Archivierter Artikel vom 04.11.2011, 07:00 Uhr
Rheinland-Pfalz

Das große Krabbeln in Rheinland-Pfalz

Fürs ganz große Krabbeln ist derzeit ein Insekt mit Migrationshintergrund zuständig: Der Asiatische Marienkäfer bevölkert vielerorts in Massen Balkone und Wohnzimmer. 46 einheimische Käferarten aus Rheinland-Pfalz hingegen werden aus ihrem angestammten Lebensraum verdrängt. Einer ist jetzt in Berlin zum Insekt des Jahres 2012 gekürt worden: der Hirschkäfer.

Der heimische Hirschkäfer ist vom Aussterben bedroht.
Der heimische Hirschkäfer ist vom Aussterben bedroht.
Foto: Fotolia

Rheinland-Pfalz – Fürs ganz große Krabbeln ist derzeit ein Insekt mit Migrationshintergrund zuständig: Der Asiatische Marienkäfer bevölkert vielerorts in Massen Balkone und Wohnzimmer. 46 einheimische Käferarten haben in Rheinland-Pfalz häufig das Nachsehen.

Achtfleckiger Kiefernprachtkäfer, 9–18 mm,Prachtkäfer

Augenmarienkäfer, 8–9 mm,Marienkäfer

Blutroter Schnellkäfer, 12–17 mm,Schnellkäfer

Deutscher Trägrüssler, 12–16 mm,Rüsselkäfer

Eichelbohrer (weiblich), 4–8 mm,Rüsselkäfer

Eichenwidderbock,6–20 mm,Bockkäfer

Feld-Maikäfer (männlich), 25–30 mm,Blatthornkäfer

Feld-Sandlaufkäfer, 
10–16 mm,Sandlaufkäfer

Gelbrandkäfer (männlich), 27–35 mm,Schwimmkäfer

Gemeiner Bienenkäfer, 9–16 mm,Buntkäfer

Gemeiner Mistkäfer, 16–25 mm,Mistkäfer

Gemeiner Scheinbockkäfer (männl.), 8–10 mm,Scheinbockkäfer

Gemeiner Totengräber, 12–22 mm,Aaskäfer

Gemeiner Weichkäfer, 11–15 mm,Weichkäfer

Goldgrüner Blattnager, 3–6 mm,Rüsselkäfer

Goldlaufkäfer, 
20–27 mm,Laufkäfer

Großer Eichenbock (weiblich), 24–53 mm,Bockkäfer

Großer Kiefernprachtkäfer, 24–33 mm,Prachtkäfer

Großer Kolbenwasserkäfer, 40–50 mm,Wasserkäfer

Großer Puppenräuber, 18–28 mm,Laufkäfer

Großer Totenkäfer,20–31 mm,Schwarzkäfer

Hirschkäfer (männlich), 30–70 mm,Schröter

Kartoffelkäfer, 6–11 mm,Blattkäfer

Kleiner Puppenräuber, 13–22 mm,Laufkäfer

Kleiner Tatzenkäfer, 
8–11 mm,Blattkäfer

Kleines Glühwürmchen (männlich), 8–10 mm,Leuchtkäfer

Lederlaufkäfer, 30–40 mm,Laufkäfer

Marmorierter Rosenkäfer, 19–25 mm,Blatthornkäfer

Moschusbock (weiblich), 13–35 mm,Bockkäfer

Nashornkäfer (weiblich), 20–40 mm,Blatthornkäfer

Pappelblattkäfer, 8–12 mm,Blattkäfer

Großer Pappelbock, 20–30 mm,Bockkäfer

Gebänderter Pinselkäfer, 9–13 mm,Blatthornkäfer

Schwarzblauer Ölkäfer (männlich), 11–35 mm,Ölkäfer

Schwarzer Moderkäfer, 22–32 mm,Kurzflügler

Siebenpunkt-Marienkäfer, 6–8 mm,Marienkäfer

Stierkäfer (männlich), 15–24 mm,Mistkäfer

Uferkurzflügler, 
8–13 mm,Kurzflügler

Wald-Maikäfer (männlich), 20–25 mm,Blatthornkäfer

Walker (männlich), 25–36 mm,Blatthornkäfer

Weberbock,15–30 mm,Bockkäfer

Zimmermannsbock (männlich), 12–20 mm,Bockkäfer

Sie werden, nicht zuletzt vom Menschen, aus ihrem angestammten Lebensraum verdrängt. Einer, der sich bereits auf Wanderschaft befindet, ist jetzt in Berlin zum Insekt des Jahres 2012 gekürt worden: der Hirschkäfer. In die vom Aussterben bedrohte Spezies setzen Naturschützer besondere Hoffnung. „Er ist ein Sympathieträger und kommt bei Kindern gut an“, sagt Forstdirektor Hubertus Kraut vom Kuratorium Insekt des Jahres. In Rheinland-Pfalz wird das prachtvolle Tier langsam wieder heimisch: Mehr als 600 Hirschkäfervorkommen wurden dieses Jahr gemeldet.

Pionierarbeit in der Hirschkäferforschung hat Markus Rink aus Alf (Kreis Cochem-Zell) geleistet. Er befasst sich seit zwölf Jahren mit dem imposanten Tier – die Männchen haben gewaltige Geweihe, die bis zu drei Zentimeter lang sind. Rink hat Hirschkäfer mit Sendern beklebt und anhand von Flugbewegungen festgestellt, dass sie oftmals den Wald verlassen. Sie suchen die Nähe zum Menschen, zum Kompost, der Lebensraum insbesondere für die Brut bietet.

Der Wissenschaftler kommt zum Schluss, dass der Hirschkäfer zwar ein Kulturfolger ist, aber dennoch „die Rückfahrkarte in den Wald braucht“. Denn Brutstätten können mit Leichtigkeit von Menschenhand zerstört werden, der Eichenwald hingegen bietet ausreichenden Lebensraum. „Es dauert aber wohl Jahrzehnte, bis er dorthin zurückkehren wird“, sagt Rink. Seine Volkszählung (im Internet unter www.hirschkaefersuche.de) hat ans Tageslicht gebracht, dass das Insekt insbesondere im Neuwieder Becken, am Mittelrhein und an der Mosel anzutreffen ist.

Dem Käfer werden weitere Faktoren zu schaffen machen. Weil die Landesregierung Windkraftanlagen im Forst zulassen wird, wird der Wald lichter werden. Und der Klimawandel wird die Verbreitung des Riesen unter den Käfern verändern. Rink sagt: „Wenn es zu heiß wird, überanstrengt er sich und geht ein.“

Von unserem Redakteur Thomas Brost