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Koblenz

Vor 25 Jahren rollten die ersten Autos über die Koblenzer Südtangente

Den Durchgangsverkehr aus der Stadt herausleiten, direkte Anbindungen in den Hunsrück und Westerwald schaffen, die Lebensqualität steigern: Das waren die Hauptgründe, die schließlich zur Realisierung der Südtangente führten. Vor genau 25 Jahren wurde die Trasse, die zu den größten Straßenbauprojekten im Koblenzer Raum gehört, offiziell für den Verkehr freigegeben.

Der zweite Abschnitt der Südtangente führt bei Asterstein über diese Brücke. Das Bild zeigt einen Brückenprüfer der Straßenverwaltung, es entstand kurz vor der Freigabe 1986. Zum damaligen Zeitpunkt wurde der zweite Bauabschnitt noch als B 327 bezeichnet, erst später erhielt er den Namen B 49.
Der zweite Abschnitt der Südtangente führt bei Asterstein über diese Brücke. Das Bild zeigt einen Brückenprüfer der Straßenverwaltung, es entstand kurz vor der Freigabe 1986. Zum damaligen Zeitpunkt wurde der zweite Bauabschnitt noch als B 327 bezeichnet, erst später erhielt er den Namen B 49.
Foto: LBM

Koblenz – Den Durchgangsverkehr aus der Stadt herausleiten, direkte Anbindungen in den Hunsrück und Westerwald schaffen, die Lebensqualität steigern: Das waren die Hauptgründe, die schließlich zur Realisierung der Südtangente führten. Vor genau 25 Jahren wurde die Trasse, die zu den größten Straßenbauprojekten im Koblenzer Raum gehört, offiziell für den Verkehr freigegeben. Die Planungsvorgeschichte beginn jedoch schon in den 60er-Jahren.

Vor dem Bau der Tangente war die Situation so: Wollte man in den Westerwald fahren, führte der Weg ausschließlich durch die rechtsrheinischen Stadtteile. Am berüchtigten "Flaschenhals", dem Bereich rechts der Pfaffendorfer Brücke, kam es sogar bis zur Eröffnung des Glockenberg-Tunnels (2003) regelmäßig zu langen Staus. Unerträglich für die Anwohner war die Situation in der Emser Straße: Durch die beliebte Wohnstraße rollte täglich der Durchgangsverkehr. Mittags wurde die Straße sogar zur Einbahnstraße, damit möglichst viele Fahrzeuge in eine Richtung hindurchfahren konnten. Die einzige Alternative: der Weg durch die Innenstadt und dann über die A 48. Auch die Anbindung an den Hunsrück war alles andere als optimal. In den meisten Fällen führte der Weg über die Karthause.

"Südtangente Koblenz", so wurde das Projekt des damaligen Straßenneubauamts Vallendar betitelt, das Abhilfe versprach: Eine gut ausgebaute Straße, über die man schnell von Koblenz aus in Hunsrück und Westerwald kommen sollte. Vom Laubachtal in Richtung Osten, über den Rhein und dann weiter nach Horchheim und dann bis zur Denzerheide sollte sie führen. Entstehen sollte eine Verbindung, die den "Flaschenhals" an der Pfaffendorfer Brücke über die neue Südbrücke entlastet. Zuständig für die Planung und den Bau war der Landesbetrieb Mobilität, der damals noch Straßenverwaltung Rheinland-Pfalz hieß.

Heinz Weigmann, der damalige Leiter der Planungsabteilung im Straßenneubauamt Vallendar, war bei der Planung von Anfang an dabei. Von 1969 bis 1986 betreute er das komplette Projekt. Mit 38 Jahren war er Abteilungsleiter geworden, nur ein Jahr vor Baubeginn. "Da war die Südtangente natürlich eine ganz besondere Herausforderung", erinnert er sich. Vor allem wegen der neuen Rheinbrücke sei das Projekt sehr anspruchsvoll gewesen. Alles fand in enger Abstimmung mit dem Verkehrsministerien in Bonn und Mainz statt. "Es war angenehm zu wissen: Ich arbeite hier in einem Team von absoluten Experten", sagt Weigmann. Besondere planerische Schwierigkeiten habe es kaum gegeben. Ein Ereignis ist Weigmann jedoch besonders in Erinnerung geblieben: "Bei Probebohrungen für den Bau der Südbrücke haben wir einmal eine Wasserleitung getroffen. Die Fontäne hat stundenlang gesprudelt, bis endlich das Wasser abgedreht wurde." Leider wurde die Baumaßnahme von zwei tragischen Unfällen überschattet. 1971 stürzte die Südbrücke ein, ein Jahr später die Vorlandbrücke im Laubachtal. Dabei kamen insgesamt 19 Menschen ums Leben. Bernd Hölzgen, der heutige technische Geschäftsführer des Landesbetriebs Mobilität, erinnert sich: "Ein einschneidendes Erlebnis, ich hatte das damals als Student alles mitverfolgt."

Im November 1986 wurde das Projekt "Südtangente" mit der Freigabe des zweiten Bauabschnitts abgeschlossen. Dieser Abschnitt führt über gut acht Kilometer von Horchheim bis Bad Ems-Denzerheide. Besonders innovativ: Auch an eine Grünbrücke für Wildtiere wurde gedacht. Chefplaner Heinz Weigmann erinnert sich: "So etwas kannten wir Bauingenieure damals gar nicht. Die Zusammenarbeit mit Landespflegern, die sich um ökologische Aspekte kümmern, war ganz neu für uns. Das fand ich sehr spannend."

Besonders Pfaffendorf, Ehrenbreitstein und Niederberg konnten mit diesem zweiten Abschnitt, dem östlichen Teil der Tangente, stark entlastet werden. Während an der L 127 vor dem Bau knapp 9000 Fahrzeuge in 24 Stunden gezählt wurden, waren es mit Freigabe des zweiten Abschnitts 4000 weniger.

Heute ist die Südtangente eine stark frequentierte Verbindung. Auf der Südbrücke werden in 24 Stunden weit über 40 000 Fahrzeuge gezählt. Im Bereich des zweiten Bauabschnitts registriert die Zählstelle des LBM auf der Horchheimer Höhe immerhin mehr als 12 000 Fahrzeuge.

Von Stefan Haub, Mitarbeiter der Pressestelle beim Landesbetrieb Mobilität

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