40.000
Aus unserem Archiv
Koblenz

Faszinierendes Musiktheater: Abenteuer „Schlaues Füchslein“

Chefdramaturg Rüdiger Schillig bringt das Janacek-Dilemma auf einen Nenner: „Es handelt sich um einen bestens bekannten, doch recht seltenen Komponisten.“ Wo immer die großen Werke des tschechischen Komponisten gespielt werden, sei es „Jenufa“, „Katja Kabanowa“, „Die Sache Makropulos“ oder eben „Das schlaue Füchslein“, ist die Begeisterung für sie gewöhnlich groß. Aber: Eine Janacek-Oper ist eben auch für alle Ausführenden eine große Herausforderung.

Ein Raum für Janacek: Regisseur Alexander von Pfeil vor dem Bühnenbildmodell für „Das schlaue Füchslein“.  Foto: cla
Ein Raum für Janacek: Regisseur Alexander von Pfeil vor dem Bühnenbildmodell für „Das schlaue Füchslein“.
Foto: cla

„Ich bin wirklich froh, dass das ,Schlaue Füchslein' nicht meine erste Auseinandersetzung mit Janacek ist“, gibt Enrico Delamboye, Chefdirigent des Koblenzer Theaters, freimütig zu. „Katja Kabanova“ in Basel und „Jenufa“ in Köln hat er dirigiert: „,Füchslein' ist definitiv schwerer. Je älter Janacek wurde, desto komplexer wurde er in der Klangstruktur. Er ist wie ein Berg, der immer höher wird.“ Der Weg von der vertrackten Partitur bis zum letztendlich aufregenden Klangerlebnis sei ein besonders langer und aufwendiger.

Auch für Regisseur Alexander von Pfeil, der sich 2016 in Koblenz erfolgreich mit Donizettis „Liebestrank“ auseinandergesetzt hat, ist Janacek kein Unbekannter: „Die Begegnung mit zwei Inszenierungen seiner Oper ,Aus einem Totenhaus' waren für mich prägend“, erinnert er sich. Und mit einem Konzept für „Katja Kabanowa“ hatte er sich für die Aufnahmeprüfung beworben. Auf die Bühne gebracht hat er Janacek allerdings noch nicht – schon deswegen hat er sich über das Angebot aus Koblenz sehr gefreut.

Als Chefdramaturg Schillig darauf hinweist, dass die deutsche Übersetzung des Titels, „Das schlaue Füchslein“, in die Irre leiten kann und genauer „Die Abenteuer der Füchsin Schlaukopf“ heißen müsste, pflichtet von Pfeil bei: „Manche Intendanten erliegen dem Irrglauben: Prima, zum ,Schlauen Füchslein' können wir Busladungen von Schülern bringen.“ Genau das hat er während seiner Arbeit an der Deutschen Oper Berlin erlebt – und auch, dass das schiefgehen kann: „Zu jeder Vorstellung war das Haus voll mit Kindern und Jugendlichen, nach 15 Minuten war an Ruhe nicht mehr zu denken.“ Denn es handelt sich mitnichten um ein Kindermärchen, die Geschichte wie auch die faszinierende Musik zeichnen auch äußerst dunkle Seiten nach.

Janacek war zu der Parabel über das menschliche Leben durch einen gezeichneten Fortsetzungsroman, beinahe eine Art Comic, in seiner Tageszeitung inspiriert worden. Und er brachte, so erklärt Schillig, viel Autobiografisches unter wie etwa seine fortwährend unglückliche Ehe, die nichts weniger als die Hölle gewesen sei.

Für die Umsetzung der episodisch aufgebauten Geschichte haben sich Alexander von Pfeil und sein Bühnenbildner Piero Vinciguerra für ein wandelbares Einheitsbühnenbild entschieden, dass sowohl die bunte Tierwelt als auch die dunkle Sphäre der Menschen beherbergen kann. Der Regisseur verspricht sich davon, dass Zuschauer viele Assoziationen aus der Musik, die er nicht einfach doppeln möchte, in ihr Erleben der Szene einbringen. Denn gerade in den Diskrepanzen liegt für ihn der Reiz Janaceks: „Das ist im ,Füchslein' wie auch im ,Totenhaus' – auf der einen Seite bitteres Lagerelend, dazu die zum Heulen schönste Musik.“

Von unserem Kulturchef Claus Ambrosius

Kultur
Meistgelesene Artikel
Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik
Claus Ambrosius 

Leiter Kultur

Claus Ambrosius

 

Kontakt per Mail

Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

Redakteurin Kultur

Anke Mersmann

 

Kontakt per Mail

Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

Redakteurin Kultur

Melanie Schröder

 

Kontakt per Mail

Event-Kalender
Veranstaltungstipps

Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!