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    Stabhochsprung: Caro Hingst springt nach Nieder-Ingelheim

    Die Stabhochsprungabteilung des USC Mainz ist Geschichte: Nachdem Anna Battkes Comebackversuch im Frühjahr ins Karriereende gemündet war, nachdem Trainer Balian Buschbaum quasi über Nacht seinen Ausstieg vollzogen hatte und nachdem Katharina Bauer am Saisonende ihren Wechsel zu Bayer Leverkusen angekündigt hatte, verlässt jetzt auch Carolin Hingst den Verein.

    Hat nach gescheiterten Finanzverhandlungen beim USC Mainz einen neuen Verein gefunden: Carolin Hingst wechselt zur TG Nieder-Ingelheim. Foto: Eva Willwacher
    Hat nach gescheiterten Finanzverhandlungen beim USC Mainz einen neuen Verein gefunden: Carolin Hingst wechselt zur TG Nieder-Ingelheim.
    Foto: Eva Willwacher

    Von Peter H. Eisenhuth

    Künftig wird die 33-Jährige das Trikot der TG Nieder-Ingelheim tragen.

    "Wir haben Gespräche über eine Vertragsverlängerung geführt, aber wir sind nicht auf einen gemeinsamen Nenner gekommen", begründet Hingst ihren Abschied vom USC. "Ich wollte bisschen mehr, als ich vorige Saison bekommen habe, aber damit war der Verein nicht einverstanden." Deshalb sehe sie sich gezwungen, nach zwölf Jahren neue Wege zu gehen. "Die Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen, schließlich habe ich meine gesamte bisherige Profikarriere beim USC Mainz verbracht. Eine Zeit mit vielen Höhen und Tiefen und mit vielen Überraschungen."

    Ihr Weggang zum jetzigen Zeitpunkt zählt nicht unbedingt zu den Überraschungen. Schon in einem Gespräch mit der Mainzer Rhein-Zeitung zum Saisonende hatte Hingst angekündigt, dass sie zwar Gespräche mit Abteilungsleiter Stephan Kallenberg über eine Vertragsverlängerung führen und ihre Karriere in einigen Jahren - Hingsts letztes großes Ziel ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio 2016 - auch gerne in Mainz beenden würde. Allerdings ließ sie auch durchblicken, dass sie keine gesteigerte Lust auf ähnlich langwierige Gehaltsverhandlungen wie vor der Saison 2013 habe.

    Schon vor einem Jahr hatte es in dieser Frage keine Einigung gegeben. Kallenberg hatte Hingst unter Verweis auf ihr Alter und ihre langwierigen Verletzungen, aber auch mit Blick auf die Finanzsituation des Vereins und angesichts der Tatsache, das 2013 kein olympisches Jahr sei, einen leistungsbezogenen Kontrakt angeboten. Hingst signalisierte grundsätzlich Verständnis, fühlte ihre Arbeit aber nicht angemessen honoriert.

    Ein Klubwechsel der Athletin scheiterte jedoch unter anderem daran, dass andere Vereine nicht fähig oder willens waren, das Mainzer Angebot zu überbieten. Dass sich Carolin Hingst, auch von den meisten Experten bereits abgeschrieben, dann Sommer trotz lang anhaltender Achillessehnenprobleme zu einem neuen Höhenflug aufschwang, dass sie nach einem Saisoneinstieg mit 4,31 Meter konstant Höhen zwischen 4,60 und 4,71 Meter sprang, dass sie sich für die Weltmeisterschaften in Moskau qualifizierte (wo sie dann aber von der Achillessehne gestoppt wurde), war eine originelle Pointe.

    Es änderte aber nichts daran, dass die USC-Verantwortlichen auch vor der Saison 2014 nicht bereit sind, den finanziellen Forderungen der 33-Jährigen nachzukommen. Abteilungsleiter Kallenberg hatte in der Vergangenheit des Öfteren betont, Hingst halten und möglichst bald auch als Trainerin einbinden zu wollen. Das hat sich jetzt erledigt.

    Dass die TG Nieder-Ingelheim in den vergangenen Jahren für leichtathletische Furore gesorgt hätte, lässt sich nicht behaupten. Carolin Hingst versteht ihren Wechsel dorthin denn auch als Mission: Als Übungsleiterin will sie dazu beitragen, die stillgelegte Leichtathletikabteilung wieder aufzubauen. "Diese Perspektive gibt es, und die Leute waren ganz begeistert, als ich das vorgebracht habe." Denn: Nicht die TG sei auf sie zugekommen, "sondern ich habe mich in Nieder-Ingelheim gemeldet".

    Wieder ohne festen Trainer

    Was ihre eigene aktive Karriere betrifft, wird sich für Hingst nicht viel ändern. Trainieren darf sie, weil nach wie vor Mitglied des DLV-Kaders und der Sportförderkompanie der Bundeswehr, auch weiterhin am Stützpunkt Mainz. "Ich muss das Stabhochspringen ja nicht mehr lernen", sagt Hingst. "Für mich geht es nur darum, gesund zu bleiben und mich fitzuhalten."

    Einen festen Trainer hat die Olympiasechste von Peking 2008, deren Bestleistung bei 4,72 Meter liegt, allerdings nicht mehr: Peter Engel vom USC Mainz, der sie, obschon im Stabhochsprung nicht zu Hause, in der vergangenen Saison erfolgreich gecoacht hatte, steht aus beruflichen Gründen nicht mehr zur Verfügung. "Das ist schade", sagt Hingst, "aber ich habe ja jahrelange Erfahrung damit, ohne festen Trainer zu arbeiten."

    Sport Mainz
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