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Müllenbach

Raketen? Batterien sind der Bringer fürs Feuerwerk

David Ditzer

Der Silvestertrend geht eindeutig zu Batterien. Nein, es sind weder kleine Energielieferanten noch kistenweise servierte Kaltgetränke gemeint. Es geht darum, das neue Jahr mit einem knallig-bunten Spektakel am Nachthimmel zu begrüßen. Feuerwerksfachmann Helmut Reuter aus Müllenbach sagt: „Batterien laufen seit einigen Jahren gut.“ Das liegt vor allem daran, dass „die Batterien handhabungssicherer sind, und der Kunde mehr davon hat“.

Ein Blick in Verkaufsraum und Ausgabestelle bestätigt Reuters Worte. Dort geben sich die Kunden die Klinke in die Hand, packen die Kofferräume ihrer Autos voll mit Feuerwerksbatterien.

Die klassische Rakete sucht man fast vergeblich. „Wir haben nur eine Wunschrakete im Sortiment“, hält Helmut Reuter junior fest, der den Familienbetrieb Steffes-Ollig Feuerwerk seit 1985 leitet. Und die geht an diesem Donnerstagmorgen vor dem Jahreswechsel vergleichsweise selten über den Tresen. Nicht von ungefähr hat das Eifeler Unternehmen zum ersten Mal eine eigene Kollektion an Feuerwerksbatterien im Angebot. Sie firmieren unter dem Logo „S.-O.riginal“. „Wenn ich 20 Raketen habe, brauche ich eben auch 20 leere Flaschen, um sie abzufeuern. Das ist relativ umständlich“, begründet der Feuerwerksweltmeister den Batterieboom. „Eine Batterie zünde ich einmal an, dann kann ich zig Schuss lang das Feuerwerk genießen.“

Brenndauer und Schusszahl, vor allem aber das Kaliber sind die ausschlaggebenden Kriterien für den Batteriepreis. Die Spanne reicht von 6 bis 30 Euro pro Stück. „Es gibt eben Kunden, die möglichst oft etwas anzünden möchten“, erläutert Reuter. Andere setzten auf zwei, drei Zündungen, die den ultimativen Knall- oder Lichteffekt bringen. Im kleinen Verkaufsraum, der etwas abseits des Obereichelsweges liegt, herrscht großes Gedränge. 500 oder noch mehr Kunden kommen in den letzten Tagen vor Silvester in die Eifel, schätzt Reuter. Wobei der Verkauf diesmal am 28. Dezember startete und am 30. endet. Zwischen 9 und 18 Uhr haben Reuter und seine Mitarbeiter alle Hände voll zu tun: Wunschlisten ausgeben, beraten, verkaufen, Waren aushändigen. Da der Andrang zum Jahreswechsel zuletzt kontinuierlich größer geworden sei, habe man auch schon über eine Erweiterung der Räumlichkeiten nachgedacht, so Reuter. Zwei mit einbruchsicheren Türen versehene Lagerräume mit Kapazitäten von je 400 Kilogramm Explosivmaterial gibt's auf dem abgeschirmt liegenden Gelände, Hauptlager sei jedoch ein Bunker in der Gemarkung Greimersburg – für bis zu 48 Tonnen Feuerwerkskörper. „Dort lagern wir in erster Linie das Material, das wir für Großfeuerwerke benötigen“, erzählt der 60-jährige Eifler.

Produzieren lässt Steffes-Ollig alle Feuerwerksmittel, die nicht zugekauft werden, in China. Wegen des Know-hows dort, aber auch wegen relativ niedriger Kosten, räumt der Chef ein. „Beim Feuerwerk ist eben alles Handarbeit.“ Wobei Reuter beim Einkauf penibel darauf achtet, dass bei den explosiven Himmelsgemälden jedes Detail stimmt, vom ersten Knall bis zum Verglimmen des letzten Fünkchens. „Sterne sollen zum Beispiel exakt zur gleichen Zeit ausgehen.“

Ob verglühende Sterne, Feuerengel, brennende Blüten oder Goldregen – fast alle Effekte, die Reuter für seine Großfeuerwerke nutzt, gibt's auch drei bis vier Nummern kleiner für den Privatgebrauch. Zwei US-Amerikaner, die an diesem Morgen aus Ramstein nach Müllenbach gekommen sind, stopfen sich ihren Audi TT gerammelt voll mit den verschiedensten Feuerwerksbatterien. Trotz dieser Vielfalt wird ihnen am Silvesterabend wohl nichts gelingen, was auch nur annähernd mit dem Spektakel vergleichbar wäre, das Reuter und seine rund 40 Mitarbeiter immer wieder an den Himmel zaubern. Der Eifler sagt: „Es ist schon eine Choreografie, die man da schreibt, und man sieht sich schon ein bisschen als Künstler.“ Lächelnd fügt er hinzu: „Wenn dann am Ende die Menge johlt und grölt, hat man wohl irgendwas richtig gemacht.“ So soll's auch im neuen Jahr sein.

Von unserem Redakteur David Ditzer

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Cochem Zell
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