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    Fritsch-Kaserne: Flüchtlinge können einziehen

    Vier kleine Schlafräume, in denen jeweils drei Betten stehen, ein einzelnes und ein Stockbett, außerdem ein Tisch, Stühle und schmale Spinde. Ein kleines Bad mit Dusche, Toilette und Waschbecken, eine weitere Toilette. Eine Küche mit Herd, Spüle, Tisch: So sieht jede der zehn leuchtend gelben Wohneinheiten aus, die nebeneinander in einer Reihe auf dem sogenannten Antreteplatz an der Fritsch-Kaserne in Niederberg aufgestellt sind.

    Die Container auf dem Antreteplatz an der Kaserne sind nur gemietet. Die Wohnbau hat die Container noch mit einem sogenannten Sekundärdach versehen, unter anderem um zu verhindern, dass sie sich im Sommer zu stark aufheizen.
    Die Container auf dem Antreteplatz an der Kaserne sind nur gemietet. Die Wohnbau hat die Container noch mit einem sogenannten Sekundärdach versehen, unter anderem um zu verhindern, dass sie sich im Sommer zu stark aufheizen.
    Foto: Agatha Mazur

    Von unserer Redakteurin Doris Schneider

    75 Quadratmeter sind es insgesamt, die bis zu zwölf Menschen eine Herberge geben sollen. Es ist eine Lösung für den Übergang, sagt Bürgermeisterin Marie-Theres Hammes-Rosenstein bei einem Besichtigungstermin an der Wohnanlage, zu der interessierte Bürger eingeladen sind. Wie lange der Übergang dauert, weiß indes niemand. Denn zwischen 30 und 50 Menschen kommen noch immer jede Woche nach Koblenz, die vom Land hierher zugeteilt werden. Wer kommt und wann die Menschen kommen, darauf hat die Stadt keinen Einfluss. "Aber es hat sich gewandelt", sagt die Bürgermeisterin. Waren es in der ersten Jahreshälfte noch zu etwa 40 Prozent Menschen aus Balkanstaaten, die nur eine recht geringe Bleibechance haben, ist deren Zahl auf 0,8 Prozent geschrumpft. Den größten Anteil machen derzeit Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak, dem Iran, aus Afghanistan und Eritrea aus - Menschen mit einer guten Aussicht, hier auch bleiben zu dürfen. "Umso wichtiger ist es, sofort Integrationsangebote zu machen", so Hammes-Rosenstein und nennt Sprachkurse, Arbeitsmöglichkeiten für die Erwachsenen und Kita- und Schulbesuch der Kinder. Denn obwohl es eigentlich das Ziel der Stadt ist, Familien möglichst dezentral in Wohnungen in allen Stadtteilen unterzubringen, so wird das doch immer schwieriger. "Und es hat sich auch herausgestellt, dass das Zusammenwohnen von allein Reisenden und Familien oft harmonischer ist, als wenn nur junge Männer für sich sind."

    Die Anlage auf dem Kasernengelände ist umzäunt, Tag und Nacht wird ein Sicherheitsdienst hier sein. Und die Wohncontainer sind mit miteinander vernetzten Rauchmeldern ausgestattet, erklärt Volker Bremer, technischer Leiter der Koblenzer Wohnbau, die die Anlage für die Stadt eingerichtet hat. Die Container selbst sind nur gemietet. "Wann wir sie an die Firma zurückgeben, kann aber noch niemand sagen", sagt Hammes-Rosenstein.

    Drei Betten, Spinde, ein Tisch, Stühle: Die Schlafräume sind klein.
    Drei Betten, Spinde, ein Tisch, Stühle: Die Schlafräume sind klein.
    Foto: Agatha Mazur

    Ein Sozialarbeiter hat sein Büro in einem der Container, auch einen Hausmeister gibt es. Ausgestattet werden die neu ankommenden Flüchtlinge mit einem Paket vom Sozialamt, in dem von der Bettwäsche bis zum Kochtopf und Dosenöffner alles ist, was man braucht, um sich selbst zu versorgen, erklärt Martina Schüller, Leiterin des Amts für Jugend, Familie, Senioren und Soziales, auf die Frage einer interessierten Bürgerin. Ein Unterstützer-Netzwerk hat sich bereits gegründet, das sogar einen kleinen Container auftreiben konnte, in dem eine Art Kleiderkammer eingerichtet werden kann. Mehrfach wird die Bitte geäußert, auch einen größeren Aufenthaltsraum aus Containern aufzustellen, um Versammlungen oder Deutschunterricht zu ermöglichen. "Wir tun, was wir können", sagt Marie-Theres Hammes-Rosenstein. "Aber Sie haben keine Vorstellung, wie schwierig es war, diese Wohn-Container überhaupt zu bekommen. Der Markt ist leer gefegt." Aber schon ein paar Minuten später zeichnet sich eine Lösung ab: Edgar Friesenhahn von der Freien evangelischen Gemeinde, die ihre Räume nur etwa 200 Meter von der Kaserne entfernt hat, bietet Platz an.

    Und der wird bald noch stärker nötig sein. Denn im Frühjahr soll eine zweite Reihe Container genau gegenüber der jetzigen in Betrieb genommen werden. Platz für weitere 120 Flüchtlinge entsteht. Zusätzlich sollen im Lauf des Jahres 2016 bis zu 200 Wohnmöglichkeiten für Asylbewerber in zwei Mannschaftsgebäuden auf dem Kasernengelände entstehen.

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