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Emmelshausen

Turbulenzen um "Essen auf Rädern"

Wohin rollt „Essen auf Rädern“? Eine Zeit lang schien es so, dass der fahrbare Mittagstisch der Caritas in Emmelshausen ausgebremst wird.

Austrägerin Karin Petry aus Dörth und Fahrer Günther Orth aus Karbach beladen das Lieferfahrzeug mit den beiden Wärmeöfen, in denen die warmen Speisen für Essen auf Rädern transportiert werden. Salat und Nachspeise werden separat im Kühlschrank transportiert. Rund 40 Essen holen sie an diesem Tag in der Küche im Alten- und Pflegeheim St. Hildegard in Emmelshausen ab.
Austrägerin Karin Petry aus Dörth und Fahrer Günther Orth aus Karbach beladen das Lieferfahrzeug mit den beiden Wärmeöfen, in denen die warmen Speisen für Essen auf Rädern transportiert werden. Salat und Nachspeise werden separat im Kühlschrank transportiert. Rund 40 Essen holen sie an diesem Tag in der Küche im Alten- und Pflegeheim St. Hildegard in Emmelshausen ab.
Foto: Suzanne Breitbach

Die Fahrer und Austräger drohten damit, ihren Dienst einzustellen. Diese Gefahr scheint gebannt zu sein. Aber ob die Zukunft von „Essen auf Rädern“ gesichert ist, kann zum jetzigen Zeitpunkt noch niemand sagen. Was ist geschehen?

Dirk Hinrichs hat zehn Jahre lang im Dienste der Caritas Essen ausgefahren. Wie auch alle anderen Fahrer und Austräger in der VG Emmelshausen hat er dafür keinen Pfennig Geld bekommen. Vier Jahre lang hatte er zusätzlich die organisatorische Verantwortung für Essen auf Rädern inne. Dafür bekam er eine monatliche pauschale Aufwandsentschädigung von 200 Euro.

Finanztechnische Erwägungen haben den Ausschlag gegeben

Ab 1. Januar hat die Caritas diese Zahlung eingestellt. Nicht, weil die Hilfsorganisation mit der Tätigkeit von Hinrichs unzufrieden gewesen wäre – dafür gab es keinen Anlass. Aus finanztechnischen Erwägungen heraus zahlt die Caritas keine Pauschalen mehr.

Nach dem Dreikönigstag erreichte Ursula Ritt ein Schreiben der „Arbeitsgemeinschaft ,Essen auf Rädern' Emmelshausen“. In diesem Brief, datiert vom 6. Januar 2018, setzen die Fahrer und Austräger von „Essen auf Rädern“ der Leiterin der Emmelshausener Sozialstation die Pistole auf die Brust: Wenn die Caritas bis spätestens 26. Februar Dirk Hinrichs die organisatorische Tätigkeit für Essen auf Rädern nicht wieder überträgt und wie zuvor die 200 Euro monatlich zahlt, würden die Fahrer und Austräger ab 5. März ihren Dienst geschlossen einstellen.

Wie Hinrichs im Gespräch mit unserer Zeitung sagt, hätten 70 bis 80 Prozent der Fahrer und Austräger, die bei einem Treffen in Januar zusammengekommen seien, unterschrieben. Nun ist „Essen auf Rädern“ immer noch am Leben. Zwar hätten einige Fahrer und Austräger ihren Dienst quittiert, das Gros würde die ehrenamtliche Tätigkeit aber fortsetzen, sagt Ursula Ritt im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wir schließen die Lücken mit unseren eigenen Kräften.“ Nach Kenntnis von Dirk Hinrichs wollen fünf bis sechs Austräger noch bis Ende März weitermachen und danach aufhören. Ein klärendes Gespräch zwischen der Caritas und den Mitarbeitern von Essen auf Rädern ist für Montag, 19. März, terminiert. An diesem Gespräch wird Dirk Hinrichs nicht teilnehmen. „Für mich gibt es kein zurück mehr. Das Vertrauensverhältnis ist zerstört“, macht er deutlich. Zwar hat ihm die Caritas eine Zusammenarbeit auf der Basis einer geringfügigen Beschäftigung angeboten. Dabei war aber eine Probezeit mit inbegriffen. „Und das bei einer Tätigkeit, die ich vier Jahre gemacht habe“, entrüstet sich Hinrichs. Von Anfang an in den Fall von „Essen auf Rädern“ in Emmelshausen involviert ist auch die Direktorin des Caritasverbandes Rhein-Hunsrück-Nahe, Victoria Müller-Ensel. Dreimal habe sie bisher mit Dirk Hinrichs gesprochen und an mehren Treffen mit den Austrägern und Fahrern teilgenommen, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung.

Sie macht deutlich, dass die Caritas die Zusammenarbeit mit Dirk Hinrichs bei „Essen auf Rädern“ gern fortgesetzt hätte. „Wir wollten ihn für drei Stunden in der Woche einstellen, das hat er aber abgelehnt“, führt sie aus. Davon, dass sich Hinrichs an der Probezeit gestört habe, sei keine Rede gewesen. Die Caritasdirektorin stellt klar, dass die pauschalen Aufwandsentschädigungen der Vergangenheit angehören.

Menschen mit Essen zu versorgen ist wichtiger Baustein des Dienstes

„Wir wollen uns im rechtssicheren Raum bewegen“, nennt Victoria Müller-Ensel den Hauptgrund dafür. Im Übrigen ist sie sich mit Ursula Ritt einig, alles zu tun, damit „Essen auf Rädern“ weitergeht. Denn Menschen, die sich nicht mehr allein zu helfen wissen, mit Essen zu versorgen, sei ein wichtiger Baustein in der karitativen Tätigkeit. „An dieser Frage entscheidet es sich, wie lange Menschen zu Hause bleiben können.“ Die Direktorin stellt ferner klar, dass die Caritas aus „Essen auf Rädern“ keinen Gewinn erzielt. Hintergrund dieser Äußerung sind Gerüchte in der Öffentlichkeit, die Caritas horte ihre Gewinne aus Essen auf Rädern auf diversen Konten. Müller-Ensel räumt ein, dass es verschiedene Konten gibt, diese Konten stammten aber aus der Zeit, als „Essen auf Rädern“ noch eigenständige Arbeitsgemeinschaften waren. Später habe dann die Caritas diese Konten übernommen. Dass beim Wirtschaftsunternehmen „Caritas“ keine finanziellen Unregelmäßigkeiten auftreten, dafür sorgen laut Müller-Ensel allein schon die regelmäßigen strengen Prüfungen.

„Essen auf Rädern wird auf jeden Fall weitergehen“, ist Ursula Ritt optimistisch, was die Zukunft des elementaren ehrenamtlichen Dienstes angeht. Vom Treffen am Montag erwartet sie sich einen fruchtbaren Austausch mit den Austrägern und Fahrern. „Ich wünsche mir, dass wir eine gute Basis finden.“

Von unserem Redakteur Wolfgang Wendling

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