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Koblenz

Spektakuläre Kunst am Deutschen Eck: Blumen für den Kaiser

Was ist denn da am Deutschen Eck los? Das fragten sich manche Spaziergänger am Deutschen Eck – angesichts gigantischer Sonnenblumen aus Metall, die dort aufgebaut wurden. Die Antwort: Das ist Kunst aus China – und gehört zu einer Ausstellung im Ludwig Museum.

Einige Spaziergänger bleiben stehen. Sie machen lange Hälse und schauen mit großen Augen auf die Geschehnisse am Deutschen Eck. Seit Freitagabend stehen in der Spitze, am Fuße des Kaiser-Wilhelm-Denkmals, 120 teils mannshohe Holzkisten. Auf den Kisten steht "Xu Jiang". Daneben klebt ein Zettel mit chinesischen Zeichen. Ein achtköpfiges Team aus deutsch-chinesischen Helfern ist eifrig dabei, die Kisten auszupacken. Es kommen quadratische Aluminiumplatten und lange schwarze Rohre zutage.

video from Thomas Frey on Vimeo.

Eine ältere Dame hält inne, schaut sich das Ganze einen Moment an und fragt dann einen der Helfer: "Entschuldigung, können Sie mir sagen, was das hier wird?" Der Mann ist gerade dabei, eine der Holzkisten aufzumachen: "Das wird eine Installation. Aus Sonnenblumen." Er hebt den Deckel der Holzkiste an. Darin sind schwarze und einige orangefarbene Sonnenblumen aus Fiberglas. "Die werden mit den Verbindungsstücken zusammengesteckt", erklärt er und zeigt auf die schwarzen Rohre, die bereits ausgepackt sind, "und dann in den Bodenplatten fixiert." Die Frau zieht die Augenbrauen hoch und schaut ungläubig auf den Boden des Deutschen Ecks. Dort liegen bereits einige der quadratischen Aluminiumplatten. Auf den Platten sind jeweils 16 schwarze etwa 30 Zentimeter hohe Aluminiumrohre. Der Mann folgt ihrem Blick und erläutert weiter: "Die Sonnenblumen sind nachher acht Meter hoch." Die Frau nickt, scheint in Gedanken acht Meter abzuschätzen und schaut ehrfürchtig nach oben.

Die Skulptur ist Teil der Ausstellung "Flourishing Spirits – Blüten des Geistes", die am 13. April im Ludwig Museum beginnt. Sonnenblumen sind das zentrale Thema in den Arbeiten von Xu Jiang. Beate Reifenscheid-Ronnisch, die Leiterin des Ludwig Museums, hatte Xu Jiangs Installation bei einer Ausstellung gesehen und war direkt von seinen Arbeiten begeistert: "Ich habe ihn und seine Frau Shi Hui nach Koblenz eingeladen. Die beiden waren sofort begeistert. Die Inspiration floss förmlich direkt aufs Blatt."

Der Standort am Deutschen Eck ist der Wunsch des Künstlers. "Als ich gesagt habe, dass die Skulptur nicht ins Haus passt, hatte Xu Jiang direkt den Platz am Deutschen Eck im Auge." In Sichtachse zum deutschen Kaiser sollen die Sonnenblumen einen deutsch-chinesischen Dialog zeigen. Mit seinen Arbeiten hat Xu Jiang die Kulturrevolution in China verarbeitet. Die Sonnenblumen stehen auf den Feldern dicht gedrängt. Sie sind ein Symbol für die Menschenmassen in China. Gemeinsam hielten sie die Kulturrevolution durch, erklärt die Museumleiterin die Intention des Künstlers.

Nach und nach füllen sich die Bodenplatten mit den gigantischen Sonnenblumen. Besonders die orangefarbenen stechen ins Auge. Viele Spaziergänger halten an und legen den Kopf in den Nacken. Eine orangefarbene Blüte hat ihren Kopf in Richtung Rhein gedreht. Andere scheinen auf das Kaiserdenkmal zu blicken. Mit Einbruch der Dunkelheit bekommt die Szenerie eine ganz andere Atmosphäre. Die Besucher werden weniger. Auf dem Platz wird es ruhig. Die Sonnenblumen werfen große Schatten auf den Boden. Doch neben dem Kaiserdenkmal, das bei Dunkelheit noch mächtiger erscheint, wirkt das Blumenfeld geradezu zart und gebrechlich.

"Der Ort hat eine wunderbare Symbolik. Es ist ein Kontrast aus der imperialen Macht und der Kulturrevolution", interpretiert Museumsleiterin Reifenscheid-Ronnisch. Mit ihrer eigenen Begeisterung für das Projekt hat sie es geschafft, auch die Genehmigungen für das Projekt zu bekommen. Der Künstler ist von dem Platz so angetan, dass er die Kosten für die Skulptur selbst trägt. " Da kommt einiges zusammen. Allein die Seefracht der einzelnen Teile aus China hat ein paar Tausend Euro gekostet."

Von unserer Reporterin Nina Borowski

Xu Jiangs Skulptur bleibt im Rahmen der Ausstellung "Flourishing Spirits – Blüten des Geistes" im Ludwig Museum noch bis zum 16. Juni am Deutschen Eck.

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