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Kommentar: Der ländliche Raum darf nicht auf der Strecke bleiben

Die einen bevorzugen den kurzen Weg zwischen Wohnung und Arbeitsplatz, die anderen nehmen gern den einen oder anderen Kilometer zum Büro in Kauf, um fernab des Jobs die ländliche Feierabend-Idylle zu genießen. Man kann es nicht jedem recht machen, wenn es darum geht, den Ort, an dem man die Brötchen verdient, und den Ort, an dem man sie verzehrt, in Einklang zu bringen.

Markus Kratzer kommentiert.
Markus Kratzer kommentiert.

Und dass jeder praktisch zu Fuß zur Arbeit gehen kann oder zumindest von seiner Garagenausfahrt direkt auf die Autobahn rollt, mag zwar eine Wunschvorstellung sein, hat aber auch in Zukunft nichts mit der Realität in unserem ländlich strukturierten Raum zu tun.

Und trotzdem legt die Industrie- und Handelskammer Koblenz mit der nun vorgelegten Pendlerstudie und den Schlüssen daraus den Finger in die richtige Wunde. Die Verkehrsinfrastruktur im nördlichen Rheinland-Pfalz hat deutliche Defizite. Das "erfahren" Arbeitnehmer nahezu täglich, wenn sie nicht gerade um die Ecke einer Beschäftigung nachgehen. Lange Anfahrtswege, verstopfte Straßen, ein unüberbrückbarer Rhein, strapazierte Nerven – so manchem, der sich das Grundstück oder die Mietwohnung in der Stadt nicht leisten kann, werden da große Opfer abverlangt. Auf der anderen Seite sind es aber genau die Menschen, die einen von immer mehr Zeitgenossen totgesagten ländlichen Raum am Leben erhalten. Dadurch, dass sie vor der Haustür ihre Einkäufe erledigen, ihre Kinder hier in die Schule oder in den Verein schicken, das dörfliche Miteinander bereichern.

Natürlich sind es Maximalforderungen, die die Kammer da aufstellt. Forderungen, denen die jüngste Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans in manchem Punkt auch bis auf weiteres jäh einen Riegel vorgeschoben hat. Und dennoch ist es der falsche Weg, jetzt einen Gang zurückzuschalten. Regionen besser anzubinden wird die Mammutaufgabe der Zukunft sein, damit der ländliche Raum nicht auf der Strecke bleibt. Das hat mit dem Ausbau von Straßen und dem Bau einer Mittelrheinbrücke zu tun – ohne Frage. Das hat aber auch mit Plänen zu tun, Menschen Mobilität (zurück-)zu geben. Das hat auch mit schnelleren Wegen in die digitale Welt zu tun. Die Forderungen liegen auf dem Tisch. Gesucht werden Beifahrer, die die Umsetzung unterstützen.

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