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Gelsenkirchen

Zwischen Erfolg und Misstrauen: Königsblauer Kosmos mit Chaos-Potenzial

Jens Keller ist gleichzeitig zu beneiden und nicht zu beneiden. Man hätte manchmal gern seinen schier unendlichen Langmut, mit dem der Trainer des Fußball-Bundesligisten Schalke 04 Dinge erträgt – zumindest nach außen hin. Andererseits möchte man genau diese Dinge selbst beileibe nicht am eigenen Leib erfahren.

Und wieder keine Ruhe auf Schalke: S04-Spieler Roman Neustädter verlässt enttäuscht den Platz, während im Hintergrund die Dresdner jubeln. Foto: dpa
Und wieder keine Ruhe auf Schalke: S04-Spieler Roman Neustädter verlässt enttäuscht den Platz, während im Hintergrund die Dresdner jubeln.
Foto: dpa

Von unserem Redakteur Jochen Dick

Ständig werden seine Arbeit und seine Position infrage gestellt. Selbst wenn er erfolgreich ist, wie in der vergangenen Saison, wird hinter seinem Rücken mit potenziellen Nachfolgern verhandelt, wie mit dem damaligen Mainzer Trainer Thomas Tuchel. Es war klar, dass genau dieser Name beim geringsten Anzeichen von Misserfolg alsbald rund um Schalke fallen würde. Und so geistern schon vor dem Saisonstart in der Bundesliga Gerüchte durch den königsblauen Kosmos. Schuld daran ist natürlich das blamable Aus der Schalker im DFB-Pokal bei Dynamo Dresden, einem Drittligisten. "Wer so wahnsinnig war, diese Mannschaft zu unterschätzen, dem ist nicht mehr zu helfen", schimpfte Keller nach dem Erstrunden-1:2.

Der 43-Jährige kennt die kritischen Situationen zur Genüge. Seit seinem Amtsantritt im Dezember 2012 ist er so etwas wie die personifizierte Übergangslösung, ein stiller Vertreter des Mannes, der die Knappen endgültig und auf Dauer wieder in königsblauem Glanz erstrahlen lassen wird. Nur: So richtig wusste bislang niemand auf Schalke, wer dieser Heilsbringer denn sein sollte.

Hohe Ansprüche bei den Knappen

Die Ansprüche sind traditionell hoch bis überbordend bei den Knappen, das Chaospotenzial ebenso. Einfluss hat so gut wie jeder – und macht diesen auch geltend: Vorstandsmitglieder, Ehemalige, Spieler, Fans. Manager Horst Heldt ist mal mittendrin, mal hält er sich raus, aber so richtig bekennt er sich nicht zu Trainer Keller. Nach dem Pokal-Aus resümierte Heldt zerknirscht: "Wir müssen uns sammeln." Wieder einmal. Dabei hatte die Kaderzusammenstellung Hoffnungen auf den Durchbruch nach ganz oben gemacht. Wieder einmal. Die Leistungsträger konnten gehalten werden, hinzu kamen Verstärkungen wie Eric-Maxim Choupo-Moting (FSV Mainz 05) und Sidney Sam (Bayer Leverkusen). Zwei Weltmeister in den eigenen Reihen (Benedikt Höwedes, Julian Draxler), drei WM-Teilnehmer (Kevin-Prince Boateng, Klaas-Jan Huntelaar, Atsuto Uchida), dazu gestandene Recken (Jefferson Farfan, Roman Neustädter) und große Talente (Max Meyer, Leon Goretzka) – es gibt schlechter besetzte Kader in der Bundesliga. Zudem schien Keller die kapriziösen Kräfte wie Boateng und Farfan weitgehend im Griff zu haben. Und nun Dresden.

"Hier kannst du nicht arbeiten. Egal, unter welchem Trainer: Es war immer Unruhe", hat Jermaine Jones einmal gesagt. Nun muss man dem ehemaligen Schalker Vorkämpfer und -redner, der von der neuen Saison an bei Besiktas Istanbul spielt, nicht alles glauben. Doch irgendwie scheint es bei Schalke immer zu brennen oder zumindest brenzlig zu sein.

In Hannover, zu Hause gegen die Münchner Bayern und bei Borussia Mönchengladbach, so lautet das happige Liga-Auftaktprogramm der Schalker. Kein leichtes, und vor allem eines, das darüber entscheidet, ob Ruhe einkehrt oder Unruhe ausbricht rund um Gelsenkirchen. Akut jedenfalls herrscht auf Schalke erhöhte Alarmbereitschaft. Torwart Ralf Fährmann sagte nach dem Pokal-Aus von Dresden: "Wir müssen uns zusammensetzen und die Dinge offen ansprechen." Wieder einmal.

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