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Bremm

Hochprozentig: Calmont bringt neues Stöffchen hervor

Alfons Benz

Neue Männer braucht das Land – davon träumte einst die Sängerin Ina Deter. Mit neuen Ideen und neuem Wissen dagegen bereichern und entwickeln junge Winzer von der Mosel seit geraumer Zeit den Weinbau – auch und besonders in der Calmont-Region zwischen Bremm und Eller. Seit Kurzem gibt es hier jedoch noch etwas ganz Neues zu entdecken. Unter dem Namen „Schmiede Gin“ produzieren Max Franzen und Markus Schlägel den „steilsten Gin“ von der steilsten Schiefer-Weinlage Europas. „Da passt es doch, vom steilsten Gin zu sprechen“, meinen sie, die beide aus alteingesessenen Bremmer Winzerfamilien stammen und mit dem Wein quasi groß geworden sind. Wie fanden der 31-jährige Schlägel und sein 27 Jahre alter Freund zum Gin?

Foto: Alfons Benz

„Vor etwa drei Jahren nahmen wir an einem Brennseminar bei Hubertus Vallendar in Kail in der Eifel teil. Da haben wir erstmals mit dem Gedanken gespielt, auch weil uns mit Vallendar einer der weltbesten Brenner überhaupt dazu ermunterte“, erzählen sie. Von Vorteil war, dass im Familienweingut Schlägel noch die Brennerei vom Opa erhalten war. Der Gedanke blieb im Kopf und fesselte die beiden jungen Moselaner immer mehr.

Vor zwei Jahren im Sommer war es dann so weit. „Wir saßen bei einem Glas Moselriesling und einer Zigarre auf der Terrasse zusammen, und irgendwann war sie da, die Idee zum ,Schmiede Gin'“, erinnern sie sich ganz genau. Das Besondere: Der Wein aus dem Calmont sollte die Grundlage für den Gin sein. Es blieb nicht bei einer Schnapsidee. „Weinbau und Destillation sind unsere große Leidenschaft. Jetzt können wir beides miteinander vereinen oder zusammenschmieden. Schmieden deshalb, weil in unserem Gut früher auch eine Schmiedewerkstatt war“, sagt Schlägel.

Als Erstes wurde die Brennerei erneuert, es konnte losgehen. So einfach war es natürlich nicht. „Mit dem Gin vom Calmont wollen wir ein Alleinstellungsmerkmal haben und Gin mit unserer unverwechselbaren eigenen Handschrift produzieren. Das Besondere und Neue soll sein, dass wir als Basis keinen Neutralalkohol verwenden, sondern der Weinbrand ausschließlich aus Trauben vom Calmont kommt“, so ist ihnen der direkte Bezug zu ihrer Heimat ganz wichtig. Im Frühjahr erfolgte die erste Destillation, und die erste Auflage, das sogenannte Batch, konnte abgefüllt werden. An der persönlichen Rezeptur war vorher mehr als ein Jahr lang gefeilt worden. „Die Grundzutat jeden Gins ist Wacholder. Neben unserem Weinbrand werden dem Gin nach eigener Auswahl noch weitere Zutaten, sie heißen Botanicals, beigefügt. So erhält er jeweils sein individuelles Aroma“, beschreiben die Jung-Brenner den Weg zur persönlichen Note ihres Getränks. Hinter Botanicals verbergen sich Aromen, die Gin beigefügt werden, um sein jeweils individuelles Aroma herzustellen. Im Regelfall werden Beeren, Rinden, Samen, Früchte, Fruchtschalen, Gewürze, Kräuter und Wurzeln eingesetzt.

Mit 16 feinsten regionalen Botanicals wird der Bremmer Gin destilliert und mit einem aromatischen Tresterbrand veredelt. Unter anderem gehören Holunderblüten, Zitronenmelisse, Mandeln und verschiedene Kräuter dazu, die teils auch aus mediterranem Bio-Anbau kommen. „Unser Gin soll sehr fein und aromatisch sein. Deshalb lassen wir uns beim Brennen Zeit. Wir gönnen ihm zwei Wochen Ruhe und dann erst setzen wir ihn auf Trinkstärke zurück“, erklären sie ein wenig ihre Philosophie.

Insgesamt sind es acht Schritte, bis der „Schmiede Gin“ gekostet werden kann. Kurz beschrieben beginnt es mit der Arbeit im Weinberg, weiter geht es mit dem Wein- und Tresterbrand, der Wahl der Wacholderbeeren, der passenden Kräuter und Gewürze, deren Mazeration im Weinbrand und der finalen Destillation bis zum fertigen Gin. Dann geht es ab in die Flasche, die zum Schluss, passend zum Namen „Schmiede Gin“, mit einem feinen Kupferetikett und mit dem Schmiede-Siegel versehen wird. Zudem erhält jede einzelne Flasche ihre Nummer.

Bis jetzt konnten Schlägel und Franzen drei Brände abfüllen mit jeweils etwa 120 Flaschen. Und wie sieht es mit der Vermarktung aus? „Wir sind sehr zufrieden mit dem Start. Es lief sogar besser als gedacht“, strahlen beide. Die Werbung läuft viel über die neuen Kanäle im Internet, aber auch Mund-zu-Mund-Propaganda zieht. Ebenso die Flyer, die am Bremmer Einstieg zum Klettersteig ausliegen, haben schon Kundschaft gebracht. „Wir haben Kunden aus Berlin, die schon mehrmals unseren Gin gekauft haben. Qualität spricht sich halt rum“, sind beide überzeugt von ihrem Produkt. Auf eins legen sie noch ganz besonderen Wert. „Das Ganze macht uns unheimlich viel Spaß. Es gibt doch keinen besseren Job als diesen, und wir freuen uns schon riesig auf den nächsten Brand Mitte Juli.“ Neue Ideen also braucht das Land. Alfons Benz

Cochem Zell
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