40.000
Aus unserem Archiv
Alsbach

Nachbarn leiden unter Lärm und Wasserschäden: Richter kommen nach Alsbach

Es begann als Streit unter Nachbarn – und hat jetzt zu einem Prozess unter freiem Himmel geführt: Ein Alsbacher Ehepaar klagt gegen den Westerwaldkreis, weil es sich von dem Gewerbe auf dem Nachbarsgrundstück gestört fühlt. Die Eheleute beschweren sich über Lärm und Wasserschäden – und sind empört, dass der Kreis es zulässt, dass in einer Wohngegend Pavillons und Lagerhallen errichtet werden dürfen.

Auch Vizepräsident Klaus Meier (links) war bei dem Ortstermin dabei. Foto: Eugen Lambrecht
Auch Vizepräsident Klaus Meier (links) war bei dem Ortstermin dabei.
Foto: Eugen Lambrecht

Als an einem grauen Novembertag drei Richter und zwei Schöffen des Verwaltungsgerichts Koblenz in die Alsbacher Wohngegend kommen, steht der Gewerbechef bereits vor seiner Einfahrt. Der Mann in blauer Arbeitshose ist sichtlich nervös. Immerhin geht es hier um die Zukunft seines Betriebes. Denn: Sollte das Gericht der Klage der Eheleute Recht geben, müsste sich der Mann einen neuen Standort für sein Gewerbe suchen.

Deshalb stellt er gleich zu Beginn der Verhandlung klar: „Ich wohne hier und habe hier mein Büro. Aber wir sind kein produzierendes Gewerbe. Ich saniere Balkone und Treppen. Ich habe keine Angestellten und führe den Betrieb alleine.“ Der Vizepräsident des Verwaltungsgerichts Koblenz, Klaus Meier, fasst die Grundproblematik so zusammen: „Sie betreiben hier ein Gewerbe in einem Wohngebiet. Das ist eigentlich unzulässig. Die Frage ist: Ist hier eine Ausnahme möglich?“

Das bejaht Kreisoberinspektor Eric Schäck. Denn: Es herrsche kein störender Gewerbebetrieb und die neu errichtete Halle diene lediglich zu Lagerzwecken. Das sieht der Anwalt des klagenden Ehepaars anders: „Wir sind der Meinung, dass hier ein erheblicher Gewerbebetrieb angefangen hat und ausgeweitet wird. Das wird immer mehr. Schauen sie mal das Tor zum Grundstück: Das sieht aus, als würde man zu Aldi reinfahren.“

Die Richter machen sich selbst ein Bild. Sie gehen über das Grundstück, schauen in den Pavillon, in die Halle, begutachten Leitern, Metallleisten und Gasflaschen. Der Gewerbechef erklärt: „Die Autos werden hier mit Werkzeug und anderen Materialien beladen. Aber wir stellen bei den Kunden vor Ort Bodenbelege her, nicht hier.“

Nach einer viertel Stunde resümiert Richter Meier: „Das Gewerbe hier ist unzulässig. Das ist ein reines Wohngebiet. Wenn sie expandieren, wird es immer unerträglicher für die Nachbarn. Klar, das ist bitter, sie bräuchten einen neuen Standort. Aber ich weiß nicht, ob das geht in einem Wohngebiet.“

Der Gewerbechef ist fassungslos: „Ich störe hier doch niemanden. Das ist nicht verständlich für mich.“ Meier versucht zu erklären: „Wenn wir das hier zulassen, könnte sich ja jeder darauf berufen. Dann entstünde hier ein Mischgebiet – oder ein Gewerbegebiet.“ Der Richter regt an, dass der Mann mit der Kreisverwaltung nach einer Lösung sucht, rät ihm aber vorher auf die Entscheidung des Gerichts zu warten. Die soll in den kommenden Wochen getroffen werden.

Von unserem Reporter Eugen Lambrecht

Montabaur Hachenburg
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
x
x
Top Angebote auf einen Klick
Anzeige
Anzeige
Online regional
Markus Eschenauer Markus Eschenauer (me)
Online regional
Tel. 02602/160474
E-Mail
epaper-startseite
Regionalwetter Westerwald
Montag

12°C - 22°C
Dienstag

13°C - 24°C
Mittwoch

15°C - 29°C
Donnerstag

10°C - 25°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
Bildergalerien: Fotos unserer Leser
&bdquo;Pfui Spinne&ldquo; mag der ein oder andere beim Anblick dieses Fotos von Volker Horz denken. Und doch hat die Detailaufnahme dieses Festmahls ihren ganz eigenen Reiz. Jedenfalls ist dem Achtbeiner hier ein dicker Fang ins Netz gegangen.&nbsp;Wenn auch Sie ein sch&ouml;nes Bild f&uuml;r unsere Leserfoto-Rubrik haben, dann schicken Sie es an die Adresse <a href="mailto:montabaur@rhein-zeitung.net">montabaur@rhein-zeitung.net</a>. Beachten Sie dabei bitte die erforderliche Mindestaufl&ouml;sung von 2500 mal 1500 Pixel.

Mit der Kamera im Westerwald unterwegs: Hier zeigen wir die schönsten Fotos unserer Leser. Zusenden per E-Mail.