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Birkenfeld

SC Birkenfeld schließt das Kapitel Kunstrasen

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die Landesligamannschaft des SC Birkenfeld am Samstag beim SV Nanzdietschweiler antreten musste (1:1). Auf Kunstrasen! Auf einem Belag also, den sich der SCB gewünscht und für dessen Realisierung auf dem derzeitigen Hartplatz in Birkenfeld er monatelang gekämpft hat. Seit spätestens gestern aber ist endgültig klar, dass sich der SC Birkenfeld aus dem Projekt "Kunstrasen für Birkenfeld" zurückzieht. Und weil sich nur der SCB mit aller Konsequenz für diesen Kunstrasen eingesetzt hat, bedeutet das, dass es keinen Kunstrasen geben wird.

Weiter rote Erde statt Kunststoff! Die Hoffnung auf einen Kunstrasenplatz in Birkenfeld ist gestorben. Der SC Birkenfeld beendet seine Anstrengungen und zieht sich aus dem Projekt zurück.  Foto: Joachim Hähn
Weiter rote Erde statt Kunststoff! Die Hoffnung auf einen Kunstrasenplatz in Birkenfeld ist gestorben. Der SC Birkenfeld beendet seine Anstrengungen und zieht sich aus dem Projekt zurück.
Foto: Joachim Hähn

Anlage vielseitig nutzbar

Der Vorstand des SC Birkenfeld sieht einen wesentlichen Grund für das Scheitern des Projekt in der Kreisverwaltung. "Wir hatten keine oder kaum Unterstützung von der Kreisverwaltung", sagt Helge Dietze, einer der beiden 2. Vorsitzenden des SCB. "Das geplante Projekt hätte zu einer Verbesserung der Sportanlagen in Birkenfeld für ca. 1500 Kinder und Jugendliche geführt, keinesfalls nur für den Spielbetrieb des SC Birkenfeld. Bei einer Umsetzung wäre der Kreishaushalt nicht mehr belastet worden als durch die nun bevorstehende Sanierung des Hartplatzes. Somit hätte man aus Sicht des Kreises eine zeitgemäße Sportanlage für das gleiche Geld bekommen. Daher hat man beim SC Birkenfeld auf eine Zusammenarbeit bei der Realisierung des Projektes gehofft." Landrat Dr. Matthias Schneider hält dagegen und sagt: "Uns lag und liegt kein tragfähiges Finanzierungskonzept für den Kunstrasen vor." Schon im Herbst 2012 sei mit den SCB-Vertretern darüber gesprochen worden. "Im März kam es dann zu einem Abgleich, und wieder sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass die vom SCB vorgesehene Finanzierung nicht belastbar war", erklärt der Landrat.

Offenbar hakte es anschließend bei der Kommunikation. "Wir haben über mehrere Monate keine Rückmeldung erhalten", schildert Dietze die Situation, während für Landrat und Kreisverwaltung klar war, dass nur ein anderes Finanzierungskonzept das Projekt noch einmal anschieben könnte. "Wir haben aber erst im Juni erfahren, dass das Projekt aus finanziellen Gründen nicht umgesetzt werden könne", erzählt Dietze.

Im August traf sich Dr. Schneider mit Vorstandsvertretern des SCB. "Dabei stellte sich heraus, dass dem Landrat nicht alle vom SCB eingereichten Unterlagen vorlagen", sagt Dietze. "Deshalb hat Herr Schneider uns geraten, die Finanzierung aufrechtzuerhalten und einen runden Tisch mit politischen Entscheidungsträgern vorgeschlagen, um den Sachverhalt neu zu besprechen." Landrat Schneider stellt aber klar: "Ein belastbares Konzept konnte ich nach wie vor nicht erkennen. Alles war Spitz auf Knopf genäht. Ich wollte deshalb Bürgen des SCB für die Finanzierung am Tisch haben, um mit ihnen die Risiken zu erörtern. " Tatsächlich birgt das Finanzierungskonzept, das der Verein der Nahe-Zeitung zur Verfügung gestellt hat und das durchaus schlüssig wirkt, solche Risiken.

Der SCB ging von einer Bausumme von 322 500 Euro, laut einem Festpreisangebot einer Spezialfirma, aus. Mit Spenden, Zuschüssen, Krediten und dem Erlös eines Parzellenverkaufs sollten die Kosten gedeckt werden. Doch Kreis-Kämmerer Karl-Heinz Müller weist auf drei Knackpunkte in der Finanzierung hin, die sie auch für ihn nicht tragfähig machen.

Drei Knackpunkte

Erstens ging der SC Birkenfeld davon aus, dass etwa 80 000 Euro, die die Kreisverwaltung für die Sanierung des Hartplatzes bewilligt hatte, auch Teil der Finanzierung des Kunstrasens sein könnten. Kämmerer Müller erklärt aber, dass das so nicht möglich sei, weil Sanierung und Neubau haushaltsrechtlich verschieden seien. Der Finanzfachmann der Kreisverwaltung erläutert: "Die Sanierung des Tennenplatzes taucht in unserem Ergebnishaushalt auf, aber damit dürfen wir keine neue Investition fördern. Die müsste von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) genehmigt werden." Für Müller unwahrscheinlich.

Zweitens ging der SCB davon aus, einen Vorsteuerabzug von etwa 50 000 Euro in die Finanzierung einbringen zu können, wurde aber von einer neuen Gesetzeslage überrollt, sodass durch Vorsteuerabzug mindestens 30 000 Euro weniger zu erwarten gewesen wären.

Sportbund-Gelder fraglich

Drittens hoffte der SCB auf einen Zuschuss des Sportbundes Rheinhessen von etwa 20 000 Euro. Dieser Zuschuss sollte aus einem "Sonderprogramm für kleine Baumaßnahmen der Vereine" fließen. Joachim Friedsam, der Geschäftsführer des Sportbundes, machte im Gespräch mit der Nahe-Zeitung aber deutlich, dass "eine Reihe ernster Klippen umschifft werden muss", um an das Geld zu kommen. Zum einen gab es auch hier eine Gesetzesänderung, die es verbietet, dieses Geld für Teilabschnitte einer Finanzierung heranzuziehen. "Die Mittel aus diesem Sonderprogramm sind tatsächlich nur für kleine Gesamtbaumaßnahmen gedacht", erklärt Friedsam. Kämmerer Müller ergänzt: "Früher war eine Vermischung möglich, das geht jetzt nicht mehr." Der SC Birkenfeld ging bei seinem Finanzierungskonzept von früheren Vorgehensweisen aus. Ein Fehler, der ihm nicht vorzuwerfen ist, weil der Sportbund selbst die neue Gesetzeslage nicht im Blick hatte und dem SCB die Gelder des Sonderprogramms in Aussicht stellte.

Allerdings war von Anfang an klar, dass diese Mittel nur fließen würden, wenn der SCB entweder Eigentümer des Hartplatzes würde oder sich Kreis und Verein auf einen Erbpachtvertrag von mindestens 25 Jahren einigen würden. Beide Varianten bedürfen der Zustimmung des Kreistags. "Dort sind sie nicht mehrheitsfähig", erklärt Landrat Schneider. "Auch weil auf den SCB in beiden Fällen Kosten zukämen, von denen wir annehmen müssen, dass sie der SCB auf Dauer nicht tragen kann", ergänzt Kämmerer Müller. Helge Dietze sieht das anders und sagt: "Ich hätte das Ergebnis gerne gesehen, wenn es zu einer Abstimmung gekommen wäre."

Fakt ist freilich, dass dem SC Birkenfeld fast die Hälfte der in seinem Finanzierungsplan vorgesehene Summe weggebrochen sind. "Man darf aber nicht vergessen, dass das auch deshalb passiert ist, weil bei diesem langwierigen Prozess so viel Zeit verloren gegangen ist, dass es sogar Gesetzesänderungen gegeben hat", rechtfertigt Dietze den Finanzierungsplan.

Auch Landrat Schneider wirft dem SCB nicht vor, einen unseriösen Finanzierungsplan aufgestellt zu haben. "Ich erkenne die Leistung des SCB an. Der Vorstand hat sich enorm fleißig und mit großem Einsatz um eine Lösung bemüht", erklärt er.

SCB wird zurückzahlen

Für den SC Birkenfeld bedeutet das Aus für den Kunstrasen, dass er Gelder, die er für den Bau bereits bekommen hat – beispielsweise durch den Verkauf von Parzellen – wieder zurückzahlen muss. "Wir werden nichts offen stehen lassen", verspricht Michael Groß, der 2. Vorsitzende.

Mehr Sorgen macht ihm die sportliche Zukunft des Vereins, der als einer von drei Klubs im Kreis noch alle Jugendklassen von der G- bis zur A-Jugend besetzt hat und deshalb mehr als andere Vereine auf einen vernünftigen Platz als Trainings- und Spielstätte angewiesen sei. "Ohne den Kunstrasen wird es ganz schwierig für uns, weil viele junge Leute schlicht nicht mehr auf einem Acker von Hartplatz Fußball spielen möchten." Bei den Aktiven sieht Groß sogar die Gefahr, dass der SCB über kurz oder lang nicht mehr am Spielbetrieb teilnehmen kann. "Wir haben jetzt schon die größten Schwierigkeiten, unsere Akteure zu halten beziehungsweise potenzielle Neuzugänge von einem Wechsel nach Birkenfeld zu überzeugen." In Nanzdietschweiler kickt der SCB schließlich nur einmal in der Saison.

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