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Birkenfeld

Jugendfußball: Kabine beim SC Birkenfeld gestürmt und Spieler verprügelt

Ist es vorstellbar, dass Fußballer nach einem Spiel die Kabine des anderen Teams stürmen und wegen einer heftigen Schlägerei Polizei und Ambulanz anrücken müssen? Nach dem A-Junioren-Landesligaspiel zwischen SC Birkenfeld und FSV Bad Kreuznach ist genau das passiert. Das Bad Kreuznacher Team war nach einem Vorfall 2012 bereits einmal ausgeschlossen worden.

Symbolbild: dpa
Symbolbild: dpa

Laut Helge Dietze, der Trainer der Birkenfelder Junioren, sind drei Akteure des FSV Bad Kreuznach in die Kabine des SC Birkenfeld gestürmt und hätten auf zwei Birkenfelder Spieler eingeprügelt. "Die haben auf die beiden Sitzenden eingeschlagen und sie auch noch mit Faustschlägen malträtiert, als sie schon am Boden lagen", empört sich Dietze. Erst als die Mitspieler der Birkenfelder und einige Verantwortliche kamen, entspannte sich, laut Dietze, die Situation. "Wir haben dann sofort Polizei und Krankenwagen verständigt", berichtet Dietze weiter.

FSV-Trainer Trautmann: Spucken löste Eskalation aus

Sascha Trautmann, der Vorsitzende und Trainer des FSV Bad Kreuznach, stellt die Situation anders dar. Er erklärt: "Ich habe nicht gesehen, was passiert ist, weil ich vor den Kabinen gewesen bin." Trautmann schildert weiter: "Da kam der Trainer des SC Birkenfeld rausgestürzt und hat gesagt, dass unsere Spieler die Birkenfelder verprügeln und er jetzt die Polizei holen würde."

Von seinem Spieler habe Trautmann dann erfahren, was in seinen Augen wirklich geschehen sei. Demnach sei der Bad Kreuznacher Akteur (Name ist der Redaktion bekannt) angespuckt und gerempelt worden. Daraufhin sei der Spieler in die Kabine der Birkenfelder gegangen, wo es zu einem Gerangel gekommen sei. "Er hat sich nur gewehrt", stellt Trautmann klar und versucht seinen Spieler zu entlasten: "Wenn mich jemand anspuckt, finde ich das auch nicht lustig." Trautmann erklärt weiter: "Ich weiß nicht, ob es Schläge gegeben hat, aber ich sage klipp und klar, ich würde mich auch nicht anspucken lassen."

Polizeichef kündigt weitere Ermittlungen an

Helge Dietze glaubt nicht, dass einer seiner Spieler gespuckt hat: "Erstens sind beide lieb und gut erzogen und zweitens waren die Beiden alleine unter 15 Bad Kreuznacher Akteuren. In so einer Situation provoziert und spuckt man nicht", sagt der SCB-Coach.

Der Polizeibericht stellt die Situation nüchtern dar und weist die Faustschläge als gesichert, das Spucken und Rempeln vorläufig lediglich als Vermutung aus. Allerdings sollen laut Polizeibericht nur zwei Bad Kreuznacher Spieler in die Kabine der Birkenfelder gegangen sein. Rüdiger Ermel, der Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Birkenfeld erklärt aber: "Wir werden natürlich weiter ermitteln, weil das Geschehen öffentlichkeitswirksam ist."

Die Eskalation in den Kabinen des SC Birkenfeld hat natürlich eine Vorgeschichte, die in der Partie selbst, die im Birkenfelder Stadion ausgetragen und von Schiedsrichter Bernd Knapp vom SV Niederwörresbach geleitet wurde, ihren Ursprung hat. Einig sind sich alle Beteiligten, dass die Partie in "hitziger Atmosphäre" ausgetragen worden sei. Schiedsrichter Knapp sagt: "Es gab schon ziemlich viele Fouls."

In den Augen von Bad Kreuznachs Trainer Trautmann sei die hitzige Atmosphäre wegen einiger Birkenfelder Zuschauer entstanden, die die FSV-Akteure verbal attackiert hätten. "Da waren zehn, zwölf Dorfjugendliche, die unsere Spieler provoziert haben", sagt der Coach und beschwert sich zudem über einen Zuschauer, dem er vorwarf, ständig Karten gegen sein Team gefordert zu haben. "So hat sich das dann hochgeschaukelt", findet Trautmann, der Schiedsrichter Knapp einerseits dafür lobt, alle Fouls im Spiel gesehen zu haben, andererseits kritisiert, nicht gleichmäßig geahndet zu haben. "Ihm hat das Fingerspitzengefühl gefehlt. Einer unserer Spieler ist in 15 Minuten neunmal gefoult worden und es gab nichts, aber ein anderer unserer Akteure musste für drei Fouls mit Gelb-Rot vom Platz."

Helge Dietze geiselt die Ausführungen von Trautmann als "total falsch und fehl am Platz". Der SCB-Trainer stellt klar: "Das Spiel war von Anfang an hitzig wegen der Wortwahl und der Beleidigungen der Bad Kreuznacher Spieler." Und Dietze klagt weiter an: "Ein Einwechselspieler von uns ist mit einem Tritt ins Gesäß von einem Bad Kreuznacher Spieler empfangen worden." Der SCB-Coach kritisiert: "Weder der Schiedsrichter noch der Trainer haben reagiert, aber alles toleriert." Schlimmstes Beispiel in Dietzes Augen sei eine versuchte Kopfnuss gewesen. Dietze betont in diesem Zusammenhang, dass er auf seine Akteure stolz sei. "Sie haben alles ertragen, ohne selbst ausfällig geworden zu sein."

Trautmann kann den Ärger nicht nachvollziehen und sagt: "Wenn etwas gewesen wäre, hätte der Schiedsrichter ja etwas getan. Und wenn meine Spieler tatsächlich Beleidigungen ausgesprochen hätten, dann wäre das auf türkisch geschehen, weil 90 Prozent meiner Spieler aus der Türkei stammen." Schiedsrichter Knapp bestätigt zwar, dass "die Birkenfelder Buben sich bei mir mehrfach beschwert haben" und er den Eindruck gehabt habe, dass sie provoziert worden seien, doch der erfahrene Referee stellt auch klar: "Das Spiel war an einer Grenze, die nicht überschritten worden ist. Eine versuchte Kopfnuss hat es für mich nicht gegeben. Die Spieler standen sich Kopf an Kopf gegenüber und haben sich ein paar Worte gesagt. Daraufhin bin ich direkt dazwischen."

Schiri: "Ich kann nur ahnden, was ich wahrnehme"

Überhaupt sagt Knapp: "Ich kann nur pfeifen und ahnden, was ich wahrnehme. Es gab sicherlich türkische Worte, aber ich verstehe deren Bedeutung nicht, und deshalb kann ich darauf auch nicht reagieren." Deshalb fertigte Knapp auch keinen Sonderbericht für A-Junioren-Landesligaspielleiter Berthold Schick an, dem somit lediglich die Stellungnahme des SC Birkenfeld zu den Vorfällen vorliegt. Schick erklärt: "So lange vom Schiedsrichter nichts kommt, kann ich auch nicht tätig werden."

Um eine Eskalation nach dem Schlusspfiff der Begegnung zu verhindern, versammelte Dietze seine Mannschaft in einem Kreis hinter dem Tor gegenüber des Stadioneingangs, während die Bad Kreuznacher den Fußmarsch nach unten in Richtung Umkleidekabinen und Duschen antraten. "Vorher wurde von ihnen am Toilettenbereich im Stadion noch eine Tür zerdeppert", schildert Dietze.

Trautmann forderte seine Spieler auf, "einfach nach unten zu den Kabinen" zu gehen. Auf dem Weg dorthin seien seine Spieler von einem Vater einzeln fotografiert worden. "Das hat uns sehr gestört, weil dadurch die Persönlichkeitsrechte unserer Spieler verletzt worden sind." Unten vor der Kabine hätten sich seine Spieler dann versammelt, und es sei nichts geschehen, bis der Birkenfelder Trainer aus der Kabine gerannt sei, von der Schlägerei berichtet und die Polizei verständigt habe.

Dietze erklärt, warum zwei seiner Spieler schon vor den anderen unten im Funktionsgebäude des SC Birkenfeld gewesen seien: "Sie mussten auf eine Feier und deshalb möglichst schnell weg." Den Beiden wurde das zum Verhängnis, denn sie gerieten in die körperliche Auseinandersetzung mit den FSV-Spielern.

FSV-Trainer Trautmann ist wütend wegen der Vorwürfe: "Ich habe es satt, dass es immer heißt, wir würden provozieren. Seit der Sache mit dem FC Hohl sind wir gebrandmarkt." Im November 2012 initiierten FSV-Spieler und -Zuschauer eine Schlägerei, nach einem vermeintlichen Foul eines Hohler Akteurs. Das Sportgericht des Südwestdeutschen Fußballverbandes hatte die A-Junioren des FSV damals für die komplette restliche Saison disqualifiziert. Trautmann erklärt: "Kein Bad Kreuznacher Schiedsrichter hat mit uns ein Problem. Kaum fahren wir irgendwo hin, werden wir in eine Schublade gesteckt. Wir überlegen, ob wir dagegen auch mal rechtlich vorgehen."

Dietze fordert harte Strafe

Helge Dietze vertritt die Ansicht, dass der FSV hart bestraft werden muss. Dietze sagt: "Für mich ist das Verhalten des FSV Bad Kreuznach absolut inakzeptabel. Diese Personen haben auf einem Sportplatz nichts zu suchen. Bei allem Respekt vor der Integrationsarbeit des Vereins, hier muss mit dem Ausschluss vom laufenden Spielbetrieb unbedingt ein Zeichen gesetzt werden." Dass die Möglichkeit besteht, dass Staffelleiter Berthold Schick wegen eines nicht vorliegenden Berichts des Schiedsrichter

Dass Staffelleiter Berthold Schick ohne einen Sonderbericht des Schiedsrichters vielleicht gar nicht tätig werden kann, ist für Dietze völlig unverständlich. Der SCB-Coach erklärt unmissverständlich: "Wenn diese Vorkommnisse keine Konsequenzen haben, dann wird so etwas in Zukunft noch häufiger vorkommen."

Sascha Nicolay

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