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München

Fack ju, Mjusicäl: Der geplante Erfolg

Der Frage, ob man Erfolg planen kann, gehen Theater- und Filmproduzenten schon lange nach. Und zumindest in Sachen Musical scheint das Erfolgsrezept inzwischen gefunden. Man nehme einen erfolgreichen Kinofilm und suche sich einen Komponisten mit dem richtigen Gespür für die Story.

Authentisch jung, aber auch Bühnenneulinge: Viele Darsteller von „Fack ju Göhte – Se Mjusicäl“ kommen frisch von der Musicalschule.
Authentisch jung, aber auch Bühnenneulinge: Viele Darsteller von „Fack ju Göhte – Se Mjusicäl“ kommen frisch von der Musicalschule.
Foto: Stage Entertainment

Nachdem Musicalmarktführer Stage Entertainment dies zuletzt schon beim „Wunder von Bern“ erfolgreich erprobt hatte, war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch der Kassenschlager „Fack ju Göhte“ seinen Weg auf die Bühne finden würde. War der Unterhaltungskonzern 2017 vor allem durch die Schließung des Berliner Prestigebaus am Potsdamer Platz in den Schlagzeilen, markierte die Premiere von „Fack ju Göhte – Se Mjusicäl“ nun gleichzeitig die Eröffnung einer neuen Spielstätte, mit der man ab sofort in München Fuß fassen möchte. Und so viel sei bereits verraten, mit der Geschichte vom Ex-Knacki Zeki, der zum Lehrer wider Willen mutiert, legte man hier einen nahezu perfekten Start hin.

Tickets unter Tel. 01805/4444, weitere Informationen unter www.stage-entertainment.de

Zwar sieht man der mit Graffitis aufgehübschten ehemaligen Lagerhalle selbst nach ihrem Facelifting noch immer deutlich an, dass sie eigentlich nicht als Theater gedacht war, doch gerade im daraus resultierenden Mangel an bombastischer Bühnentechnik liegt eben auch einer der größten Pluspunkte der vor allem von der jugendlichen Zielgruppe heftig bejubelten Eröffnungsproduktion. Dieses Haus verlangt Kreativität. Und davon bringt Regisseur Christoph Drewitz jede Menge mit. Im zur Sporthalle des Goethe-Gymnasiums umfunktionierten Raum markieren etwa immer wieder neu arrangierte Turnmatten und andere Sportgerätschaften die einzelnen Schauplätze und erlauben so rasche Szenenwechsel, die das filmisch anmutende Erzähltempo unterstützen.

Keine klischeelastige Einheitsware

Und auch, was die musikalische Seite betrifft, hebt sich „Fack ju Göhte“ wohltuend von manch anderer klischeelastiger Einheitsware ab. Spart das charterfahrene Komponistenduo Nicolas Rebscher und Simon Triebel doch nicht mit gettotauglichem Hip-Hop oder hämmernden Elektrobeats, zwischen die sich dann aber immer wieder mal auch eine genretypische Ballade für die von Johanna Spantzel liebenswert verkörperte Referendarin Schnabelstedt mischt.

Dass viele der hochmotivierten Jungdarsteller selbst gerade frisch von der Musicalschule kommen, gibt dem Ganzen noch einmal eine zusätzliche Authentizität, kann aber gleichzeitig nicht ganz darüber hinwegtäuschen, dass es für einige eben auch sicht- und hörbar die erste Großproduktion ist. Wobei es die Sache wahrscheinlich auch nicht einfacher macht, dass die meisten der aus dem Film bekannten Charaktere wie Chantal und Co. selten über mehr als zwei Dimensionen verfügen. Was dem Spaß jedoch keinen Abbruch tut.

Abweichen vom Original beflügelt

Wirklich punkten kann der Abend nämlich vor allem da, wo er sich vom Drehbuch löst und der eigenen Kreativität freien Lauf lässt. Wie etwa in einer von Frederik Rydman furios choreografierten Bollywood-Yoga-Nummer. Schade also, dass man oft fast sklavisch an der Leinwandvorlage klebt. Denn so gibt es gerade im ersten Teil hin und wieder mal ein paar kleine Durchhänger. Zum rasanten Endspurt nach der Pause ist dann aber auch Hauptdarsteller Max Hemmersdorfer ganz bei sich angekommen, der als Zeki Müller in große Fußstapfen treten muss, sich aber routiniert aus der Affäre zieht und das, was an Stimmpower fehlt, mit einer guten Portion trockenem Humor ausgleicht. Den haben auch die grandiose Elisabeth Ebner, die als Klebstoff schnüffelnde Direktorin ihre verbalen Giftpfeile abfeuert, und der heimliche Star des Abends, Enrico Treuse. Er verkörpert mit blitzschnellen Kostümwechseln gefühlte zwei Dutzend kleinerer Nebenrollen – von Zekis Zellenkumpel über einen Zuhälter, Biobauern oder Vorzeigehartzer bis zum sächselnden Lehrerkollegen – und stiehlt damit dem Rest beinahe die Show. Denn auch wenn viele seiner Episodenfiguren kaum mehr als zwei Sätze haben, trifft jeder Gag voll ins Schwarze. Was dem unterhaltsamen, aber zuweilen auch auf Sicherheit gespielten Abend schließlich das Salz in der Suppe verleiht.

Von unserem Mitarbeiter Tobias Hell

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