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    Aufsichtsratschef verteidigt Tantiemen: Wurden Hahn-Manager zu üppig bezahlt?

    Der Flughafen Hahn ist seit Jahren ein Sanierungsfall, für den sich nur unter allergrößten Mühen mit der chinesischen Unternehmensgruppe HNA ein Käufer finden ließ. Dennoch haben die Topmanager jedes Jahr Sonderzahlungen kassiert. Der Fall hat mächtig Wirbel ausgelöst. Nun hat sich Hahn-Aufsichtsratschef Salvatore Barbaro zu Wort gemeldet und die gängige Praxis verteidigt. Sein Credo: Die Zahlungen waren vertretbar. Richtig transparent konnte der SPD-Politiker die Gehaltsstruktur allerdings auch nicht machen.

    Hahn-AufsichtsratschefSalvatore Barbaro (SPD).
    Hahn-AufsichtsratschefSalvatore Barbaro (SPD).
    Foto: picture alliance

    Barbaros Argument: Es wurden keine Boni gezahlt, sondern Tantiemen. Der feine Unterschied aus seiner Sicht: Boni kommen beim Gehalt als Prämie obendrauf. Tantiemen sind Teil des Gehalts, hängen aber davon ab, ob ein Manager die vorher vereinbarten Ziele erreicht hat. Beim Hahn-Geschäftsführer Markus Bunk, seit Oktober 2013 im Amt, war dies angeblich überwiegend der Fall. Deswegen bekam er 2016 exakt 38.750 Euro überwiesen. Das waren 77,5 Prozent des maximalen Werts. Bunks Grundgehalt ist zu 75 Prozent fix. Der Rest fließt, wenn die Leistung stimmt. Die volle Tantieme soll Bunk nicht erhalten haben, weil er im Frachtbereich nicht genug Tonnage akquirieren konnte.

    Andere Zielvorgaben konnte der Geschäftsführer, der 2015 mit allen Zusatzleistungen wie Dienstwagen und Altersversorgung mindestens 256.000 Euro verdient hat, offenbar erfüllen. Das sieht zumindest der Aufsichtsrat samt seinem Vorsitzenden so. Barbaro zählte auf: Das strukturelle Defizit wurde auf 14,1 Millionen Euro gesenkt. Die Personalkosten konnte die Flughafengesellschaft von 18,8 Millionen Euro (2013) auf 16,8 Millionen Euro (2016) reduzieren. Und mit den Frachtfluglinien Etihad, Senator Air, der lettischen Raf Avia und Atlas band das Management neue Frachtflieger im Charterbereich an den Flughafen. Teil der Wahrheit ist natürlich auch, dass seit Januar 2013 mehr als ein Dutzend Frachtfluglinien den Hunsrück-Airport verließen. Darunter waren Schwergewichte wie Yangtze River Express.

    Und was ist mit den Tantiemen, die dem übrigen Top-Management gezahlt wurden? 2015 und 2016 flossen hier je gut 170.000 an bis zu elf weitere leitende Mitarbeiter. Hahn-Aufsichtsratschef Barbaro konnte nicht sagen, welche Ziele ihnen gesteckt wurden und welche sie erreicht haben sollen. Das sei Sache der Geschäftsführung, könne aber leicht in Erfahrung gebracht werden. Sieht so eine wirksame Kontrolle aus?

    Alle gezahlten Tantiemen zusammen (Geschäftsführer und übriges Topmanagement) machten laut Barbaro 2015 nur 0,98 Prozent der Personalkosten aus. 2016 waren es 1,25 Prozent. Die Zahlungen sind für den früheren Finanzstaatssekretär keineswegs überzogen. Dennoch versteht er die kritische Debatte. Für ihn ist nachvollziehbar, dass der Verdacht aufgekommen ist, „hier gibt es Sonderzahlungen an Menschen, die sich bereichern“. Nur entspricht dies nach Überzeugung des Sozialdemokraten nicht der Wahrheit.

    Im Zuge des Verkaufsprozesses ist bei Investoren indes der Eindruck entstanden, dass auf der Managementebene noch ein größeres Einsparpotenzial brachliegt. Von rund 750.000 Euro ist nach Informationen unserer Zeitung die Rede. Die Struktur müsse gestrafft, Zielvorgaben müssten konkretisiert werden, heißt es. Das aktuelle Verfahren wird als unverbindlich empfunden.

    Kritik kommt zudem vom früheren Hahn-Geschäftsführer Heinz Rethage, der inzwischen als Berater für Wirtschaftsunternehmen in Schieflage arbeitet. Der Ingenieur will seinerzeit im Aufsichtsrat 25 Prozent geringere Tantiemen vorgeschlagen haben und wollte so fast 1 Million Euro einsparen. „Schallendes Gelächter“ sei die Reaktion gewesen, sagte Rethage gegenüber unserer Zeitung.

    Barbaro schien ziemlich verärgert, dass Innen- und Finanzministerium das Thema nicht früher abgeräumt haben, während er im Urlaub als Landratskandidat für Mainz-Bingen Wahlkampf machte. „Das müssen wir aufarbeiten“, meinte er zerknirscht.

    Von unserem Redakteur Dietmar Brück

    Kommentar zu den Managergehälter am Hahn: Transparenz geht anders
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