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Nister

Firma Nisterhammer ist Geschichte

Traditionsbetrieb hat vor Kurzem geschlossen. 60 Mitarbeiter und ein ganzer Ort sind fassungslos.

Auf dem Schild steht es: Seit 1725 existierte die Firma Nisterhammer in Nister. Jetzt aber ist überraschend Schluss. Foto: Nadja Hoffmann-Heidrich
Auf dem Schild steht es: Seit 1725 existierte die Firma Nisterhammer in Nister. Jetzt aber ist überraschend Schluss.
Foto: Nadja Hoffmann-Heidrich

Von unserer Redakteurin Nadja Hoffmann-Heidrich

Schwerer Schlag für die Gemeinde Nister und die gesamte Umgebung: Plötzlich und unerwartet hat das jahrhundertealte Traditionsunternehmen Nisterhammer vor Kurzem geschlossen. Für 60 Mitarbeiter bedeutete dies den Verlust ihres Arbeitsplatzes. Einige von ihnen haben zwar relativ schnell wieder eine neue Beschäftigung gefunden, doch der Schmerz über das jähe Ende von Nisterhammer sitzt immer noch tief, wie der ehemalige Betriebsratsvorsitzende Rainer Becker sowie sein ehemaliger Stellvertreter Ulrich Stöcker im Gespräch mit der WZ berichten. Und auch für die Kommune ist die Schließung ein bitterer Verlust von historischer Dimension, immerhin reichen die kaiserlichen Privilegien zur Errichtung eines Hammerwerkes in Nister bereits bis ins Jahr 1570 zurück.

2014 nun endet diese Beziehung zwischen Unternehmen und Gemeinde, die sogar Symbole des früheren Hammerwerkes in ihrem Ortswappen trägt. Der Absturz der Firma begann, so Becker und Stöcker, im Jahr 2007, als der Familienbetrieb Nisterhammer Maschinenbau GmbH an die börsendotierte Holding Indus aus Bergisch-Gladbach verkauft wurde und damit auch ein neuer Geschäftsführer die Firma übernahm. „Dieser Geschäftsführer hat versucht, das Rad neu zu erfinden. Er hat funktionierende Strukturen zerstört. Auf überhebliche Art hat er Kunden und Mitarbeiter verprellt", so die Betriebsräte. Und weiter sagen sie: „Uns Westerwälder hat er als dumme Bauern bezeichnet und uns auch so behandelt."

Von 2011/2012 an rutschten die Finanzen von Nisterhammer dann massiv in den Keller. In einem Interview mit der Wirtschafts- und Finanzzeitschrift „Euro am Sonntag" berichtet Jürgen Abromeit, Chef der Indus Holding, dass das Unternehmen Nisterhammer 2013 bei einem Umsatz von 7 Millionen Euro 2 Millionen Euro Verlust eingefahren hat. Am 25. März dieses Jahres wurde die Belegschaft darüber informiert, dass quasi von heute auf morgen Schluss sein sollte. „Von diesem Moment an wollte die Geschäftsführung auch keine Löhne mehr zahlen", so Becker. Neue Aufträge, obwohl vorhanden, durften nicht mehr angenommen werden. Per Gerichtsbeschluss konnte der Betriebsrat allerdings erwirken, dass ein Sachverständiger die Finanzlage checken durfte. Das bedeutete für die Mitarbeiter, die auch von der IG Metall unterstützt wurden, einen Zeitgewinn von rund drei Monaten. Am 30. Juni war dann allerdings für rund drei Viertel der Belegschaft definitiv Feierabend im Nisterhammer. Wer bis dahin noch keinen neuen Job gefunden hatte, wechselte in eine Transfergesellschaft. „Inzwischen sind etliche Mitarbeiter wieder woanders untergekommen, auch die Lehrlinge sind wieder versorgt, für andere gibt es vielleicht Möglichkeiten zur Frühverrentung. Aber Einbußen haben wir alle hinzunehmen", so Ex-Betriebsrat Becker, der auch berichtet, dass einige der früheren Kollegen von den Ereignissen so mitgenommen wurden, dass sie jetzt unter massiven psychischen Problemen leiden. Eine Handvoll Mitarbeiter wickelt zurzeit noch die letzten Geschäfte ab und sorgt für den Verkauf des gesamten Nisterhammer-Inventars. „Die großen Maschinen sind alle schon weg. Und am 30. November soll dann für alle das Licht ausgehen", so Stöcker.

Doch was wird dann aus dem 7800 Quadratmeter großen Areal, zu dem mehrere Hallen, der von der Nister gespeiste Hammergraben zur Stromgewinnung und ein Waldstück gehören? Diese Frage treibt vor allem Nisters Ortsbürgermeisterin Juliane Vetter um, die befürchtet, dass an der Stelle des ehemaligen wirtschaftlichen Aushängeschildes ein Schandfleck entstehen könnte. „Ich habe den Geschäftsführer von Nisterhammer mehrfach um ein Gespräch gebeten, aber ich bin immer abgewimmelt worden." Noch sei völlig offen, wer die Wasserrechte für den Graben kaufen könnte. Vetter: „Wenn der Graben irgendwann kein Wasser mehr führt, droht er einzustürzen." Die Ortsbürgermeisterin betont auch die psychologische Komponente der Firmenschließung. „Ganze Generationen von Bürgern aus Nister sind mit Nisterhammer groß geworden. Wenn einige Ältere jetzt über das Aus reden, haben sie sogar Tränen in den Augen."

Die beiden Ex-Betriebsräte Becker und Stöcker fragen sich heute selbstkritisch, ob es nicht sinnvoll gewesen wäre, dafür zu kämpfen, Nisterhammer in eine kontrollierte Insolvenz zu führen. „Vielleicht hätte ein cleverer Insolvenzverwalter noch etwas retten können", sagen sie. Über die Indus Holding sprechen sie insgesamt eher positiv: „Die Übernahme war nicht das grundlegende Problem. Die Holding hat uns in den vergangenen Jahren noch am Leben gehalten. Die Schließung ist einzig auf das Verhalten des Geschäftsführers zurückzuführen", erklären Becker und Stöcker.

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