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Plötzlich könnte gar die Erste Liga ein Thema werden

Schach – TSV Schott Mainz schlägt den designierten Zweitligameister SV Griesheim und würde bei dessen Verzicht den Aufstieg annehmen.

Bislang eifrigster Punktesammler des TSV Schott: Mit dem Remis gegen den SV Griesheim kommt Matthias Dann auf fünf Zähler aus acht Partien.
Bislang eifrigster Punktesammler des TSV Schott: Mit dem Remis gegen den SV Griesheim kommt Matthias Dann auf fünf Zähler aus acht Partien.
Foto: Julia Rau

Überraschung – Mit einem Knaller am vorletzten Spieltag hat sich Schach- Zweitligist TSV Schott Mainz in eine noch vor wenigen Wochen ungeahnte Situation katapultiert.

Durch den 4½:3½-Heimsieg gegen den inzwischen als Meister der Südgruppe feststehenden SV Griesheim werden die Mainzer die Saison mindestens auf dem dritten Tabellenplatz beenden. "Und das bedeutet, dass wir im Zweifelsfall als Erste gefragt würden, ob wir aufsteigen wollen", berichtet Erich Siebenhaar.

"Wir haben kein Geld, würden es aber trotzdem probieren"

Einem Gerücht zufolge wollen nämlich die Südhessen auf die Rückkehr in die Erste Bundesliga verzichten. "Es heißt, die Griesheimer hätten kein Geld für den Aufstieg", sagt der Schott-Manager. "Wir haben zwar auch keines, aber wir würden es trotzdem probieren." Der aktuelle Tabellenzweite OSG Baden-Baden II darf als Reserve eines Bundesligateams nicht aufsteigen.

Eine intensive Sponsorensuche in der Hoffnung, den eigenen Etat auf durchschnittliches Erstliganiveau zu bringen, würden Siebenhaar und seine Mitstreiter sich wohl ersparen. "Dafür wäre so viel Geld nötig, dass wir es gar nicht erst versuchen würden", sagt der Schott-Schachchef.

Zugänge von außen sind kein Thema

Deshalb plant er für den Aufstiegsfall auch keine Neuverpflichtungen im Kader. "Wir würden im Prinzip mit derselben Mannschaft wie in dieser Saison antreten", sagt er. "Wir würden unseren jungen Leuten die Chance geben, ein Jahr in der Bundesliga zu spielen und alle Kämpfe zu verlieren...", witzelt Siebenhaar.

Lediglich Constantin Göbel solle neu in den Kader rutschen – der Abiturient ist bislang Stammspieler in der Zweiten Mannschaft, kam in dieser Spielzeit auf zwei Zweitligaeinsätze und steuert auf eine Elo-Zahl von 2300 Punkten zu. "Für ihn wird es Zeit, dass er höherklassig spielt."

Drei Deutsche waren zu viel

Den Sieg gegen den SV Griesheim hatte Siebenhaar im Vorfeld für möglich gehalten, sofern der designierte Meister nicht mit seiner geballten polnisch-ungarischen Armada antrete. Tatsächlich hatten die Gäste zwar nur an den drei letzten Brettern deutsche Akteure eingesetzt, und abgesehen vom achten Brett wiesen die Gäste durchweg die (deutlich) höheren Wertungszahlen auf.

"Aber unterm Strich waren sie mit dem Ergebnis noch gut bedient", sagte Erich Siebenhaar. "Harry Gohil hätte seine Partie nicht verlieren müssen, und Kai Wornath stand vor dem letzten Zug klar auf Sieg". Gefährdet sei der Erfolg jedoch zu keinem Zeitpunkt gewesen – und darauf durften die Mainzer stolz sein. "Denn Griesheim hat eigentlich eine Erstligamannschaft an den Brettern. Voriges Jahr sind sie nur wegen eines halben Brettpunktes zu wenig abgestiegen. Gegen ein solches Team können wir an einem gute Tag gewinnen, aber so etwas passiert nicht immer."

Peter H. Eisenhuth

TSV Schott Mainz – SV Griesheim 4½:3½

1. Balcerak – Mista 1:0, 2. Dann – Hera ½:½, 3. Lanka – Tazbir ½:½, 4. Bewersdorff – Bulski 0:1, 5. Gohil – Grabarczyk 0:1, 6. Schenderowitsch – Nothnagel 1:0, 7. Kienast – Köhler 1:0, 8. Wornath – Chernyavskyy ½:½.

Regionalsport Mainz
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