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    Lesung "Schatten ohne Licht": Zwischen Sippenhaft und Bildungswahn

    Buchautor Marcus Stephan Theis nennt das, was sich Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un seit dem Sommer liefern, ein Chicken Game, ein Spiel mit dem Untergang: Nordkorea droht mit einem Atomwaffenangriff auf US-Territorium, Trump will „mit Feuer und Zorn“ antworten. Es ist ein Spiel mit der Angst und ums Ansehen – wer nachgibt, verliert das Gesicht. Für Kim Jong Un wäre dies die Katastrophe – und nicht der atomare Angriff, denn den hält Theis schon deshalb für unwahrscheinlich, weil Kim Jong Un weiß, dass es sein Ende und das der Kim-Dynastie bedeuten würde.

    Marcus Stephan Teis hat einen Roman über das Leben in zwei Bruderstaaten geschrieben, die unterschiedlicher nicht sein könnten.  Foto: Reiner Drumm
    Marcus Stephan Teis hat einen Roman über das Leben in zwei Bruderstaaten geschrieben, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
    Foto: Reiner Drumm

    Der 22-jährige Student stellte in der Bibliothek auf dem Umwelt-Campus Birkenfeld in dieser Woche seinen Debütroman „Schatten ohne Licht“ vor, eine Geschichte darüber, wie sich Nord- und Südkorea in mehr als 60 Jahren auseinanderentwickelt haben. „Das Regime in Nordkorea hat panische Angst vor einem politischen Umsturz. Deshalb will es Stabilität nach innen schaffen.“ Und auch die ist auf Angst aufgebaut: auf Unterdrückung, Arbeitslager, Folter, Sippenhaft, Bespitzelung.

    Theis studiert in Bonn Politik und Sozialwissenschaften, sein spezielles Interesse gilt den Wechselwirkungen von Gesellschaft und Individuum. Der heute 22-Jährige reiste nach dem Abitur nach Neuseeland und lernte zwei Südkoreaner kennen: Damals kamen die ersten Gedanken auf, ein Buch über die beiden Koreas zu schreiben, deren Historie ihn im Kern an das bis 1989 geteilte Deutschland erinnert: Länder, die durch zwei Ideologien zerschnitten werden, Kommunismus und Kapitalismus.

    Die beiden Deutschlands lebten sich auseinander, allerdings längst nicht so krass wie die beiden Koreas: Der Norden hält sich mit Angst und Unterdrückung an der Macht, der Süden, sagt Theis, lebe in einem „zügellosen kapitalistischen System“ mit Leistungsdruck, Bildungswahn vom Kindergarten bis zum Abitur, hohen Suizidraten bei Schülern. Beide Systeme, das im Süden und das im Norden, „ermöglichen kein menschenwürdiges Leben“, sagt Theis.

    Die Menschen in Südkorea schätzt er, das System nicht. In Südkorea hat Theis für die Recherchen zu seinem Buch fünf Wochen verbracht: Eine Woche mit den Familien seiner in Neuseeland geschlossenen Freundschaften, vier Wochen Backpacking dorthin, wo Touristen selten hinkommen: mit dem Rucksack in die Dörfer. Er sprach dabei unter anderem mit einem aus Nordkorea geflüchteten Mann, mit einem Veteranen aus dem Koreakrieg Anfang der 1950er-Jahre, mit einer Frau von der Welthungerhilfe, die in Nordkorea arbeitete. Er hörte sich Vorträge an, las viel, schaute unzählige Dokus. Herausgekommen ist das Buch „Schatten ohne Licht“ – eine Geschichte, die Fakten und Fiktion vermischt. Figuren und Erlebtes sind erfunden, das Umfeld, in das sie hineingeboren wurden, nicht.

    Es fängt an mit der Hungerkatastrophe, bei der in Nordkorea 1994 und 1999 unzählige Menschen starben, verlässliche Zahlen zu den Toten gibt es nicht. Die Sowjetunion und damit der komplette Ostblock waren zusammengebrochen, Nordkoreas Außenhandel dadurch ebenso. Damals wurden Baumrinden von den Hungernden abgeschält und als Suppen gekocht. Die Frau von der Welthungerhilfe zeigte Theis Fotos aus dieser Zeit mit Hunderten Bäumen ohne Rinde. Berichte über Ernährungsprobleme im Land hat es auch nach der Jahrtausendwende immer wieder gegeben. Jetzt, im Jahr 2017, schreiben auch seriöse Zeitungen wieder von einer drohenden Hungerkatastrophe im Norden. Im Buch kommt der wichtigste Protagonist zum Militär, ein Kumpel zeigt ihm Fotos, die eigentlich keiner sehen darf: Bilder vom Wohlstand in Südkorea. Im letzten Teil ist er als Flüchtling im Bruderstaat im Süden angekommen und lernt das Leben dort kennen.

    Von unserem Mitarbeiter Karl-Heinz Dahmer

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