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Mainz

Kollektiver Kirchenaustritt in Mainz geplant

Am Donnerstag soll es eng werden im Mainzer Standesamt. Über Facebook haben sich mehr als 70 Personen zu einem kollektiven Kirchenaustritt verabredet. Mit der Aktion wollen die Organisatoren ein Zeichen "gegen die Missstände in der Kirche" setzen.

Nichts wie raus aus der Kirche?
Nichts wie raus aus der Kirche?
Foto: dpa (Archivbild)

Mainz – Am Donnerstag – einen Tag vor Karfreitag – soll es eng werden im Mainzer Standesamt.

Über Facebook haben sich mehr als 70 Personen (Stand: Montagmorgen) zu einem kollektiven Kirchenaustritt verabredet. Mit der Aktion wollen die Organisatoren ein Zeichen "gegen die Missstände in der Kirche" setzen. Wer David Häußer, einer der Organisatoren, nach seinen Gründen fragt, der wird schon fast erschlagen mit Argumenten. Ganz klar sei, dass die Kirche nicht die liebevolle, moralische Institution sei, als die sie "sich verkauft". Die im vergangenen Jahr aufgedeckten Missbrauchsfälle sind für ihn nur ein Beispiel. Auch die Verwendung der Kirchensteuer ärgert ihn: "Oft wird ja darauf verwiesen, dass die Kirche damit soziale Aufgaben erfüllt, aber laut Giordano-Bruno-Stiftung gilt das nur für 10 Prozent der Steuern. 90 Prozent sind für innerkirchliche Zwecke."

Häußer, der auch beim Internetmagazin FICKO aktiv ist, das im Januar die Demo gegen Thilo Sarrazin organisiert hatte, macht aber eine wichtige Unterscheidung: "Es geht uns nicht um Religion. Wer an Gott glaubt, soll das ruhig weiterhin tun. Es gibt nur einfach keinen Grund, warum man dafür in der Kirche organisiert sein sollte."

Die Frage, warum er nicht einfach aus der Kirche austritt und den Rest der Welt damit in Ruhe lässt, kontert der noch evangelische Ungläubige ganz locker: Die Kirche lässt den Rest der Welt ja auch nicht in Ruhe. "Die Mitspracherechte der Kirche im Leben der Menschen sind immens, etwa beim Thema Schwangerschaftsabbrüche. Und obwohl die Kirche diese nicht einmal bezahlt, hat sie das letzte Wort bei den Theologieprofessuren an der Uni und darf wegen des Konkordatslehrstuhls sogar in der Philosophie und in Geschichte entscheidend mitbestimmen. Ich kenne außerdem Leute, die in sozialen Berufen arbeiten und nicht aus der Kirche austreten dürfen, weil sie sonst ernste Probleme mit ihrem Arbeitgeber kriegen. Das finde ich unglaublich!"

Erst hatten sich nur ein paar Freunde ganz privat für den gemeinsamen Austritt gefunden. Dann wurde die Facebookseite erstellt. Wie viele Austritte es am Donnerstag tatsächlich geben wird, ist allerdings unklar. Denn laut Häußer wollen auch Personen live dabei sein, die nie in der Kirche waren oder längst ausgetreten sind. Und natürlich freuen sich die Organisatoren, wenn noch mehr Mainzer dabei sind.

Der „Kollektive Kirchenaustritt in Mainz“ findet im „Jahr des Kirchenaustritts“ statt. Dieses Aktionsjahr von mehreren atheistischen Organisationen geht noch bis zum 11. November 2011 und steht unter dem Motto "Mehr Netto, mehr Freiheit, mehr Solidarität". Infos: www.kirchenaustrittsjahr.de.

Zu den Unterstützern des kollektiven Kirchenaustritts in Mainz gehören die Giordano-Bruno-Stiftung Mainz/Rheinhessen, FICKO – Magazin für gute Sachen und gegen schlechte und der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA).

Die Aktion ist geplant für Donnerstag, 21. April, 10 bis 12 Uhr, Stadtverwaltung Mainz, Eingang Kreyßig-Flügel, Kaiserstraße 3-5. Zum Austritt benötigt wird der Personalausweis und die Austrittsgebühr in Höhe von 20,45 Euro. Alexandra Schröder

Rheinland-Pfalz
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