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    NeuwiedFans und Fankultur: Als Maskottchen hat man es nicht leicht

    Deichi hat es schwer. Dabei gibt er alles. Er winkt und klatscht, springt in die Luft und rutscht auf dem Boden herum. Doch das alles will nicht helfen. Weder auf die Volleyballerinnen des VC Neuwied, die Deichi unterstützt, überträgt sich der Enthusiasmus. Noch auf die Zuschauer, deren Unterstützung er einfordert.

    Deichi ist das Maskottchen des VC Neuwied in der 2. Bundesliga Süd. Er ist ein Pfau, so wie das Wappentier der Stadt Neuwied. Ein Pfau im Stoffanzug. Maskottchen sind in der Region selten - zumindest im Sport, und im Volleyball ohnehin. Aber beim VC Neuwied, da setzen sie neuerdings auf eins.

    Der Verein hat es weit nach oben geschafft in jüngster Vergangenheit: in die zweithöchste deutsche Spielklasse. Er bewegt sich in einem professionellen Umfeld und lässt sich daher immer wieder etwas einfallen, um der neuen sportlichen Umgebung mit namhaften Gegnern und mehr Zuschauern gerecht zu werden. Auch, um die Stimmung in der eigenen Halle anzukurbeln. Deswegen wurde vor dieser Saison Deichi ins Leben gerufen. Im Heimspiel gegen Nawaro Straubing hat er seinen zweiten Auftritt.

    Freundschaft mit der Gegnerin

    Es sind noch knapp 25 Minuten, bis das Spiel gegen das Team aus Bayern beginnt, da zeigt Deichi, dass er am liebsten selbst mitspielen will. Der Pfau tänzelt durch die Halle, hebt seine Arme, winkt den Zuschauern zu. Dann nimmt er sich einen Volleyball, der in dieser Sekunde auf ihn zurollt. Er wirft ihn zweimal hoch und spielt ihn einer Spielerin zu, die sich gerade aufwärmt. Die Sache hat aber einen Haken: Deichi hat sich gerade mit einer Spielerin des Gegners angefreundet. Und es nicht gemerkt. Denn die Neuwiederinnen wärmen sich auf der anderen Seite auf. Ohne ihr Maskottchen.

    Fans und Fankultur
    Sport lebt nicht nur von den Leistungen auf dem Spielfeld, sondern auch von den Emotionen daneben: Es sind die Fans, die für einen besonderen Rahmen sorgen – nicht nur in den großen Arenen der Metropolen, sondern auch in der Region. Unsere Serie stellt Stimmungsmacher im RZ-Land vor.

    Teil 1: Tischtennis (TTC Grenzau)
    Teil 2: Fußball (TuS Koblenz)
    Teil 3: Volleyball (VC Neuwied)
    Teil 4: Basketball (Conlog Baskets)
    Teil 5: Eishockey (Neuwied, Diez)
    Teil 6: Hockey (Kreuznacher HC)

    Szenen wie dieses Missverständnis zeigen, dass Deichi als Antreiber der Stimmung beim VC Neuwied noch am Anfang seiner Mission steht. Und dass sich die Arbeit als Maskottchen nicht so ohne Weiteres erledigen lässt.

    Genau genommen muss an diesem Abend von zwei Deichis gesprochen werden - also von zwei Personen, die nacheinander ins Kostüm schlüpfen und sich abwechseln. Mohamed Bekrater (25) und Alexandru Barbu (24) teilen sich die Aufgabe als Maskottchen. Zwei Neuwieder, die sich schon seit Jahren kennen. Lustige Zeitgenossen, die gern und viel lachen. Beide machen das zum ersten Mal - und sie wissen nicht, worauf sie sich eingelassen haben.

    Ein Bekannter, der dem Verein nahe steht, hatte sie gefragt. "Ich dachte, dass das bestimmt lustig wird", sagt Bekrater, kurz bevor er in die Kabine geht, um sich umzuziehen. Ahnung von Volleyball hat er nicht, ebenso wenig wie Barbu. Sie sind auf Ansagen des Hallensprechers angewiesen. Und auf gute Ohren: Sobald der Hallensprecher Musik laufen lässt während der Spiele, bedeutet das: Punkt für Neuwied - Jubelauftrag für Deichi.

    Als Erster steckt Bekrater im Kostüm. Barbu soll ihn anweisen, da durch die Maske nicht viel zu sehen und zu hören ist. Das stört Bekrater nicht. Er erkennt, dass die Neuwiederinnen rote Spielkleidung tragen - aber eben erst nach seiner Anbandelung mit der Gegnerin. Er wechselt die Seite, feiert jeden Punkt der Neuwiederinnen. Er versucht, die Zuschauer in Stimmung zu versetzen, mit Tanzeinlagen.

    Ein Pfau als Einheizer: Maskottchen Deichi versucht, die Fans des Volleyball-Zweitligisten VC Neuwied zum Anfeuern zu animieren.
    Ein Pfau als Einheizer: Maskottchen Deichi versucht, die Fans des Volleyball-Zweitligisten VC Neuwied zum Anfeuern zu animieren.
    Foto: Andre Jahnke

    Unter dem Kostüm ist es heiß

    Dann ist der erste Satz vorbei. Deichi sprintet in die Kabine. Der erste Wechsel unter dem Kostüm ist fällig. "Es ist unfassbar heiß darunter", sagt Bekrater. "Das hält man nicht lange aus."

    Auf der Tribüne sitzt Franz Josef Krings. Der 64-Jährige ist als Anhänger der Neuwiederinnen schon länger dabei. Er hat nun weniger Deichi im Blick, sondern den gegnerischen Fanblock. Es sind sieben Straubinger mitgekommen nach Neuwied, was beachtlich ist, denn zwischen beiden Städten liegen 483 Kilometer. Die sieben Straubinger sind mit ihren Trommeln und ihren Gesängen aber lauter als der VC-Anhang. Krings selbst hat eine Trommel mitgebracht, er versucht, die Neuwiederinnen anzutreiben. Doch er steht mit zwei Freunden ziemlich allein da, wenn es um so etwas wie dauerhafte Unterstützung des Teams geht.

    Am Ende steht es 1:3 aus Neuwieder Sicht, und Bekrater und Barbu ziehen sich um. Sie haben Feierabend und verlassen die Halle. "Die Fans haben gut mitgemacht", sagt Barbu, kurz bevor er geht. Richtig zufrieden wirkt er aber nicht. Ein bisschen mehr Unterstützung durch die Zuschauer hätte er sich schon gewünscht.

    Von unserem Redakteur Christoph Erbelding

    VC Neuwied: Ein Spiel 
war sogar ausverkauft
    Dass einmal 210 Zuschauer zu den Spielen der Volleyballerinnen des VC Neuwied kommen, so wie in der Partie gegen Nawaro Straubing, hätte im Umfeld des Zweitligisten vor einigen Jahren niemand für möglich gehalten. Noch zu Drittliga-Zeiten, bis zur Saison 2014/15, blieb die Zahl der Anhänger meistens im zweistelligen Bereich. „Hier war nichts los“, erinnert sich Josef Krings, ein Fan der ersten Stunde. Mit dem Erfolg kamen jedoch immer mehr Leute. In der ersten Zweitliga-Spielzeit waren es zwischen 200 und 300 Zuschauer. Als Höhepunkt bleibt der letzte Spieltag der Vorsaison in Erinnerung: Damals ging in der Sporthalle des Rhein-Wied-Gymnasiums nichts mehr: 550 Zuschauer – ausverkauft. Der Gegner VC Offenburg, der in der Deichstadt mit einem 3:1 den Gewinn des Meistertitels sicherstellte, hatte 100 Fans mitgebracht.

    Gleichwohl: Nach der Steigerung der Quantität hofft Krings nun, dass auch die Qualität der Stimmung besser wird. „Der Verein müsste einen Fanklub gründen“, schlägt der 64-Jährige vor. Eine organisierte Gruppe kann dafür sorgen, dass es in der Halle dauerhaft lauter wird, dass das Team die Unterstützung von den Rängen spürt. Gegen Straubing verwies der Hallensprecher ein ums andere Mal darauf, dass die wenigen Fans des Gegners für mehr Stimmung sorgen als die 200 Neuwieder. ce

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