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    Koblenz/Neuwied

    Heroin mit Angelschnur in die JVA Koblenz geliefert?

    Skurriler Heroinprozess am Schöffengericht Koblenz: Ein Mann (39) soll einem Häftling des Koblenzer Gefängnisses Heroin geliefert haben – mit einer Angelschnur die Hauswand hinauf, dann durch das Gitter des Zellenfensters.

    Von unserem Redakteur Hartmut Wagner

     Er aber behauptet, er sei kein Drogendealer, sondern Postbote. Er habe nichts geliefert, sondern "einen Brief von Igor" abgeholt. Das sei günstiger als mit der Post, außerdem wäre die Staatsanwaltschaft mit dem Inhalt des Briefes wohl auch nicht einverstanden gewesen.

    Der Angeklagte, der zuletzt in Wöllstein (Landkreis Alzey-Worms) wohnte, von Hartz IV lebte und seit 23 Jahren heroinsüchtig ist, beteuerte im Prozess seine Unschuld. Obwohl er bei der Tat von einer Überwachungskamera gefilmt wurde. Obwohl man bei ihm drei Konsumeinheiten Heroin fand, eine Konsumeinheit Marihuana und zwei Subutex-Schmerztabletten. Obwohl in der Zelle des Gefängnisinsassen die Verpackung von Drogen gefunden wurde – die Drogen selbst hatte der Häftling wohl noch rechtzeitig in der Toilette entsorgt.

    Es war der 1. Juni 2014. So ging der mutmaßliche Heroinhändler laut Anklage vor: Um 16.20 Uhr kommt er in Koblenz zur Justizvollzugsanstalt an der Simmerner Straße und schneidet mit einem Seitenschneider ein Loch in den Zaun. Als jemand von einem Zellenfenster eine Schnur herablässt, hängt er ein Paket dran. Plötzlich fühlt er sich gestört und verschwindet. Gegen 19.30 Uhr kehrt er zurück. Dann zieht der Häftling das Paket nach oben und lässt die Schnur wieder hinab. Der Mann will das zweite Paket nach oben schicken – da wird er laut der Anklageschrift festgenommen.

    Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann außerdem vor, Falschgeld in Verkehr gebracht zu haben. Denn nachdem ihn die Polizei festgenommen hatte, durchsuchte sie seine Wohnung – und fand sechs kopierte 50-Euro-Scheine. Im Prozess bestritt der Mann auch diesen Vorwurf: "Das ist kein richtiges Geld. Die Scheine liegen schon drei bis fünf Jahre bei mir herum. Die hab' ich vergessen." Als die Staatsanwältin nachfragte, warum er die Scheine in einer Kabeltrommel versteckte, erklärte er: "Sag ich doch, die hab' ich dort vergessen."

    Im Prozess ist ein weiterer Mann angeklagt, der mutmaßliche Komplize des Heroinhändlers. Der 34-Jährige aus dem Raum Neuwied soll während der Aktion am Gefängniszaun Schmiere gestanden haben. Im Prozess erklärte sein Anwalt Christoph Rühlmann dazu nur, dass auf den Aufnahmen der Überwachungskamera keine Drogen zu sehen seien.

    Der mutmaßliche Komplize berichtete über sein Leben als Sozialhilfeempfänger und Alkoholiker: "Ich trinke zwei bis drei Flaschen Wodka am Tag." Genau wisse er es nicht. Begründung: "Ich zähle nicht, ich trinke einfach."

    Dann legte er doch noch ein Geständnis ab. Er räumte ein, dass er bis März 2014 in Neuwied regelmäßig Wodkaflaschen stahl – einmal in der ED-Tankstelle (Engerser Landstraße), einmal im Kaufland (Heddesdorfer Straße) und mehrfach in Rewe-Märkten (Langendorfer Straße und Sohler Weg). Insgesamt beging er sechs Diebstähle. Teilweise hatte er dabei rund drei Promille Alkohol im Blut, war darum wohl vermindert schuldfähig.

    Der Prozess gegen die beiden Männer geht am 3. Dezember um 9 Uhr weiter. Dann will das Gericht mehrere Zeugen vernehmen.

    Koblenz
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