì und Rodolfo aus dem ersten Bild: Im Vordergrund erklingt die üppig und durchaus zartbitter schmelzende Melodie, die Franz Lehár in seinem Jahrzehnte späteren „Dein ist mein ganzes Herz“ noch einmal zitieren wird – doch hinter diesem breiten Pinsel der Emotionen flirren Akkordfolgen, die an Debussy denken lassen könnten. Und schließlich, als diese sich hinaufschrauben, findet Spogis dort den „Tristan-Akkord“ – mit einiger Sicherheit ein überaus cleverer Verweis auf die Unerfüllbarkeit der Liebe, die Blumenstickerinnen und Poeten in Paris und überall auf der Welt ebenso schicksalshaft treffen kann wie irische Prinzessinnen und ihre Helden bei Richard Wagner.

    Von unserem Kulturchef Claus Ambrosius
    Die Premiere der Puccini-Oper „La Bohème“ ist am Samstag, 16. September, um 19.30 Uhr im Großen Haus des Koblenzer Theaters.

    Der Inhalt
    Vier Freunde, Rodolfo, Marcello, Schaunard und Colline, verweigern sich den Konventionen eines bürgerlichen Daseins und suchen nach einem alternativen Lebensentwurf. Rodolfo verliebt sich in die unheilbar an Tuberkulose erkrankte Mimì. Nach einer kurzen Zeit des Glücks mit ihr glaubt Rodolfo, Mimì seine unsicheren Lebensverhältnisse nicht länger zumuten zu können, und quält sie mit grundloser Eifersucht. Erst kurz vor Mimìs Tod finden die beiden Liebenden wieder zueinander. Die Inspiration für seine Oper fand Giacomo Puccini im Schauspiel – in der Bühnenfassung eines Fortsetzungsromans von Henri Murger unter dem Titel „Scènes de la vie de Bohème”.
    Das Leitungsteam
    Musikalische Leitung:
    Enrico Delamboye
    Inszenierung: Bettina Geyer
    Bühne: Fabian Lüdicke
    Kostüme: Carla Friedrich
    Dramaturgie: Anna Drechsler
    Choreinstudierung: Ulrich Zippelius
    Einstudierung Kinderchor:
    Manfred Faig

    Mit:
    Sara Rossi Daldoss, Hana Lee, Dirk Eicher/Sebastian Haake, Junho Lee, Jongmin Lim, Marco Kilian, Gerhard Noll, Marco Antonio Rivera, Hoyeon Song, Nico Wouterse

    Staatsorchester Rheinische Philharmonie
    Opernchor, Extrachor, Kinderchor der Singschule Koblenz, Statisterie
    Karten und Infos unter Telefon 0261/129 28 40 und unter www.theater-koblenz.de

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