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Kreis Birkenfeld

Analyse: Rettungsdienste sind oft zu spät am Unfallort

Bei der Rettungsleitstelle geht ein Notruf ein. In Leisel ist ein Baby aus dem Kinderwagen gefallen. Name und Adresse werden notiert, zudem wird gefragt, ob Verletzungen sichtbar sind. Nun muss es schnell gehen. Notärzte und Fachleute fordern seit Jahren, dass der Rettungsdienst bei schweren Unfällen und Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall innerhalb von zehn Minuten am Notfallort sein soll.

Bei einem Unfall herrscht bei den Betroffenen meist die bange Frage: Treffen der Rettungswagen oder oder Notarzt noch rechtzeitig ein, um Schlimmeres zu vermeiden? Der Gesetzgeber und Mediziner sind diesbezüglich ganz unterschiedlicher Meinung.
Bei einem Unfall herrscht bei den Betroffenen meist die bange Frage: Treffen der Rettungswagen oder oder Notarzt noch rechtzeitig ein, um Schlimmeres zu vermeiden? Der Gesetzgeber und Mediziner sind diesbezüglich ganz unterschiedlicher Meinung.
Foto: picture alliance

Die aktuellen gesetzlichen Fristen orientieren sich jedoch nicht an dem, was medizinisch sinnvoll wäre, sondern lassen grundsätzlich in Rheinland-Pfalz mehr als 15 Minuten zu. Doch selbst daran gemessen ist ein großer Teil der Bevölkerung im Kreis Birkenfeld unterversorgt, weil der Rettungswagen in vielen Ortsgemeinden oft mehr als eine Viertelstunde später eintrifft. Das hat die Analyse eines SWR-Rechercheteams ergeben, das für das Jahr 2016 rund 100.000 Datensätze ausgewertet hat.

Leisel hoffnungslos unterversorgt

In Leisel müssen die Bürger laut der SWR-Modellrechnung besonders lange auf Hilfe warten. Im Jahr 2016 ist der Rettungswagen 24-mal mit Blaulicht und Sirene dorthin ausgerückt, 14-mal der Notarzt. Nach dem Notruf wird innerhalb von 1:31 Minuten der Rettungsdienst in der Wache alarmiert. Danach brauchen die Retter im Mittel weitere 1:20 Minuten, bis sie tatsächlich losfahren. Das liegt zwar im Rahmen, doch die Fahrt des Rettungswagens nach Leisel dauert bis zu 12:41 Minuten.

Bei jedem zweiten Notfall braucht der Rettungswagen sogar bis zu 17:02 Minuten und bei jedem 20. Fall noch länger. Die Notfälle im Ort wurden damit 2016 nur in 66,7 Prozent der Fälle so rechtzeitig versorgt, dass der Einsatz der gesetzlichen Regelung entspricht. Aus medizinischer Sicht trifft dies aber nur für 1,2 Prozent der Einsätze zu.

Fazit des SWR-Rechercheteams: Leisel ist unterversorgt. Der Notarzt, der in der Regel nach dem Rettungswagen eintrifft, erreicht Leisel auch nur in 2,9 Prozent der Fälle innerhalb der medizinisch wünschenswerten Eintreffzeit. Nicht viel besser sieht es in Langweiler, Oberhambach, Schauren, Breitenthal, Wickenrodt, Sonnschied und Rohrbach aus. Diese Orte bilden das Schlusslicht in dieser Betrachtung. Nicht überraschen wird, dass die Situation in der Kreisstadt Birkenfeld deutlich besser ist. Der Rettungswagen rückte 2016 dorthin insgesamt 471-mal aus, der Notarzt verzeichnete 330 Einsätze. Erstbearbeitungs- und Alarmierungszeit sowie die Ausrückzeit liegen auch dort im Durchschnitt. Allerdings dauert die Fahrt des Rettungswagens nach Birkenfeld wesentlich kürzer, im Schnitt nur 3:32 Minuten. Bei jedem zweiten Notfall braucht der Rettungswagen allerdings sogar bis zu 15:49 Minuten, bei jedem 20. Fall noch länger. Aber immerhin: Die Notfälle im Ort wurden damit in 95,7 Prozent der Fälle so rechtzeitig versorgt, dass der Einsatz im Zeitfenster der gesetzlichen Hilfeleistungsfrist gelegen hat. Und innerhalb der medizinisch wünschenswerten Eintreffzeit schafft es der Rettungswagen auch noch zu 78,5 Prozent der Einsätze. Birkenfeld ist damit durchschnittlich versorgt – zumal der Notarzt zu 82,9 Prozent auch innerhalb der von Medizinern geforderten Zeit eintrifft.

Überraschende Zahlen

Erstaunlich: Selbst Idar-Oberstein gilt laut der Analyse des SWR-Rechercheteams als unterversorgt – aus medizinischer Betrachtungsweise. Der Rettungswagen rückte dort zu 1642 Einsätzen, der Notarzt zu 840 Einsätzen aus. Die Zeitvorgaben des Rettungsdienstgesetzes wurden zwar in mehr als 90 Prozent der Einsätze erfüllt, doch im Hinblick auf die medizinisch geforderte Eintreffzeit nur in etwas mehr als 50 Prozent der Fälle. Aus der SWR-Analyse geht zudem hervor, dass die Zeit, bis zu der die Rettungskräfte vor Ort waren, im ganzen Land sehr unterschiedlich war: Jeder Dritte Rheinland-Pfälzer hatte 2016 sogar nur eine 50-Prozent-Chance, dass der Rettungsdienst innerhalb von zehn Minuten nach dem Notruf vor Ort war.

Für die Recherche hat der SWR mehrere Tausend Rettungsdienstdaten ausgewertet, die bisher nicht öffentlich zugänglich waren. Der Unfall des Babys in Leisel gehört übrigens nicht dazu. Hierbei handelte es sich lediglich um ein fiktives Beispiel.

Weitere Infos gibt es im           Internet unter der Adresse www.swr.de/hilfeimnotfall

Von unserem Redakteur Andreas Nitsch

Idar-Oberstein Birkenfeld
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