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Rekord: 549 Teilnehmer beim Zeller Adventslauf, Sieger aus Äthiopien und Trier

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Foto: Holger Teusch

"Ich habe extra noch mit Petrus gesprochen", wollte der als Weihnachtsmann verkleidete Schlussläufer den rund 1000 Zuschauern in der Zeller Balduinstraße Glauben machen. Der rot gekleidete Mann mit weißem Rauschebart, der am Ende des Feldes des sogenannten "Genießerlaufs" Schokolade verteilte, freute sich genauso wie die Organisatoren des Rudervereins Zell und des TSV Bullay-Alf über die Wintersonne.

Auf trockenem Pflaster und bei Windstille wären die Bedingungen ideal für einen Angriff auf die Streckenrekorde gewesen. Doch im sogenannten "Raserlauf" der Männer drückte keiner der Favoriten richtig aufs Tempo. Der Belgier Eddy Vandeputte führte eine große Spitzengruppe von sieben Läufern in exakt drei Minuten über den ersten Kilometer – zu langsam für den Rekord von 14:41 Minuten. Der 40-Jährige musste bereits bevor Marc Kowalinski die entscheidende Attacke startete abreißen lassen und belegte am Ende den sechsten Platz.

Favorit Kowalinski griff in der vorvorletzten (von fünf) großen Runden im Anstieg zum Kuxborn an – und bereute seine Tempoverschärfung bereits nach 500 Metern wieder. "Ich glaube, ich habe so laut gestöhnt und geflucht, dass selbst der Heizer das gehört hat", sagte der 33 Jahre alte ehemalige deutsche Meister und Junioren-EM-Teilnehmer. Der angesprochene Führungsfahrradfahrer Hermann Richard bestätigte das. "Ich habe ihn keuchen gehört", sagte Richard, der am Adventslauftag seinen 49. Geburtstag feierte und gleich mehrere Ständchen bekam.

Obwohl sich Kowalinski fast verkalkuliert hatte: Vier Sekunden Vorsprung, die er mit seiner Tempoverschärfung herauslief, reichten. Dem luxemburgischen 10 000-Meter-Meister Pol Mellina gelang es ebenso wenig zu kontern wie dem ehemaligen deutschen Jugendmeister Nico Sonnenberg (Frankfurt). "Es war aber ein toller Lauf und ein klasse Publikum", sagte der 20 Jahre alte Frankfurter, der hinter Kowalinski (15:20) und Mellina (15:25) in 15:36 Minuten den dritten Platz belegte. Der diesjährige Adventslauf-Sieger war zwar 39 Sekunden langsamer als Heiko Baier bei seinem Rekord im Vorjahr, in der Breite war die Spitze aber stärker. Sieben Läufer (2010 nur drei) blieben unter 16 Minuten. Die 17-Minuten-Marke unterboten 14 Athleten.

Schnellster Cochem-Zeller Läufer war Dirk Marinus. Der 41-Jährige aus Alflen entschied den spannenden Zweikampf mit seinem Vereinskameraden Vadim Penner von der LG HSC Gamlen-RSC Untermosel in 17:21 Minuten mit acht Sekunden Vorsprung für sich. Den Vereinserfolg perfekt machte der 17-jährige Alexander Gödert aus Möntenich als drittschnellster COC-Läufer in 18:32 Minuten.

Wie Marinus war auch die schnellste Frau aus dem Kreis auf dem 18. Platz zu finden. Petra Jungen vom Team Ollis Radladen aus Hambuch benötigte für die fünf Kilometer 22:18 Minuten. Vera Martens, die aus Cochem stammt, aber in Wiesbaden lebt und für Spiridon Frankfurt startet, verpasste als Sechste in 19:25 Minuten nur knapp den Sprung unter die besten Fünf.

Schneller als die diesjährige Siegerin Ferahiwat Königs-Gamachu (17:39) war in Zell bisher nur die Streckenrekordhalterin Susanne Hahn (2006: 16:34, 2007: 16:49). Während die Olympia-Teilnehmerin in Slowenien zeitgleich mit dem deutschen Team Cross-EM-Bronze gewann, lief die aus Äthiopien stammende und mit einem Belgier verheiratete Königs-Gamachu bereits nach etwa der Hälfte der Distanz der Konkurrenz davon. "Im nächsten Jahr werde ich den Rekord angreifen", versprach die junge Mutter. Auch die zweitplatzierte Katharina Heinig (17:55) will wiederkommen. "Ich habe mich schon geärgert, dass ich im vergangenen Jahr wegen einer Erkältung nicht starten konnte", sagte die mehrfache deutsche U23-Meisterin und Gewinnerin des Köln-Marathons (2010).

Einen noch nie da gewesenen Ansturm mit 44 Teams im Ziel erlebte nicht zuletzt dank des Engagements von IGS und Realschule Zell das Staffelrennen über vier Adventslaufrunden. Das Team "Texelaner" des mit 36 Vereinsmitgliedern angereisten SV Sonsbeck aus Nordrhein-Westfalen siegte in 10:26 Minuten überlegen vor dem PSV Wengerohr (11:22). Bereits auf dem dritten Platz folgte die schnellste Cochem-Zeller Staffel. Der Wanderpokal von Landrat Manfred Schnur wird ein Jahr im Vereinshaus des Adventslauf-Mitausrichters RV Zell stehen. Lorenz Budinger, Moritz Hoffmann, Julian Scheid und Lukas Watzeck ließen in 12:19 Minuten die Pokalverteidiger der Realschule Zell (12:45) hinter sich.

Mit 549 Teilnehmern und 1000 Zuschauern wurde eine so gute Beteiligung wie noch nie in acht Jahren Zeller Adventslauf erzielt. Für das kommende Jahr seien allerdings einige Änderungen angedacht, war aus dem Organisationsteam zu hören. Die konkreten Pläne werde man demnächst bekannt geben. Holger Teusch

Weitere Fotos vom Zeller Adventslauf im Internet www.rhein-zeitung.de/regionales

Regionalsport Süd - Klasse 10 - Sonstiger Sport
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