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Ettringen

Mountainbiker aus Ettringen quält sich im Duo durch Brasilien

Der siebentägige „Brasil Ride“ ist eines der spektakulärsten und kräftezehrendsten Etappenrennen für Mountainbiker im Zweierteam. Und ein Teil der hammerharten Tortur war auch das Team „Embrace the world“ mit dem Ettringer Julian Biefang und Johannes Thumm aus Koblenz. Für die beiden Arbeitskollegen vom Koblenz Radhersteller Canyon kam es jedoch anders, als sie es sich für die 600 Kilometer (km) und 13 000 Höhenmeter (hm) in der Hitze Brasiliens vorgestellt hatten. Mitte des Rennens musste der 27-jährige Biefang völlig entkräftet und auch mental erschöpft aussteigen. Da aber nur Teams gewertet werden, bedeutete das auch das Aus für Thumm (31). Sieger des Rennens wurden nach insgesamt 23:24:59 Stunden der Tscheche Jiri Novak und der Brasilianer Henrique Avancini.

Ein anschaulicher Beleg für die Qual ist dieses Foto, das den Ettringer Julian Biefang (links) und seinen Koblenzer Partner Johannes Thumm am Ziel einer Etappe des „Brasil Ride“ zeigt. Das Mountainbike-Rennen durch Brasilien hat Biefang und Thumm an ihre Grenzen gebracht.  Foto: Biefang
Ein anschaulicher Beleg für die Qual ist dieses Foto, das den Ettringer Julian Biefang (links) und seinen Koblenzer Partner Johannes Thumm am Ziel einer Etappe des „Brasil Ride“ zeigt. Das Mountainbike-Rennen durch Brasilien hat Biefang und Thumm an ihre Grenzen gebracht.
Foto: Biefang

Biefang und Thumm waren in dem starken Starterfeld gut ins Rennen gekommen. Im Prolog über 21 km und 330 hm im Ferienort Porto Seguro am Südatlantik fuhren sie in der offenen Klasse der Elitefahrer unter 114 gestarteten Teams auf einen respektablen 25. Platz. Zu diesem Zeitpunkt wusste vor allem Biefang noch nicht, welche unsägliche Quälerei dicht am körperlichen Limit – manchmal sogar darüber – ihm noch bevorstand. „Der Prolog lief erwartet gut, und auch die Stimmung war super“, erinnert er sich. Es folgte die erste Etappe weg von der Küste rein ins Gebirge und in den Dschungel. Ziel in der extremen Hitze von weit über 40 Grad war nach 139 km und 2199 hm Guaratinga. „Diese lange Etappe verlief für uns noch optimal. In den Single Trails im Dschungel fuhren wir in einer schnellen Gruppe, zum Ende hin spürte ich aber schon die ersten Krämpfe“, beschreibt er den zweiten Tag. Nach 5:24:19 Stunden war man auf Platz 18 ins Ziel gekommen und lag damit voll im Soll.

Dabei blieb es aber nicht. „Irgendwie fing für mich das Elend hier an. Wir schliefen in einer Zeltstadt, jeder in seinem Zelt. Von Schlaf war bei mir jedoch nie die Rede. Jedes Geräusch nervte mich, ich fand einfach keine Ruhe“, so Biefang. Nicht die besten Voraussetzungen für den dritten Tag, an dem in einer Schleife 74 km und 2559 hm zu bewältigen waren. Das deutsche Duo benötigte 4:42:49 Stunden, was Tagesrang 27 bedeutete.

Der junge Ettringer erlebte diese Stunden so: „Das war einer der härtesten Tage meines Lebens. Am Anfang überwältigte mich noch das wahnsinnige Panorama, später waren es nur noch die Qualen. Nach dem Start lief es noch gut. Wir fuhren ein hohes Tempo in einer Gruppe mit Mastersfahrer Bart Brentjens, dem niederländischen Olympiasieger von Atlanta 1996. Allmählich fing der Körper aber an zu streiken, und auch die vielen Getränke halfen nicht. Der Ofen schien allmählich auszugehen. Ich musste nur noch beißen, und ohne den Ansporn von Johannes hätte ich das Ziel wohl nie gesehen.“ Er sah es doch, und mit Gesamtrang 21 war man immer noch sehr gut platziert. Es wartete aber wieder eine furchtbare Nacht im Zelt ohne jegliche Regeneration. Erneut keine guten Grundlagen für die weiteren Strapazen: „Schon beim Start war ich angeschlagen. Ich fühlte mich wie ein angezählter Boxer. Und es standen noch 90 Kilometer und 2712 Höhenmeter mit sehr steilen Anstiegen bevor.“

Aber die sollten es nicht mehr werden. Schon kurz nach dem Start hatte Biefang ein Erlebnis, das auch die Moral in den Keller trieb. Er hatte sich mit dem Trinkrucksack eines anderen Bikers verhakt, riss diesen mit nach unten und musste mit ansehen, wie sich ein Gurt um dessen Hals geschlungen hatte. „Ich dachte, er stranguliert sich. Dann dauerte es eine Ewigkeit, bis er befreit war. Mir ging es ja eh schon nicht gut, aber das hat mich so richtig kaputtgemacht.“ Als Letzter nahm das Team aus Ettringen und Koblenz das Rennen wieder auf, allerdings nur bis zur ersten Verpflegungsstation. „Da ging nichts mehr, und ich bin raus. Ich war total enttäuscht. Es war für mich die größte Niederlage seit Langem, aber ich musste auf die Alarmsignale des Körpers hören.“ Dennoch hat Biefang nach all der körperlichen und mentalen Qual den „Brasil Ride 2018“ schon fest im Blick. „Ich habe gelernt, werde viel besser vorbereitet am Start stehen und Ohrstöpsel im Gepäck haben. Diese einmalig Atmosphäre, diese grandiose Natur, dieses einmalige Gruppengefühl eng zusammen mit den Weltklassesportlern und die tolle Organisation muss ich unbedingt noch mal erleben.“

Von unserem Mitarbeiter

Alfons Benz

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