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Montabaur

Helfer im Einsatz: Kurt Lenz ist der Mann für die ersten Minuten [mit Video]

Martin Boldt

Wenn der Piepser an Kurt Lenz‘ Hosenbund anschlägt, ist alles andere erst einmal nebensächlich. Er wird gebraucht, vielleicht ist es eine Sturzverletzung, ein Herzinfarkt, ein allergischer Schock. Der 52-Jährige springt in seinen metallicgrünen Subaru und rast zum Ort des Geschehens. Lenz ist ehrenamtlicher Ersthelfer beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Montabaur. Dieser bildet gewissermaßen die Vorhut, wenn der eigentliche Rettungsdienst verhindert oder gerade bei einem anderen Einsatz ist und daher nicht sofort mit einem Fahrzeug in Richtung Notfall aufbrechen kann.

Kurt Lenz ist seit Jahrzehnten beim Deutschen Roten Kreuz in Montabaur. Als Ersthelfer kommt er Menschen bei Autounfällen, Herzinfarkten, Missgeschicken im Haushalt oder auch bei Geburten zur Hilfe.
Kurt Lenz ist seit Jahrzehnten beim Deutschen Roten Kreuz in Montabaur. Als Ersthelfer kommt er Menschen bei Autounfällen, Herzinfarkten, Missgeschicken im Haushalt oder auch bei Geburten zur Hilfe.
Foto: Verena Hallerman

Das Konzept ist noch relativ neu. In der Kreisstadt des Westerwaldkreises existiert es auf Initiative der dazugehörigen Verbandsgemeinde seit 2010. „Ich übernehme die Erstversorgung der Patienten, um die Zeit bis zum Eintreffen des Krankenwagens zu überbrücken“, sagt der drahtige Mann in seiner ihm ganz eigenen ruhigen Weise. Er sei der Mann „für die ersten fünf Minuten“, erklärt er und lacht dabei milde. Sein Einzugsgebiet reicht von Elgendorf, Eschelbach und Horressen bis zur Gelbachgemeinde Ettersdorf.

Was dem Ersthelfer bei seinen Einsätzen zugutekommt, ist seine langjährige Erfahrung als Taxifahrer in der Kreisstadt. Kaum einen Schleichweg, den er nicht kennt und zu nutzen weiß. Ist etwa ein Atemstillstand gemeldet, zählt schließlich jede Minute. Ein wichtiger Vorteil für den Rotkreuzler ist auch seine Anstellung bei der Stadt, für die er als Hausmeister die Tiefgaragen bewirtschaftet. „Immer mehr Arbeitgeber sperren sich ja, wenn es darum geht, dass man in der Arbeitszeit als Helfer zu einem Einsatz ausrücken kann.“In seinem Fall ist es von Arbeitgeberseite hingegen sogar ausdrücklich erwünscht, „außer der Kassenautomat steht gerade offen“, scherzt der 52-Jährige, der bei mehr als 80 Prozent aller Alarmierungen auch tatsächlich als Ersthelfer ausrückt. Insgesamt wurden er und seine Kollegen 2016 zu mehr als 320 Vorfällen gerufen. Zu Einsätzen mit Kindern fährt er nach wie vor mit flauem Gefühl im Magen.

Quelle: YouTube (erweiteter Datenschutzmodus)

Um möglichst schnell Vertrauen zu den kleinen Unfallpatienten aufzubauen, hat er aber immer ein Stofftier in seinem Einsatzwagen griffbereit. „Ich versuche, generell vor Ort immer erst einmal eine Ruhe hineinzubringen. Bei Hektik macht man Fehler.“

Sein glücklichster Moment als Helfer im Dienste des Roten Kreuzes, das wird Lenz nie vergessen, war der Ruf zu einer beginnenden Geburt Anfang der 90er-Jahre in Bad Ems. „An einen Transport war damals nicht mehr zu denken, also wurden wir vor Ort zu Geburtshelfern.“

Schon früh in seinem Leben fühlt Lenz sich berufen, anderen zu helfen. 1976 tritt er in das Jugendrotkreuz der Ortsgruppe Montabaur ein. Begründet liegt dies unter anderem in der gesundheitlichen Situation des Vaters daheim, der an schweren Asthmaanfällen leidet und für den Lenz schon in jungen Jahren eine wichtige Stütze ist. „Damals gab es noch keine Computer, man hat geschaut, was denn den anderen in der Nachbarschaft Spaß gemacht hat und ist dann irgendwann selbst einmal mitgegangen“, erzählt er von seinem Einstieg in das Rote Kreuz. Ab dem Alter von 16 Jahren arbeitet er längere Zeit als zweiter Mann neben einem hauptamtlichen Sanitäter auf einem Rettungswagen in Bad Ems und Diez.

In der „großen Familie“, wie er die Gemeinschaft der ehrenamtlichen Sanitäter nennt, findet er letztendlich auch das private Glück: Seine Frau Rosemarie, mit der er seit 1988 verheiratet ist, lernt er bei einem Zeltlager des DRK kennengelernt. „Wir sind 1986 bei einer Lagerhochzeit verkuppelt worden“, verrät er. Dass die Gute bereits vorher ein Auge auf ihn geworfen hatte, erfuhr er erst zu einem späteren Zeitpunkt.

Dass Freud und Leid bei diesem ganz besonderen Ehrenamt dicht beieinanderliegen können, muss Lenz bei einem Einsatz im Jahr 2015 erfahren. Die Einsatzleitstelle schickt ihn zu einem schweren Verkehrsunfall auf der Autobahn A3, Höhe Dernbacher Dreieck, wo zwei Lkw aufeinander aufgefahren sind. Einer der Lkw-Fahrer ist im Führerhaus eingeklemmt und Kurt Lenz klettert hinein, um das aus Slowenien stammende Unfallopfer zu begutachten. „Ich habe den Einsatzkräften signalisiert, dass er keine größeren, sichtbaren Verletzungen aufweist und wir ihn freischneiden können“, erinnert er sich. Eine halbe Stunde nach der Bergung erliegt der Mann jedoch seinen inneren Blutungen. „Da kommt man schon einmal ins Grübeln und ist auch geschockt“, berichtet der zweifache Vater. Aber: Er habe über die Jahre gelernt, die Sachen nicht an sich herankommen zu lassen. „Man braucht eine Klappe im Kopf, da rein und Tür zu.“

Abschalten kann Lenz nach derartigen Einsätzen am besten mit seinen beiden Hunden, mit denen er dann viel im Freien unterwegs ist. Auf einem großen Grundstück vor den Toren der Stadt hat er sich einen Garten angelegt, in dem er mit ihnen herumtollen kann, auch eine Hundegruppe besucht er regelmäßig in seiner Freizeit.

Von unserem Reporter Martin Boldt

Montabaur Hachenburg
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