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    Koblenz/Neuwied

    Vertagt: Gericht stößt bei Sadomaso-Sex an seine Grenzen

    Um Sexualpraktiken, die die meisten wohl als eher unappetitlich empfinden, ging es jetzt vor dem Koblenzer Amtsgericht, genauer: um die Frage, ob sogenannte Natursektspiele, bei denen Urin eine Rolle spielt, zu den Sadomaso-Praktiken zählen. Da die Prozessbeteiligten dies in der öffentlichen Verhandlung nicht eindeutig klären konnten, hob Richterin Nina Rump den Prozess wegen übler Nachrede vorerst auf.

    Von unserem Mitarbeiter Winfried Scholz

    Im Verlauf der Verhandlung konnte man den Eindruck gewinnen, dass es eigentlich um große Enttäuschung im Zwischenmenschlichen geht, ja auch um Rachegefühle nach dem Ende einer Liebesbeziehung: Angeklagt war ein lediger Mann (52) aus dem Kreis Mayen-Koblenz, nach eigenen Worten selbstständiger Unternehmer. In einem Brief an Bekannte und sogar an die Generalstaatsanwaltschaft hatte er behauptet, seine ehemalige Freundin (43) unterhalte intime Kontakte zu fünf Männern gleichzeitig und praktiziere dabei Herren-Sklaven-Sex.

    Nach einer Anzeige der Frau erhielt der Mann einen Strafbefehl über 40 Tagessätze. Dagegen legte er Widerspruch ein, und deshalb kam es nun zu der Verhandlung vor dem Amtsgericht. Die Frau berichtete als Zeugin, nach einer vierjährigen Beziehung habe sie diese im November 2011 beendet. Nach einigen Wochen lernte sie ihren heutigen Freund kennen. Sie traf sich aber noch einige Male mit dem Ex, hauptsächlich um gegenseitig persönliche Dinge zu übergeben. Dabei kam es nach ihren Angaben auch noch zu intimen Kontakten. Ein anderes Mal, als es in Neuwied zur Übergabe von Motorradkleidung kam, soll der Angeklagte dann allerdings zu seiner früheren Freundin gesagt haben: "Ich mache dich fertig, du Stück Scheiße."

    Bei dieser Aussage schüttelte der Mann, der modisch chic gekleidet im Saal 113 neben seiner Verteidigerin saß, mit dem Kopf. Die Anwältin löcherte die Zeugin mit intimsten Fragen. Offensichtliches Ziel der Befragung, bei der sie mehrmals von der Richterin und dem Staatsanwalt gebremst werden musste: darzustellen, dass ihr Mandant mit seinen Sadomaso-Vorwürfen und den fünf Männerkontakten recht hatte. Schließlich bekannte die Frau, dass sie sich beim Sex mit Handschellen hat fesseln lassen.

    Verhandlung ausgesetzt

    Die Zeugin war zudem emsig in einem Internet-Dating-Café unterwegs, wo sie auch ihren neuen Partner kennengelernt hatte. Sie hatte hier auch fünf weitere Bekanntschaften gemacht, mit denen sie sich auch traf, jedoch keine sexuellen Kontakte hatte, wie sie erklärte.

    Der Angeklagte hatte sich derweil in dem Dating-Café mit einem erfundenen Frauenprofil an den neuen Liebhaber seiner Ex herangepirscht, um Intimes über die Beziehung zu erfahren. Als er die Frau in der Verhandlung selbst befragte, siezte er sie.

    Beim Thema Natursekt kam es dann zu längeren Diskussionen. Der Staatsanwalt betonte: "Mit SM-Praktiken kenne ich mich nicht aus." Die Verteidigerin schlug vor, einen Sachverständigen zu laden. Die Richterin setzte die Verhandlung aus. Voraussichtlich im August wird sie neu angesetzt.

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