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Winningen

Winninger Winzerinnen: Per Crowdfunding zum eigenen Weinberg

Aus dem Nichts ein Weingut aufzubauen, ist keine leichte Aufgabe. Rebecca Materne und Janina Schmitt haben diese Herausforderung vor ein paar Jahren angenommen und in Winningen ihr eigenes Weingut gegründet. Um davon leben zu können, ist eine Sache zwingend nötig: genügend Fläche, um den eigenen Wein anzubauen. 3,2 Hektar haben Materne und Schmitt derzeit gepachtet. Jetzt wollen die beiden ihren ersten Weinberg kaufen – mithilfe einer Crowdfunding-Aktion im Internet.

Den Weinberg im Winninger Hamm bewirtschaften Janina Schmitt (rechts) und Rebecca Materne schon längere Zeit. Den Kauf des Areals finanzieren sie per Crowdfunding gegen.
Den Weinberg im Winninger Hamm bewirtschaften Janina Schmitt (rechts) und Rebecca Materne schon längere Zeit. Den Kauf des Areals finanzieren sie per Crowdfunding gegen.
Foto: Sascha Ditscher

Unter Crowdfunding versteht man im Allgemeinen die Finanzierung eines Projekts durch eine Vielzahl von Menschen. Organisiert wird die Aktion zum Kauf des Weinbergs durch das Crowdfunding-Portal „Ploppster“, das auf Weinbauprojekte spezialisiert ist. Vor Kurzem hatte die ehemalige Mittelrhein-Weinkönigin Sarah Hulten über die Plattform mehr als 24.000 Euro für die Rekultivierung eines brachliegenden Weinbergs in Leutesdorf zusammenbekommen.

So viel ist im Fall von Rebecca Materne und Janina Schmitt gar nicht nötig. 8000 Euro benötigen die beiden Diplom-Önologinnen, um die etwa 2000 Quadratmeter große Fläche im Winninger Hamm zu kaufen. Eine Fläche, die sie schon seit längerer Zeit bewirtschaften. „Die Besitzer wollen jetzt aber nicht mehr verpachten, sondern verkaufen“, erklärt Materne. Es geht also nicht um die Vergrößerung der Rebfläche des Weinguts, die auf lange Sicht auch nötig sein wird, sondern um den Erhalt. Und das ist für die Winzerinnen wichtig. Denn: Dass der Weinberg ihr Arbeitsplatz ist, gilt für die beiden Frauen in besonderem Maße: „Wir machen im Keller nichts, aber im Weinberg besonders viel“, sagt Janina Schmitt. Der Wein wird kaum nachbearbeitet, Materne und Schmitt setzen auf spontane Gärung, entsäuern oder säuern nicht. Auch Herbizide setzen sie nicht ein, sogenannte Beikräuter lassen sie stehen. Materne und Schmitt wollen, dass man die einzigartige Herkunftsregion auch schmeckt. „Es wäre unsinnig, im Weinberg so einen Aufwand zu treiben, um die Weine später im Keller zu schönen“, sagt Materne.

Ihre Parzelle im Hamm liegt ihnen besonders am Herzen. Denn der an den Uhlen angrenzende, nach Westen gedrehte Weinberg verfüge über ein spezielles Mikroklima, erklärt Schmitt. Und Materne hebt den steinigen Boden mit der geringen Erdauflage hervor. „Elegant“ sei der Wein, der dort entstehe, die Herkunft und den Boden könne man deutlich herausschmecken. Materne und Schmitt wollen natürlich miterleben, wie sich ihr Wein aus der Parzelle über die Jahre entwickelt, aber sie müssen auch an ihre Kunden denken, die bereit sind, für den erhöhten Aufwand auch entsprechend zu zahlen. Vor diesem Hintergrund sagt Materne: „Es ist blöd, wenn man keine Kontinuität in seinem Wein hat.“ Denn hat einem Kunden ein Wein geschmeckt, so wird er vielleicht auch im nächsten Jahr wieder danach fragen. Würden Materne und Schmitt den Weinberg verlieren, könnten sie einer solchen Nachfrage nicht mehr nachkommen. Dieses Streben nach Qualität hat auch dazu beigetragen, dass „Ploppster“ auf die beiden Frauen aufmerksam wurde, wie André Pass, neben dem Chefredakteur des „Vinum Wineguides“, Carsten Henn, einer der drei Köpfe hinter der Plattform, bestätigt. „Ploppster“ stellt aber nicht nur die Plattform zur Verfügung und kümmert sich um die Durchführung. Durch ein professionelles Marketing (Videoproduktion, Werbetexte) soll die Aktion unterstützt werden, über Facebook, Instagram und Internetsuchmaschinen sollen möglichst viele Leute davon erfahren. Für den Aufwand wird „Ploppster“ zu 15 Prozent am Erlös beteiligt, so Pass.

Die Unterstützung durch „Ploppster“ ist Materne und Schmitt mehr als willkommen. Denn auch wenn die Geschäfte nach schweren ersten Jahren mit geringen Erntemengen inzwischen „ganz gut“ laufen. So ist der Weinbau in den schwer zu bewirtschaftenden Steillagen ein hartes Geschäft, die Vermarktung zeitintensiv, die Rebfläche noch zu klein, um damit auf Dauer zwei Familien zu ernähren. Ans Aufgeben haben Rebecca Materne und Janina Schmitt aber noch nie gedacht. Das würden sie auch nicht tun, wenn nicht genug Geld zusammenkommt – den Weinberg müssen sie ohnehin vorfinanzieren. Ihr Herz hängt an ihrem Job, am Riesling, an ihrer neuen Heimat Winningen und an der guten Winzergemeinschaft, der sie sich zugehörig fühlen. „Es kommt für uns nicht in Frage, etwas anderes zu machen“, sagt Janina Schmitt.

Die Crowdfunding-Aktion startete am Freitag auf der Internetseite www.ploppster.de. Wer Rebecca Materne und Janina Schmitt beim Kauf des Weinbergs unterstützen will, der kann im Rahmen der Aktion eines von vielen Paketen kaufen – vom Weinpaket mit exklusivem T-Shirt über eine Küchenparty mit den Winzerinnen und einem Koblenzer Koch bis hin zum „Winzerpraktikum“ im Weingut. Bezahlen kann man per Rechnung oder Kreditkarte.

Von unserem Redakteur Volker Schmidt

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