Archivierter Artikel vom 11.01.2013, 08:00 Uhr
Rheinland-Pfalz

Umfrage: Vorstände größerer Institute überbieten durchaus Merkels Salär

Verdienen auch im Land tatsächlich viele Sparkassenvorstände mehr als die Bundeskanzlerin? Und: Was halten sie vom Vorstoß des SPD-Kanzlerkandidaten Steinbrück? Wir haben uns umgehört. Fazit: Kaum jemand redet gern über Geld.

Die Kreissparkasse Mayen äußert sich nicht zu dem Thema. Sie verweist auf die Vergütungsverordnung für Sparkassenvorstände. Aus dem Verwaltungsrat war lediglich zu erfahren, dass ein Festgehalt plus Erfolgsprämie gezahlt wird. Summen wurden nicht genannt.

Andreas Reingen, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Altenkirchen, möchte sich am liebsten gar nicht äußern – weder zum Gehalt noch zu Steinbrück. Sein Sprecher deutete allerdings an, dass die jährliche Vergütung des Sparkassenchefs weit von den genannten Summen der nordrhein-westfälischen Sparkassen entfernt liege.

Bei der genossenschaftlichen Westerwald Bank, die im Westerwaldkreis und im Kreis Altenkirchen tätig ist, stießen unsere Kollegen aus Montabaur auf Granit.

Klaus Wende, Vorstandschef der Kreissparkasse Rhein-Hunsrück, sagt: „Unsere Sparkasse liegt von Größenordnung etwa auf Platz 21/22 von 26 Sparkassen im Land. Die Gehälter solch kleinerer Sparkassen liegen deutlich unter 300 000 Euro.“ Durch Zusatzzahlungen könne ein Sparkassenvorstand zwar aufbessern, aber auch dann werde die Größenordnung des Kanzlergehalts nicht erreicht. Je größer eine Sparkasse, desto höher seien allerdings mögliche Zusatzzahlungen. Wende meint: „Weder Kanzler noch Sparkassenvorstand wird man, um mehr Geld zu verdienen.“

Die Vergütung des Vorstandschefs der Kreissparkasse Westerwald liegt nach Auskunft des Landrats Achim Schwickert etwas unter dem Höchstbetrag der Größenklasse 3 in Höhe von 248 000 Euro. Boni würden nicht gezahlt, sagt er.

Konkrete Summen will die Kreissparkasse Birkenfeld nicht nennen. Beschlüsse zu den Dienstverträgen der Sparkassenvorstände werden laut Vorstand Joachim Köls ausschließlich im dafür zuständigen Verwaltungsrat gefasst. Ausgangslage sind dabei die besagten Vergütungsrichtlinien und die darin enthaltenen Musterdienstverträge des Sparkassen- und Giroverbandes. Bei einer Bilanzsumme von rund 1,25 Milliarden Euro würde das Gehalt des Vorstandsvorsitzenden deutlich unter 300 000 Euro liegen. Das Wirtschaftsministerium überprüfe die Einhaltung.

Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Koblenz, Matthias Nester, könnte durchaus mehr verdienen als die Bundeskanzlerin. Sein Gehalt bei der größten Sparkasse des Landes – 2011 betrug allein die Bilanzsumme rund 4,05 Milliarden Euro – dürfte gemäß Vergütungsrichtlinie einen Jahresgrundbetrag von bis zu 323 649,45 Euro plus Leistungszulage umfassen. Offiziell äußert sich die Sparkasse dazu aber nicht: Außer dass sich die Bezahlung der Vorstände nach den Vergütungsempfehlungen des Sparkassenverbandes Rheinland-Pfalz richtet, macht das Institut keine weiteren Angaben.

Dietmar Basta, einer von drei Vorständen der Volksbank Rhein-Lahn, macht deutlich, dass er und seine Kollegen ihr Gehalt nicht öffentlich diskutieren und die Äußerungen Steinbrücks auch nicht kommentieren werden. Die Bezahlung von Politikern und Bankvorständen könne man nicht einfach so vergleichen. Basta persönlich meint aber, dass ein höheres Gehalt für das Amt der Bundeskanzlers durchaus angemessen wäre – angesichts eines Jobs mit gigantischem Zeitaufwand und Verantwortung für ein ganzes Land.

Der Neuwieder Sparkassen-Vorstandsvorsitzende Hermann-Josef Richard äußert sich nicht öffentlich zu Gehaltsfragen: „Wir besprechen dienstvertragliche Fragen nur in den dafür zuständigen Gremien.“ Zur Diskussion, die Steinbrück angestoßen hat, sagt er: „Es gibt einfach keine Vergleichbarkeit zwischen Gehältern in der Politik und in der Wirtschaft.“ Er empfindet die Äußerungen Steinbrücks daher als „sehr ungeschickt“. Nach Informationen unserer Zeitung liegt Richards Vergütung inklusive Bonus bei 314 500 Euro. Landrat Rainer Kaul sagt dazu: „Wir haben uns schon immer an den Empfehlungen des Verbandes orientiert.“

Die Kreissparkasse Ahrweiler setzt nach eigenen Angaben die in Rheinland-Pfalz geltende gesetzliche Grundlage, die Vergütungsrichtlinie für Sparkassenvorstände, „eins zu eins“ um. Diese richtet sich nach der Größe des Instituts und orientiert sich an Bilanzsumme, Depotbestand und Kreditvolumen. Die Bilanzsumme in Ahrweiler beträgt rund 1,6 Milliarden Euro. Das Kreditvolumen betrug 1014 Millionen Euro. Damit würde das Gehalt für den Vorstandsvorsitzenden unter 300 000 Euro liegen. Offenlegen will die Kreissparkasse die Vorstandsgehälter aber nicht.

Vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) gab es übrigens nur so viel: „Die Gehälter der Vorstände unserer mittelständischen Bankengruppe sind als Messlatte für das Bundeskanzlergehalt nicht geeignet. Die konkreten Festlegungen erfolgen in den rund 110 Banken in Ansehung der Verantwortung, die durch den Vorstand vor Ort getragen wird.“ Dabei seien Größe und Geschäftsmodell der Bank vor Ort ausschlaggebend.

Von unseren Reportern