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"Wer nicht da war, der hat etwas verpasst"

Fußball-Verbandspokal – SVG-Trainer Jürgen Collet ist nach dem 0:1 gegen den SVN Zweibrücken stolz auf sein Team.

Jo Inoue (r.) bot als Linksverteidiger eine starke Leistung gegen den SVN Zweibrücken. Die letzten 14 Minuten verpasste der Gonsenheimer Japaner jedoch nach einer Gelb-Roten Karte in der 81. Minute. Foto:  Harry Braun
Jo Inoue (r.) bot als Linksverteidiger eine starke Leistung gegen den SVN Zweibrücken. Die letzten 14 Minuten verpasste der Gonsenheimer Japaner jedoch nach einer Gelb-Roten Karte in der 81. Minute.
Foto: Harry Braun

Gonsenheim – Natürlich ließen sie nach dem Abpfiff die Köpfe hängen. Und dass Silvester Nawrot enttäuscht zu Boden ging und eine Weile mit angewinkelten Beinen auf dem Rücken liegen blieb, war keine Überraschung. Der junge Torwart des SV Gonsenheim wusste, dass er einen Anteil am einzigen Tor des Abends hatte. "Das geht auf mich", gab er später unumwunden zu. Weil seine Vorderleute es trotz klar überlegen geführter zweiter Halbzeit versäumten, eine ihrer eigenen Chancen zu verwerten, unterlag der Oberligist im Viertelfinale um den Verbandspokal dem klassenhöheren SVN Zweibrücken mit 0:1 (0:1).

Die Reaktion der Gäste sprach Bände. "Oh Mann", sagte Christian Telch, der frühere 05-Amateur, "das hab' ich mir einfacher vorgestellt. Aber egal, am Ende haben wir gewonnen, mehr wollten wir ja nicht..."

Güclü mit der Ausgleichschance

Wer weiß, ob der Regionalligasechste diesen Willen auch durchgesetzt hätte, wäre Arif Güclü in der 76. Minute etwas kaltschnäuziger vorgegangen. Nach einer kurzen Ecke und einer maßgenauen Flanke von Stefano Pennella Richtung zweiten Pfosten war der Stürmer aus fünf Metern zum Kopfball gekommen, scheiterte jedoch an Thorsten Hodel. Eine klasse Parade des Zweibrücker Schlussmanns, keine Frage. "Aber Arif war so frei...", haderte SVG-Trainer Jürgen Collet nach dem Abpfiff, "den muss er drücken."

Diese und zwei, drei weitere Szenen bestätigten letztlich das, was Collet seinen Spielern schon vor dem Anpfiff gesagt hatte: "Wir werden nicht viele Chancen bekommen, aber die müssen wir nutzen." Weil dem Oberligisten aber genau das nicht gelang, blieb ihm der Einzug ins Halbfinale verwehrt. "Und ich glaube, wir hätten es verdient gehabt", merkte der SVG-Trainer mit Recht an.

Zwar hatten die Gastgeber eine Weile gebraucht, um sich auf den Gegner einzustellen und sich an die Spielweise des SVN zu gewöhnen. Dabei aber standen die Gonsenheimer defensiv so gut, dass die Gäste aus dem Feld heraus kaum zu gefährlichen Strafraumszenen kamen. Das 0:1 fiel nach einer Ecke von der linken Angriffsseite. "Der Ball kam auf den langen Pfosten, ich musste mich umdrehen", schilderte Silvester Nawrot später diese Situation. "Das war nicht ganz einfach, aber natürlich muss ich den Ball halten." Weil der Keeper kurz den Überblick verlor, gelang es dem Zweibrücker Innenverteidiger Andreas Backmann, den Ball ins kurze Eck zu drücken (17.).

"Silvester darf Fehler machen"

"Das war Silvesters Tor", sagte auch Jürgen Collet, "das macht aber nix. Er ist ein junger Torwart, er darf Fehler machen, er hat mein Vertrauen." Abgesehen von dieser einen Szene habe Nawrot seine Sache ja auch gut gemacht. Überragende Aktion: Zwei Minuten vor der Pause holte der Keeper einen Freistoß von Abdessamad Fachat aus dem Winkel.

Nawrots Vorderleute waren etwa nach 25 Minuten in der Lage, den Pfälzern ein Duell auf Augenhöhe zu liefern. Nach dem Seitenwechsel erarbeiteten sie sich mit ihre Lauf- und Einsatzfreude, mit ihrer kompromisslosen Zweikampfführung im Mittelfeld sogar rasch die größeren Spielanteile. "Nachdem wir unseren Respekt abgelegt hatten, war zu sehen, dass wir uns auch Chancen erarbeiten können", sagte Collet. Eine davon hätte noch vor der Pause den Ausgleich bringen können: Nach einem von Ertan Ekiz eingeleiteten Angriff setzte sich der A-Jugendliche Nils Letz auf der linken Seite durch und passte scharf vors Tor, doch Aleksandar Petreski und Pennella verpassten knapp.

Pennella selbst brachte in der 54. Minute den Ball ähnlich an den Fünfmeterraum, aber auch diesmal kam kein Mitspieler dran. Zwei gefährliche Freistöße des Gonsenheimer Angreifers wurden noch gefährlicher, indem sie von SVN-Verteidigern abgefälscht wurden, strichen aber jeweils knapp am Tor vorbei (64., 74.). Wenig später folgte Güclüs vergebene Großchance.

"Ich mache meiner Mannschaft ein Kompliment", sagte Trainer Collet. "Wir sind nicht vor Ehrfurcht in die Knie gegangen, sondern haben versucht, Fußball zu spielen." Das galt auch für die Zeit nach der 81. Minute, in der Linksverteidiger Jo Inoue wegen wiederholten Foulspiels die Gelb-Rote Karte gesehen hatte. Collet stellte auf Dreierkette um, seine Mannschaft drückte den Regionalligisten in dessen Strafraum.

"Schade nur, dass wir uns nicht belohnt haben", sagte der Gonsenheimer Coach. "Aber das war ein klasse Pokalfight. Alle Zuschauer, die heute nicht da waren, haben etwas verpasst."

Peter H. Eisenhuth

Sport Mainz
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