40.000
Aus unserem Archiv
Montabaur

Verwarnung kassiert: 19-jähriger Betrüger hat ein massives Drogenproblem

Angela Baumeier

Einen ungewöhnlichen Verlauf nahm jetzt eine Hauptverhandlung am Schöffengericht Montabaur, bei dem ein heute 19-Jähriger des Betrugs angeklagt war, den er im Dezember 2016 in Maxsain begangen hatte. Dafür kassierte er nun eine Verwarnung, die mit etlichen Auflagen verknüpft ist.

Ein 19-Jähriger wurde nach dem Jugendstrafrecht verwarnt, hat nun nachweisbar ein drogenfreies Leben zu führen, eine Beratungsstelle zu kontaktieren und muss 60 Sozialstunden in zwei Monaten ableisten.
Ein 19-Jähriger wurde nach dem Jugendstrafrecht verwarnt, hat nun nachweisbar ein drogenfreies Leben zu führen, eine Beratungsstelle zu kontaktieren und muss 60 Sozialstunden in zwei Monaten ableisten.
Foto: dpa

Über ein Internet-Auktionshaus hatte der Angeklagte damals ein Motherboard verkauft, dafür das Geld erhalten, die Ware aber nicht geliefert. Der Wert betrug 30 Euro. Auch wenn das nicht der schwerste Kriminalfall sei, „Betrug ist Betrug“, meinte der Staatsanwalt.

Ungewöhnlich wurde dieser Prozess durch das Auftreten des jungen Mannes, der heute in Essen wohnt. „Sie müssen Ihren Imageberater wechseln“, riet ihm Richter Dr. Orlik Frank, „so eine flapsige Art kommt nicht gut rüber. Überlassen Sie das lieber dem Richter“. Bereits als der Angeklagte nach seinen persönlichen Verhältnissen gefragt wurde, ließ seine Ausdrucksweise aufhorchen.

Der junge Mann, der erst im zweiten Anlauf seinen Hauptschulabschluss schaffte, schmiss nach rund einem Jahr seine Ausbildung. „Tja, dann hat sich das so geschwenkt. Mal hatte ich Arbeit als Aushilfe“, erklärte er. Seitdem – also seit rund zwei Jahren – lebt er von Vater Staat und sei nun aber auf gutem Wege, eine Ausbildung in der großen Stadt zu finden. Doch, dieser Schritt müsse gut überlegt sein, denn: „Man will ja nicht irgendwo landen, wo immer 40 Grad sind und Plastik in der Luft schwebt.“

Richter Frank fasste zusammen: Sie liegen also sei zwei Jahren auf der faulen Haut, schaffen nichts, weil sie keinen Bock haben zu arbeiten? Können wir uns darauf verständigen? „Halb richtig“, erwiderte der Angeklagte.

Entschieden, mit angehobenen Händen beteuerte der 19-Jährige hingegen, „nix“ mit Drogen zu tun zu haben. Weil der Richter Zweifel an der Verhandlungsfähigkeit des jungen Mannes hatte, ließ er es nicht bei dieser Beteuerung belassen, sondern ordnete einen sofortigen polizeilichen Drogenschnelltest an. „Muss ich das jetzt tun?“, erkundigte sich der Angeklagte mehrfach und meinte: „Ich verstehe das Anliegen, aber das ist jetzt ein bisschen komisch“. Schließlich folgte er freiwillig den Polizeibeamten zur Toilette. Minuten später stand fest: Die Urinprobe war THC-positiv. „Ihr Lebenslauf spricht dafür, dass Sie schon länger Cannabis zu sich nehmen“, meinte der Richter und schilderte die allgemeinen Folgen eines solchen Drogenkonsums: „Cannabis macht lethargisch – und Cannabis macht blöd.“

Dann wurde die Verhandlung fortgesetzt. Ohne große Worte gab der Angeklagte den begangenen Betrug zu. Als die Staatsanwaltschaft neben einer Verwarnung als Auflagen 60 Sozialstunden, Teilnahme an Drogenberatungsgesprächen und Drogenscreenings forderte, meinte der junge Betrüger: „Das ist ein bisschen knallhart. Aber, ich höre hin.“ In seinem Urteil folgte das Schöffengericht weitestgehend: Der 19-Jährige wurde nach dem Jugendstrafrecht verwarnt, hat nun nachweisbar ein drogenfreies Leben zu führen, eine Beratungsstelle zu kontaktieren und 60 Sozialstunden in zwei Monaten zu leisten.

Auf die Frage, ob er noch etwas dazu sagen wolle, meinte der kleine Gauner, der nicht zum ersten Mal vor Gericht stand: Als ich das letzte Mal die Anzahl der Sozialstunden kritisierte, hab‘ ich noch zehn dazubekommen. Das wollte er sich nicht noch einmal geben und erkannte das Urteil an: „Ist schon richtig so, wie das heute gelaufen ist.“

Von unserer Reporterin Angela Baumeier

Montabaur Hachenburg
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Online regional
Markus Eschenauer Markus Eschenauer (me)
Online regional
Tel. 02602/160474
E-Mail
epaper-startseite
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
Bildergalerien: Fotos unserer Leser
&bdquo;Pfui Spinne&ldquo; mag der ein oder andere beim Anblick dieses Fotos von Volker Horz denken. Und doch hat die Detailaufnahme dieses Festmahls ihren ganz eigenen Reiz. Jedenfalls ist dem Achtbeiner hier ein dicker Fang ins Netz gegangen.&nbsp;Wenn auch Sie ein sch&ouml;nes Bild f&uuml;r unsere Leserfoto-Rubrik haben, dann schicken Sie es an die Adresse <a href="mailto:montabaur@rhein-zeitung.net">montabaur@rhein-zeitung.net</a>. Beachten Sie dabei bitte die erforderliche Mindestaufl&ouml;sung von 2500 mal 1500 Pixel.

Mit der Kamera im Westerwald unterwegs: Hier zeigen wir die schönsten Fotos unserer Leser. Zusenden per E-Mail.