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Cochem

Konvent aufgelöst: Selbstlos im Dienst für Schwache und Kranke

Dieter Junker

Es ist für Cochem ein großer Einschnitt: Die Marienschwestern verlassen das Marienkrankenhaus, eine Ära geht zu Ende. Jahrzehntelang prägten sie das Bild des Hauses, waren nicht nur dessen gute Seele, sondern sicherten als Träger auch vielen Menschen einen Arbeitsplatz und vielen Patienten eine gute Pflege. Doch das Alter und auch die gesundheitliche Situation der zuletzt noch drei Schwestern ließen dem Orden keine andere Wahl, als den Konvent zu schließen.

Sie waren die letzten Schwestern im Konvent am Marienkrankenhaus (von links): Schwester Hedwiges, Schwester Franziska und Schwester Stephania. Provinzoberin Schwester Cordula (hinten) dankte ihnen für ihren langjährigen und treuen Dienst.  Foto: Dieter Junker
Sie waren die letzten Schwestern im Konvent am Marienkrankenhaus (von links): Schwester Hedwiges, Schwester Franziska und Schwester Stephania. Provinzoberin Schwester Cordula (hinten) dankte ihnen für ihren langjährigen und treuen Dienst.
Foto: Dieter Junker

„Das Marienkrankenhaus ohne Marienschwestern, geht das?“ Diese bange Frage war immer wieder zu hören beim Gottesdienst und der Abschiedsfeier im Haus. Es wird gehen müssen. „Was seit längerer Zeit erwartet worden war, ist nun im Krankenhaus-Jubiläumsjahr Wirklichkeit geworden und es wird einem zunehmend bewusst, dass zukünftig etwas fehlen wird“, meinte ein sichtlich berührter Winfried Mohr. Der heutige Aufsichtsratsvorsitzende der Mariengruppe hat die Marienschwestern seit mehr als 40 Jahren in ihrer Arbeit begleitet und ist ihnen eng verbunden.

Foto: frei

Für das Krankenhaus ist es eine Zäsur. Vor 40 Jahren war es noch selbstverständlich, dass jede Abteilung und jede Station von einer Ordensschwester mit viel Einsatz, in der Regel 50 bis 60 Stunden in der Woche, betreut wurde. „Sie haben in all den Jahrzehnten Großartiges geleistet“, so Winfried Mohr. Und wenn zuletzt auch nur noch einzelne Marienschwestern im aktiven Dienst waren und der Konvent jetzt aufgelöst werde, so stünden die Marienschwestern doch auch weiterhin als Trägerin des Marienkrankenhauses in großer Verantwortung für das Haus, unterstrich der Aufsichtsratsvorsitzende.

Doch auch für die drei letzten Marienschwestern des Konventes am Marienkrankenhaus ist dies ein Einschnitt. Schwester Franziska, die schon im Krankenhaus auf dem Klosterberg wirkte, ist die Einzige, die bereits bei der Eröffnung diesem Konvent angehörte. Sie wird nun auf den Klosterberg zurückkehren, nun ins Seniorenzentrum St. Hedwig in den dortigen Konvent der Marienschwestern. Schwester Stephania, die letzte Konventsoberin, und Schwester Hedwiges, wirkten acht Jahre im Marienkrankenhaus. Während Schwester Stephania nun nach Treis-Karden in den Konvent des Seniorenstiftes St. Katharina wechselt, geht Schwester Hedwiges, die zuletzt für die katholische Krankenhausseelsorge im Marienkrankenhaus zuständig war, nach Berlin in das Kloster St. Augustinus.

„Sie alle haben hier in Cochem Freud und Leid mit den Menschen geteilt, haben selbstlos ihren Dienst an Schwachen und Kranken getan und waren für viele ein Segen“, so Pater Roman Gorincioi im Verabschiedungsgottesdienst in der Krankenhauskapelle. Darum gelte es heute, Danke zu sagen für die Marienschwestern, aber auch Gott zu danken, dass er sie zu ihrem Dienst berufen habe.

„Ein solcher Abschied fällt nicht leicht, nicht zuletzt auch, wenn man nicht weiß, welche Aufgaben noch kommen oder ob es noch Aufgaben gibt“, meinte Schwester Cordula, die Oberin der deutschen Provinz der Marienschwestern. Doch sie wisse auch, dass alle Marienschwestern in der Sendung stehen würden, egal wohin und egal, wie alt man sei, gab sie zu bedenken. Der Orden sei froh über die Marienschwestern, die in all den Jahren in Cochem gewirkt und hier auch Zeugnis gegeben hätten, so Schwester Cordula mit bewegter Stimme.

Wenn nun keine Ordensschwestern mehr im Krankenhaus sein werden, dann seien alle hier Tätigen aufgerufen, den christlichen Geist dieses Hauses zu bewahren, unterstrich Winfried Mohr. „Das Christliche muss erkennbar bleiben. Unser Haus strahlt etwas aus, was für Geld nicht zu kaufen ist, was letztlich unbezahlbar bleibt, nämlich die bewusste Hinwendung zum Nächsten“, machte der Aufsichtsratsvorsitzende deutlich.

„Behaltet die christliche Haltung hier im Krankenhaus bei, bewahrt die Seelsorge, denn sie ist wichtig für die Menschen und die Patienten hier im Marienkrankenhaus“, sagte Schwester Hedwiges zum Abschied.

Von unserem Mitarbeiter Dieter Junker

Die Geschichte der Marienschwestern in Cochem

Kurz vor Kriegsende wird das St. Franziskus-Krankenhaus in Cochem bei einem Bombenangriff zerstört. Wegen Schwesternmangels ziehen sich die Waldbreitbacher Franziskanerinnen 1950 als Träger zurück, die Marienschwestern werden um die Übernahme der Pflege gebeten. Am 3. August 1951 wird der Marienkrankenhaus-Verein Cochem gegründet. Am 7. Mai 1951 ziehen die ersten beiden Schwestern in einen noch bewohnbaren Trakt des alten Krankenhauses ein, im Juli folgen zwei weitere Schwestern, ein erster kleiner Konvent entsteht. Weitere Stationen:
1951 Die Marienschwestern übernehmen das sogenannte „Priesterheim“ der Franziskanerinnen in der Ravenéstraße in Cochem.
1952 Richtfest für das neue Marienkrankenhaus in Cochem, ein Jahr später, also vor genau 65 Jahren, ist es bezugsfertig.
1953 Am 28. Januar treffen 19 Marienschwestern aus dem aufgelösten Prinz-Ludwig-Heim in Traunstein ein, am 29. Januar wird die Hauskapelle eingeweiht.
1955 Das Provinzialat der Westdeutschen Provinz der Marienschwestern zieht von Bad Nauheim nach Cochem in die Ravenéstraße in das dortige St. Josefshaus.
1970 40 Marienschwestern gehören zum Konvent im Krankenhaus.
1976 Am 8. Januar wird das Provinzialat der Westdeutschen Provinz von der Ravenéstraße in das Marienkrankenhaus verlegt.
1978 Das Ordenshaus in der Ravenéstraße wird an die Stadt Cochem verkauft.
1989 Am 17. Mai wird der Grundstein für den Neubau des Krankenhauses in Cond gelegt, am 14. September 1993, also vor 25 Jahren, wird das neue Haus eingeweiht. Dem Konvent der Marienschwestern gehören zu dem Zeitpunkt noch 23 Schwestern an, 1995 sind es noch elf Schwestern.
1997 Das neue Seniorenzentrum St. Hedwig auf dem Klosterberg in Cochem wird eröffnet. Dem neuen Konvent gehören hier acht Marienschwestern an.
2004 Das neue Seniorenstift St. Katharina in Treis-Karden wird eröffnet. Auch hier gibt es einen Konvent der Marienschwestern.

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