Archivierter Artikel vom 23.12.2015, 16:12 Uhr
Wiesbaden

„Tatort“ mit Tukur: Diesmal ein Trauerspiel

Es ist ein Trauerspiel. Das muss man als Erstes leider sagen. So viele tolle Schauspieler: Ulrich Tukur, Margarita Broich und Martin Wuttke. Was hätte man damit alles anstellen können in einem „Tatort“. Und dann das: Der neue Fall von LKA-Ermittler Felix Murot (Ulrich Tukur) ist leider ganz dünne Krimisuppe.

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Spielt sich im "Tatort" selbst: Ulrich Tukur. Foto: ARD
Spielt sich im „Tatort“ selbst: Ulrich Tukur.
Foto: ARD

Von unserem Redakteur Christian Kunst

Foto: frei

Wer ökonomisch vorgehen möchte nach den ohnehin stressigen Festtagen, der kann sich die erste und die letzte Viertelstunde von „Wer bin ich?“ (Sonntag, 20.15 Uhr) anschauen und dazwischen lieber ein gutes Gespräch mit einem Freund oder ein Essen mit der Liebsten einplanen. Verpassen wird er wenig.

Denn nach gut 15 Minuten haben die Zuschauer begriffen, dass sie sich in einem überraschend-anderen „Tatort“ befinden. Viel Überraschendes passiert dann aber nicht mehr. Der völlig verkaterte Murot wird wegen einer Leiche ins Parkhaus der Wiesbadener Spielbank gerufen. Als er eine zweite Leiche in einem Auto entdeckt, wechselt der „Tatort“ die Ebene. Man sieht das Kamerateam des „Tatorts“ und Murot ist ab sofort Tukur. Er erfährt, dass die Dreharbeiten unterbrochen werden, weil der Assistent der Aufnahmeleitung bei einem Autounfall ums Leben kam. Bald stellt sich heraus, dass es gar kein Unfall war. Tukur saß neben dem 19-Jährigen im Wagen, erinnert sich aber an nichts. Denn die Crew hatte vor dem Unfall das Bergfest ihrer Dreharbeiten mit viel Alkohol gefeiert. Außerdem fehlen fast 80.000 Euro, die der Assistent der Aufnahmeleitung vor seinem Tod in der Spielbank gewonnen hatte. Tukur gerät unter Mordverdacht.

Fortan spielen alle Schauspieler sich selbst. Dazu gehören die Frankfurter Kommissare Broich und Wolfram Koch. Auch Wuttke spielt sich selbst als ehemaliger „Tatort“-Kommissar in Leipzig, der deshalb jetzt in Geldnöten ist und ebenfalls unter Verdacht gerät.

Zu Beginn ist der gespielte Kleinkrieg zwischen den Schauspielern noch amüsant. Doch je länger der Krimi dauert, desto mehr gerät das Ganze zu einer gekünstelt wirkenden Nabelschau der Darsteller. Spannung kommt nicht wirklich auf, die Dialoge sind teilweise an Belanglosigkeit nicht zu überbieten. Einzig der stets großartige Tukur ragt ein wenig heraus. Er ist auch der einzige Grund, diese zähen 90 Minuten ganz zu schauen. Denn natürlich hat dieser Krimi eine Pointe. Tukur macht sie zum Gänsehautmoment. Aber dafür hätten wenige Minuten gereicht.