40.000
Aus unserem Archiv
Neuwied/Koblenz

Nach Überfall in Neuwied: Überraschender Freispruch

Thomas Krämer

Überraschende Wendung: Die schwere räuberische Erpressung, wegen der sich ein 32-jähriger Neuwieder vor dem Landgericht Koblenz verantworten musste (die RZ berichtete), hat offensichtlich nie stattgefunden. Daher sprach ihn die 9. Große Strafkammer jetzt in diesem Anklagepunkt frei.

Wieder ein Verhandlungstag im Drogenprozess mit zehn Männern aus dem Raum Puderbach vorüber. Diesmal räumten die beiden Drogenkuriere ihre Taten ein. Foto: dpa
Wieder ein Verhandlungstag im Drogenprozess mit zehn Männern aus dem Raum Puderbach vorüber. Diesmal räumten die beiden Drogenkuriere ihre Taten ein.
Foto: dpa

Angeblich hatte der Angeklagte am 15. Januar dieses Jahres um etwa 19.45 Uhr in der Langendorfer Straße in Neuwied einen Mann mit einem Messer bedroht, ihn geschlagen und so zur Herausgabe von 530 Euro veranlasst. Das vermeintliche Opfer, ein 19-Jähriger, hat seine Aussage in einer weiteren polizeilichen Vernehmung inzwischen widerrufen. Vor Gericht zog er es jetzt vor, von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch zu machen, da er sich mit jeder der zwei Versionen unweigerlich selbst belastet hätte. „Das war, glaube ich, eine kluge Entscheidung“, kommentierte der Vorsitzende Richter Martin Schlepphorst.

Tatsächlich hat der Angeklagte ein Alibi. Er war an dem bewussten Abend bis in die Nacht bei einem Bekannten und traf sich um die angebliche Tatzeit kurz mit einem möglichen Vermieter. Hinter der gefälschten Anzeige steckt offenbar ein Neuwieder Drogenhändlerring, dessen Kopf inzwischen in Haft ist. Diese Organisation hatte der Angeklagte wohl in ihren Geschäften gestört. Entweder, wie der Angeklagte selbst behauptet, um seinen 15-jährigen Bruder aus deren Einfluss zu befreien, oder, wie der verhaftete Kopf sagt, in dem er 5000 Euro gestohlen habe. Der Textnachrichtenverkehr dieses „Kopfes“ ist inzwischen von den Behörden ausgewertet worden. Darin erklärt der Mann den Angeklagten wegen des Diebstahls der 5000 Euro für den Raum Neuwied als „vogelfrei“ und fordert dazu auf, ihn zu „f…en“. Das ist dann wohl auch passiert.

Es hätte für den Angeklagten also eigentlich ein rundum erfreulicher Tag werden können, hätte nicht die Polizei bei einer Hausdurchsuchung im Rahmen der Ermittlungen drei Tabletten eines Heroinersatzstoffes bei ihm gefunden, die er illegal besaß. Der Angeklagte ist langjähriger Drogenkonsument, mehrfach einschlägig vorbestraft, auch wegen Gewaltdelikten, zudem stand er zum Zeitpunkt der Durchsuchung noch unter Führungsaufsicht. Daher hätte der Überfall durchaus sehr gut zum Verhalten des Angeklagten gepasst, wie Richter Schlepphorst betonte. Wegen illegalen Besitzes von Betäubungsmitteln verurteilte das Gericht ihn letztlich zu einer Haftstrafe von drei Monaten, die wegen seiner Vorstrafen nicht zur Bewährung ausgesetzt werden konnte. Allerdings saß der 32-Jährige wegen des Hauptvorwurfes bereits seit über vier Monaten in Untersuchungshaft, damit gilt die Strafe als verbüßt. Alle Prozessbeteiligten verzichteten auf weitere Rechtsmittel, das Urteil ist rechtskräftig.

Von unserem Mitarbeiter Thomas Krämer

Neuwied Linz
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

Anzeige
epaper-startseite
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach