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    Ingenieurin gibt den Ton an: Der Diezer Tunnel ist Vogtmanns Baustelle

    Politische Initiativen, um Frauen in technische Berufe und in Führungspositionen zu bringen, gibt es viele – doch Erhebungen zeigen: Ohne passende Bewerberinnen und engagierte Arbeitgeber bleibt die Frauenquote Theorie. Im Landesbetrieb Mobilität (LBM) in Diez kommt beides zusammen – eine qualifizierte Ingenieurin und ein von ihrem Können überzeugter Arbeitgeber – und so ist die Bauingenieurin Daniela Vogtmann Projektleiterin für die Realisierung des Kleinen Diezer Tunnels, dem letzten Teilstück der innerstädtischen Umgehung.

    Daniela Vogtmann ist Projektleiterin der „Kleinen Tunnellösung Diez“. Auf dem Kasernenplatz bespricht sie mit Bauwart Markus Metternich, der die Baustelle täglich überwacht, die nächsten Schritte.  Foto: Katrin Maue-Klaeser
    Daniela Vogtmann ist Projektleiterin der „Kleinen Tunnellösung Diez“. Auf dem Kasernenplatz bespricht sie mit Bauwart Markus Metternich, der die Baustelle täglich überwacht, die nächsten Schritte.
    Foto: Katrin Maue-Klaeser

    Ein solches Mammutprojekt, mit dem Vogtmann schon seit Beginn ihrer Tätigkeit beim LBM vor gut zehn Jahren befasst ist, ist eine Herausforderung. Wie hat sie sich auf die Zusammenarbeit mit Vorarbeitern und Planern vorbereitet, die vielleicht Probleme damit haben, wenn eine Frau, die sogar jünger ist als sie, ihnen Vorgaben macht? „Ich habe von Beginn an nie daran gezweifelt, das nötige Durchsetzungsvermögen zu haben“, sagt Daniela Vogtmann mit charmantem Selbstbewusstsein.

    Generell ist ein solches Vorhaben nur zu stemmen, wenn es auf mehreren Schultern ruht. „Die Kollegen Dr. Kai Mifka und Thomas Petri sind immer auf demselben Stand wie ich, sodass wir uns jederzeit gegenseitig vertreten können“, erklärt Vogtmann. Sie ist mit 30 Wochenstunden im LBM tätig, eventuell will sie ihre Teilzeitstelle aufstocken. Mit dem Tunnelbauprojekt ist Vogtmann von Anfang an vertraut, und so freut sie sich, dass sie es jetzt auch durch die Realisierungsphase begleiten darf.

    Erste Berufserfahrung hat Daniela Vogtmann in einem Frankfurter Ingenieurbüro gesammelt. „Früher konnte ich mir nicht vorstellen, bei einem öffentlichen Arbeitgeber zu arbeiten“, gesteht sie. „Aber ich bin froh, dass ich hergekommen bin – die Arbeit ist so vielfältig“, betont sie. Außerdem ist sie überzeugt: „Wie man sein Arbeitsleben gestaltet, hat man doch selbst in der Hand.“ Dass sie die andere Seite des Schreibtischs kennt, erlebt Vogtmann als Vorteil sowohl für die Firmen als auch für ihre Behörde. „Ich lege Wert auf eine rasche Abwicklung, das kommt sowohl dem Projekt als auch den Unternehmen zugute“, sagt die sportlich gekleidete Frau, die die flachen Schuhe auf der Baustelle rasch gegen Arbeitsschuhe tauscht und über das legere Jackett die obligatorische Warnweste streift.

    Die Erfahrungen, die Vogtmann in Frankfurt gesammelt hat, könnten kaum besser zur Tunnelbaustelle passen: Bahnprojekte waren es dort vorrangig, mit denen sie befasst war – der Tunnel kreuzt die Lahntalbahnstrecke gleich zweimal. So wusste sie schon: „Sperrpausen müssen mindestens zwei Jahre vorher beantragt werden.“ Wenn also etwa wegen des Einbaus von Hilfsbrücken Zeiten genutzt werden müssen, in denen kein Zug verkehrt, braucht das lange Vorbereitung. „Besonders kommt mir zugute, dass ich die Strukturen der Bahn kenne“, sagt Vogtmann. Trotzdem bleibt es spannend, ob der Baufortschritt immer zu den beantragten Pausen im Zugverkehr passt: „Wir werden alles daransetzen, dass die Zeiten eingehalten werden.“

    Als Projektleiterin des Diezer Tunnels ist Vogtmann vor allem für die Abstimmung der Planung mit Firmen und Anwohnern zuständig: „Das ist kein Schreibtischjob“, ist sie froh. Die planmäßige Bauzeit von vier Jahren schreckt sie nicht, solche Zeiträume sind bei derart komplexen Vorhaben normal.

    Dass die „Kleine Tunnellösung Diez“ im Entwurf des neuen Bundesverkehrswegeplans zunächst abgestuft worden war, hält Vogtmann schlicht für einen Fehler: „Es sind falsche Verkehrszahlen zugrunde gelegt worden, ein einfacher Zahlenfehler“, sagt die Ingenieurin unaufgeregt. So etwas kann vorkommen – und ist einfach zu korrigieren. „Wäre der Tunnel politisch nicht gewollt gewesen, hätte es nicht geklappt, ihn wieder in den vordringlichen Bedarf zu bringen“, ist sie sich aber auch der Grenzen von Zahlen und Argumenten bewusst. Und betont: „Ich habe an das Projekt immer geglaubt.“ Schon die Planungsphase und auch die jetzige Realisierung „ist durchgehend spannend“, sagt sie. Sie freut sich auf die Baustelle, auf die Arbeit mit den Firmen – und dass ihr die Projektleitung anvertraut wurde.

    Es hat sie dennoch fast ein wenig überrascht, dass die Realisierung nun so schnell folgt. Allerdings sei schon das Planfeststellungsverfahren ohne Probleme verlaufen: „Es gab nichts einzuwenden, was wir nicht hätten aus der Welt schaffen können.“ Vor allem aber sind die Diezer schlicht froh, wenn die Innerstädtische vollendet wird: Es gab keine Klagen, keine Bürgerinitiativen gegen das Vorhaben – das ist bei Umgehungen nicht selbstverständlich. Umweltschutz ist Vogtmann, die auch mit der Umgehung Flacht–Niederneisen befasst ist, persönlich wichtig, sie ist froh, dass es Verbände gibt, die sich dafür einsetzen. Beruflich ist sie stets bemüht, praktikable Lösungen zu finden. „Alle Kollegen hier sind für den Umweltschutz sensibilisiert“, betont die 42-Jährige.

    Von unserer Redakteurin Katrin Maue-Klaeser

    Kugelprismen zur Beobachtung von Erschütterungen oder Setzungen

    Der sogenannte Sprengvortrieb kann nur tagsüber erfolgen – und nach jeder Sprengung muss der Bahntunnel begangen werden, um nach möglichen Schäden zu schauen. Gescannt wird der Bahntunnel außerdem. Besonders erschütterungsarm soll das „Sprengen mit Zeitzündstufen“ sein, bei dem in einer Art Kaskade mehrere kleine Sprengladungen nacheinander gezündet werden statt einer großen.

    Dies soll nicht nur dem Bahntunnel zugutekommen, sondern auch den Häusern der Anwohner. Für den Fall, dass es dennoch zu Beschwerden kommt, wird auf mehr als 50 Anwesen eine sogenannte Beweissicherung durchgeführt: Hauswände und Stützmauern werden fotografiert, um den Ursprungszustand gegebenenfalls mit später geltend gemachten Schäden vergleichen zu können. Zur Beobachtung von Setzungs- oder Erschütterungsfolgen sind zudem an bestimmten Fassaden Kugelprismen montiert und aufeinander ausgerichtet worden. Bereits jetzt werden Grundwerte erhoben, mit denen die spätere Entwicklung verglichen werden kann. „So können wir Schaden vom LBM abwenden und gegebenenfalls das Sprengverfahren anpassen“, erklärt Projektleiterin Daniela Vogtmann.

    Zur Person

    Diplom-Ingenieurin Daniela Vogtmann ist 42 Jahre alt. Sie stammt aus Weilmünster und hat bis 2002 in Gießen Bauingenieurwesen studiert mit den Schwerpunkten Verkehr, Wasser und Umwelt. Seit 2006 ist sie beim Landesbetrieb Mobilität tätig, nachdem sie zuvor Berufserfahrung bei einem Ingenieurbüro in Frankfurt sammelte.

    Mit ihren zwei Kindern lebt Vogtmann im Taunus.

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