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Kreis MYK/Koblenz

Rollt bald großer Urantransport durch den Kreis MYK?

Immer wieder fahren Güterzüge mit radioaktivem Uran und Uranhexafluorid, das in der Urananreicherung eingesetzt wird, durch die Region an Koblenz vorbei die Mosel entlang Richtung Frankreich. Das globalisierungskritische Netzwerk Attac Koblenz befürchtet in den nächsten Tagen den bislang längsten, mit 50 Containern versehenen Transport von Uranerzkonzentrat, heißt es in einer aktuellen Pressemittlung.

Foto: dpa

"Mit jedem einzelnen Transport werden Bevölkerung und Umwelt unnötigen Gefahren ausgesetzt. Deutschland hat den Atomausstieg zwar beschlossen, erweist sich aber als Transitland und Umschlagplatz für den internationalen Uranhandel", kritisiert Gabriele Hofmann von Attac Koblenz.

Bei der Berufsfeuerwehr Koblenz ist als zuständige Erstalarmierungsstelle für derartige Gefahrguttransporte nichts über einen aktuellen Urantransport bekannt. Das teilt der Leiter Wolfgang Schröder auf Anfrage unserer Zeitung mit. Solche Transporte seien laut Schröder keineswegs Alltagsgeschäft und kämen nicht allzu häufig vor. "Im Grunde sind sie zu bewerten wie jeder andere Gefahrguttransport, mit der Ausnahme, dass sie uns gemeldet werden", betont der Wehrleiter. Zuständig für die Weitergabe dieser Informationen in Rheinland-Pfalz ist nach Schröders Angaben die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion mit Sitz in Trier.

Nach Recherchen des "Trierischen Volksfreundes" gibt es bereits seit Längerem regelmäßige Urantransporte von Hamburg aus über Köln, Bonn, Koblenz, Cochem, Wittlich und Trier in Richtung Saarbrücken. Ziel ist die Uranaufbereitungsanlage im südfranzösischen Narbonne. In den Medien ist dabei von zwei bis fünf Transporten im Monat die Rede. Auch der in der Pressemitteilung von Attac Koblenz erwähnte Transport soll bereits in Hamburg gestartet sein. Das vermeintlich geladene Uranerzkonzentrat soll angeblich aus Kasachstan, Namibia und Usbekistan stammen und in die südfranzösische Atomanlage Malvesi gebracht werden.

Der Bundestagsabgeordnete Hubertus Zdebel (Linke), der dem Bundestagsausschuss für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit angehört, teilte im Juli mit, dass seit Anfang 2012 bis Ende Mai 2014 bundesweit 988 Atomtransporte mit angereichertem Uran über Straße, Schienen und Häfen stattgefunden hätten. Dabei würden die Routen geheim gehalten werden. In diesem Zeitraum habe es 186 Atomtransporte von und nach Gronau, einer Urananreicherungsanlage im Münsterland, gegeben.

Bereits vor einigen Jahren hatten Anti-Atomkraft-Initiativen aus ganz Deutschland und aus Frankreich bei einem Treffen in Trier einen Stopp dieser Urantransporte verlangt, weil sie ein zu großes Gefahrenpotenzial darstellen würden. Nach Angaben der Anti-Atomkraft-Initiativen ist dieses Material nicht nur radioaktiv, wenn es mit Luft in Kontakt käme, würde es zu einer giftigen und ätzenden Verbindung reagieren.

2007 forderten daher die Initiativen ein Streckenbeobachtungssystem zwischen Südfrankreich und der Urananreicherungsanlage Gronau. Ebenso sollten die Kommunen entlang der Bahnstrecke zu einer Veröffentlichung der geheimen Transporttermine gedrängt werden. Doch der Verwaltung des Landkreises Mayen-Koblenz sind die jeweiligen Transporte, laut Auskunft von Pressesprecher Gerd Neuwirth, gar nicht bekannt. Dasselbe gilt für den benachbarten Kreis Cochem-Zell, dessen Katastrophenschutzbehörde ebenso wenig informiert wird, teilt die Verwaltung dort mit. Neben der Leitstelle der Feuerwehr Koblenz ist nach Recherchen des "Trierischen Volksfreundes" auch die Bundespolizei über die Transporte informiert.

Nicht immer läuft bei den Transporten alles reibungslos: Zu einem Zwischenfall war es 2008 gekommen. Im französischen Apach an der Mosel, unweit von Perl, musste ein Transport aus Hamburg gestoppt werden, weil er überladen war.

Damian Morcinek/Dieter Junker

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