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Koblenz

E-Mail-Romanze: Atemloses Hörvergnügen

Schreiben wir jünger oder älter, als wir sind? Mit spitzer Zunge oder um einen sachlichen Ton bemüht? Und welche Schlüsse zieht ein Empfänger daraus, dessen einziger Hinweis unsere elektronische Post ist? Um diese Fragen geht es in Daniel Glattauers E-Mail-Romanze "Gut gegen Nordwind".

Sawatzki Berkel
Sie geben "Gut gegen Nordwind" Stimme und Gesicht: Andrea Sawatzki und Christian Berkel.
Foto: Ganz Ohr

Koblenz – Schreiben wir jünger oder älter, als wir sind? Mit spitzer Zunge oder um einen sachlichen Ton bemüht? Und welche Schlüsse zieht ein Empfänger daraus, dessen einziger Hinweis unsere elektronische Post ist? Um diese Fragen und natürlich um die Liebe geht es in Daniel Glattauers E-Mail-Romanze "Gut gegen Nordwind", dessen Protagonisten Emmi und Leo mit dem Hörbuch von Andrea Sawatzki und Christian Berkel Gesicht und Stimme erhalten haben.

Wie sich Emmis und Leos Liebesdialog anhört, davon haben die Schauspieler, die auch im wirklichen Leben ein Paar sind, im Rahmen der Koblenzer Literaturtage "Ganz Ohr" erstmals live eine Kostprobe gegeben. Sawatzki und Berkel lesen wunderbar leicht, er anfangs besonnen und kontrolliert, sie von Beginn an antriebsstark und spontan. "Wie heruntergesprudelt", stellt Leo alias Berkel fest.

Obwohl die Schauspieler auf der Bühne im Restaurant Palais leicht voneinander abgerückt Platz genommen haben, bilden sie doch eine Einheit. Berkel lacht leise, wenn Sawatzki einen pointierten, manchmal geradezu frechen Ton anschlägt. Die beiden lesen nicht nur gemeinsam, sie hören einander auch zu.

Und wie sich Emmis und Leos Beziehung entwickelt - aus einer fehlgeleiteten Mitteilung und einer sich anschließenden vergnügten Plauderei entstehen echte Gefühle -, verändern sich auch Stimmen und Haltung der Schauspieler. Anfangs betont aufrecht, lehnen sich Sawatzki und Berkel in späteren Passagen auch schon einmal in ihren Stühlen zurück: Und sie lesen mit wachsender Sehnsucht, gurrend, umeinander werbend.

Die beiden haben sichtlich großen Spaß an dieser Liebe in der virtuellen Welt. Und das geht auch den Zuhörern nicht anders, die in der zweiten Hälfte ausgelassener lachen als noch zu Beginn der Lesung. Oder liegt das an einem an dieser Stelle herrlich säuselnden Berkel und Leo, der bei einem Mitternachts-Rendezvous vor dem PC "ein bisschen betrunken" an Emmi schreibt: "Schreiben Sie mir, Emmi. Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist wie küssen mit dem Kopf."

Anknüpfend an die "Histoire du Tango", mit der Gitarrist Russell Poyner und Geigerin Hendrike Steinebach die Vorlesung eröffnet haben, wechseln auch Sawatzki und Berkel ständig Tonfall und Tempo. Am Ende der Lesung fühlt sich das Publikum ganz atemlos – und dabei hat die Liebesgeschichte zwischen Emmi und Leo eben erst angefangen.

Ulrike Hochgesand

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