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Horn

So viele Besucher wie nie zuvor: Das Horner Kunstfest ist angekommen

Zum Horner Kunstfest strömte das Publikum wie nie zuvor. Die Galeristin Dagmar Rehberg hatte zum vierten Mal zu diesem Ereignis der besonderen Art geladen. Ihr Ansinnen, große Kultur ins kleine Dorf zu bringen, scheint beim Publikum angekommen zu sein.

Von unserem Reporter Werner Dupuis

Falls vorhanden, hätte man das Schild "Ausverkauft" an die Tür des Horner Gemeindehauses heften müssen. Und zur großen Freude der Veranstalterin kamen die meisten der rund 250 Gäste aus der Region.

Publikumsmagnet war zweifellos Edgar Reitz, diesmal nicht in der gewohnten Rolle des Filmregisseurs und Schöpfers der "Heimat", sondern als Autor. Publikumsliebling war aber abermals Anne Jung, die mit zwei Tänzern vom Netherlands Dans Theatre (NDT) aus Den Haag angereist war. Zum Genuss fürs Auge schlug Robert Schwarz im Rahmen einer Ausstellung in der Galerie Rehberg seine Kunstbücher wieder auf. Und zum Abschluss versammelte man sich in der Dorfkirche. Nicht zur Andacht, sondern zu einem furiosen Orgelkonzert mit dem jungen Organisten an der Hohen Domkirche in Mainz, Daniel Beckmann.

Reiß: Kunst ist für die Gesellschaft wichtig

Zur Begrüßung kam die rheinland-pfälzische Ministerin für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, Vera Reiß. Den Managern und Funktionären des öffentlichen Lebens klarzumachen, dass Kunst für die Gesellschaft genauso wichtig ist, wie elektronische Geräte, schnelle Autos oder immer präzisere Instrumente in der Wissenschaft, bezeichnet sie als eine Aufgabe aller Kunstschaffenden: "Für Kunst gibt es keinen Ersatz und keinen Austauschstoff", sagte Reiß und würdigte die jahrzehntelangen vielfältigen Verdienste von Dagmar Rehberg für die rheinland-pfälzische Kulturlandschaft. Das Horner Kulturfest sei nur möglich dank dieser vielen, daraus entstanden persönlichen Kontakte.

Anne Jung ist wohl das beste Beispiel dafür. Gemeinsam mit ihrem Mann Till fördert Galeristin Rehberg das Ballett Mainz. Deshalb gehört die Tänzerin Anne Jung selbst nach ihrem Wechsel von Mainz zum weltweit zu den wichtigsten Kompanien zählenden NDT weiterhin zur Stammbesetzung des Horner Kunstfestes.

Intimität zwischen Tänzern und Betrachtern

Der Kontrast zwischen den großen Theaterbühnen und der engen Tanzfläche des Gemeindesaals ist extrem. Die Profis kommen auch damit zur recht. Die Enge erzeugte aber auch eine Intimität zwischen Tänzern und Betrachtern, zumindest für das Publikum in den vorderen Reihen. Anne Jungs Vergangenheit in der rhythmischen Sportgymnastik war in einigen Partien unverkennbar. Akrobatisch verschlungene Begegnungen wechselten rasend schnell in Figuren des klassischen Tanzes. Ballett im Extrakt, das Publikum hielt den Atem an und bedankte sich mit Bravorufen und langem Applaus.

Die Lesung mit Edgar Reitz bot Gelegenheit zum Innehalten und zeigte, für alle die es bisher noch nicht wussten, dass Reitz nicht nur ein Mann der bewegten Bilder, sondern auch einer des geschrieben Wortes und ein wunderbarer Erzähler ist. "Bevor ich meinen ersten Film ,Mahlzeiten' drehte, wusste ich nicht, ob ich Texte oder Filme machen sollte", berichtete er, und las mehrere Passagen aus seinem neuen Buch "Zeitkino" vor. Darin sind zahlreiche Essays, Interviews und "Bruchstücke" aus fünf Jahrzehnten publiziert. "Erinnern geht viel weiter zurück, als dass wir uns daran erinnern können", war eine von vielen Reitz'schen Weisheiten und Bemerkungen an diesem Morgen.

Orgel klingt furios wie nie zuvor

Bestandteil des Horner Kunstfests ist immer auch eine Ausstellung und der Dialog zwischen dem jeweiligen Künstler und der Galeristin. Neue Geschichten konnte Dagmar Rehberg Robert Schwarz jedoch nicht entlocken. Er schilderte die Entwicklung seiner prächtigen, bei Sammlern begehrten und in vielen Museen der Welt zu sehenden Kunstbücher. Schwarz erzählte, wie er zur Farbe kam und bekannte, dass abstrakte Maler für ihn oft Meister des Verschweigens sind.

Die ehrwürdige, weit in die Hunsrücker Landschaft ragende evangelische Kirche war der letzte Spielort des Kunstfestes. Der junge Mainzer Domorganist Daniel Beckmann begann im Barock mit Fugen von Bach, variierte minimalistisch mit einer Komposition des Letten Arvo Pärt und spielte schließlich vier Tango-Variationen von Guy Bovet auf der Stumm-Orgel. Pfarrer Florian Schmitz-Kahmen war nicht nur begeistert von der Orgel, die so furios klang wie vielleicht nie zuvor. Er schaute auch nachdenklich ins Kirchenschiff, das im Gegensatz zu vielen Gottesdiensten auf allen Bänken gefüllt war.

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