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Koblenz

Aussichtslose Wohnungssuche in Koblenz? Drei Menschen berichten

Stephanie Mersmann

In Koblenz eine Wohnung zu finden, ist nicht nur kein Vergnügen, es scheint manchmal fast unmöglich. Wir haben mit drei Betroffenen gesprochen, die schildern, warum es so schwer ist, in der Stadt ein neues Zuhause zu finden.

Ein Sprichwort lautet: Wer sucht, der findet. Doch der Wohnungsmarkt in Koblenz bietet jede Menge Frustpotenzial. Manch Suchender weicht auf Nachbarstädte aus – und hofft weiter auf ein Zuhause in Koblenz.
Ein Sprichwort lautet: Wer sucht, der findet. Doch der Wohnungsmarkt in Koblenz bietet jede Menge Frustpotenzial. Manch Suchender weicht auf Nachbarstädte aus – und hofft weiter auf ein Zuhause in Koblenz.
Foto: Damian Morcinek

Die 51-jährige Christina Meyer heißt eigentlich anders, aber sie will ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen. „Ich hoffe ja immer noch, dass ich vielleicht doch noch eine Wohnung in Koblenz finde“, sagt sie. Dass es im zweiten Anlauf klappt, nachdem sie beim ersten Mal gescheitert ist.

Seit einigen Wochen lebt Meyer in Boppard. Die Wohnung, die sie hier gefunden hat, ist schön, die Nachbarn sind nett, und das Städtchen am Rhein gefällt ihr auch. Aber: „Koblenz ist mein Zuhause, und das vermisse ich einfach. Ich habe viel Heimweh“, sagt sie. Und deshalb will sie zurück.

Christina Meyer hat ihre bisherige Wohnung in der Südlichen Vorstadt nur deshalb verlassen, weil sie sich von ihrem Mann getrennt hat und sie zu groß geworden ist und zu teuer für sie allein. Deshalb hat sich die Zahnarzthelferin auf die Suche nach einer neuen, bezahlbaren Bleibe gemacht, 50 Quadratmeter, bis 450 Euro kalt – und stand vor einer Herkulesaufgabe. „Ein Dreivierteljahr habe ich intensiv gesucht“, Anzeigen in der Zeitung und im Internet studiert, sogar Zettel an Bäume geklebt. Ohne Erfolg.

Gemeldet hat sich niemand, „und wenn ich mich auf eine Anzeige gemeldet habe, wurde mir schon mal gesagt, ich sei der 87. Anrufer“, erzählt die 51-Jährige. Die Nachfrage ist groß – viel größer als das Angebot. Das bestätigt auch das Koblenzer Wohnungsmarktbarometer 2017. 44 Makler, Sachverständige und so weiter hat die städtische Statistikstelle dafür befragt. Als vorrangige Probleme nennen diese zu wenige bezahlbare Wohnungen, zu wenig Bauland, ein nur geringes Einkommen der Suchenden.

Doch auch teurere Wohnungen sind nicht leicht zu finden, das musste Ute Spittler erfahren. Die 55-Jährige lebt in Frankfurt, kommt aber aus Koblenz und will wieder zurück in die Heimat. Drei Zimmer sollte die neue Bleibe schon haben und 100 bis 120 Quadratmeter. „Aber was ich gesehen habe, war eine mittlere Katastrophe, ganz versifft, ich würde mich schämen, so etwas zu zeigen“, sagt sie.

Zehn Wochen lang hat sie intensiv gesucht, ist abends nach der Arbeit zu Besichtigungsterminen nach Koblenz gefahren, hat eine Woche Urlaub genommen für die Suche. Im Vergleich zu Frankfurt ist die Wohnungssuche hier nicht einfacher, findet Spittler, im Gegenteil. „In Frankfurt gibt es ein großes Angebot, viel läuft über Makler, auch zur Miete.“ In Koblenz sei das nicht so. Ihre neue Wohnung in Metternich hat sie letztlich nur gefunden, weil sie jemanden kannte, der jemanden kannte.

Ganz andere Ausgangsvoraussetzungen hat Hans Zimmermann. Der 63-Jährige lebt seit acht Jahren zufrieden in einer günstigen Wohnung in der Emser Straße, wie er sagt, doch jetzt muss er diese verlassen. Seit vier Jahren bezieht er Hartz IV, und die Wohnung ist zu groß für ihn, seit er nicht mehr mit seiner Frau zusammenlebt – und nun erfährt er, wie schwierig es für sozial schwache Menschen in Koblenz ist, eine Bleibe zu finden.

In seinem Leben hat Zimmermann schon verschiedene Berufe gehabt, vom Krankenpfleger bis zum Fernfahrer, dann wurde er nach einem Bandscheibenvorfall und mehreren Operationen arbeitsunfähig, außerdem hat er Arthrose. Seine neue Wohnung müsste im Erdgeschoss liegen, weil er gehbehindert ist. Hinzu kommt, dass sein früheres Haus vor Jahren zwangsversteigert wurde, „und deshalb habe ich einen entsprechenden Schufa-Eintrag“, sagt der 63-Jährige.

All dies macht die ohnehin schwierige Wohnungssuche nicht leichter. Unterm Strich ist Hans Zimmermann ein Beispiel für diejenigen, die es besonders schwer haben auf dem Wohnungsmarkt. „Ich habe die Sorge, dass ich kurz vor der Obdachlosigkeit stehe“, sagt er, auch wenn das Jobcenter versichert, dass in Deutschland niemand auf der Straße leben muss. Sein Mietvertrag in der Emser Straße endet jedenfalls am 31. Dezember.

Christina Meyer hat die Wohnungssuche in Koblenz letztendlich aufgegeben: Sie musste raus aus ihrer alten Wohnung und ist nach Boppard gezogen. Hier ist die Miete zwar niedriger als in Koblenz, aber die Fahrtkosten zu ihrer Arbeit in Koblenz sind hoch, und so sucht sie weiter. Der wichtigste Grund aber ist für sie: „Mein Herz will wieder nach Koblenz“ – auch wenn das zurzeit alles anderes als einfach ist.

Von unserer Redakteurin Stephanie Mersmann

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