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Diez/Heilberscheid

Großübung der Bundespolizei: Der Ernstfall begann um 3 Uhr in der Nacht

Elias Müller

Seit Ende 2017 werden Bundespolizisten in der ehemaligen Freiherr-vom-Stein-Kaserne der Bundeswehr ausgebildet. Für diese stand jetzt eine besondere Übung auf dem Lehrplan.

Finden und versorgen: Bei der nächtlichen Übung im Wald mussten die angehenden Bundespolizisten unter realen Bedingungen eine Vermisstensuche durchführen und an sechs Schwerletzten auch ihr Wissen in Sachen Erste Hilfe unter Beweis stellen.  Foto: Elias Müller
Finden und versorgen: Bei der nächtlichen Übung im Wald mussten die angehenden Bundespolizisten unter realen Bedingungen eine Vermisstensuche durchführen und an sechs Schwerletzten auch ihr Wissen in Sachen Erste Hilfe unter Beweis stellen.
Foto: Elias Müller

3 Uhr morgens in der Freiherr-vom-Stein-Kaserne: „Vermisstensuche nach Bahnbetriebsunfall, in zehn Minuten abmarschbereit antreten!” 88 angehende Bundespolizisten werden von ihren Ausbildern aus den Betten geworfen. Acht Stunden später kehren die Auszubildenden erschöpft und nass zurück in ihre Unterkunft. Dazwischen haben sie ein Waldstück nach Vermissten durchsucht, Schwerverletzte versorgt, sind 14 Kilometer marschiert und haben die Lahn durchschwommen. Eine Einsatzübung der etwas andere Art.

Seit einem Jahr lernen die angehenden Bundespolizisten in der Ausbildungsstelle in der Diezer Kaserne die Theorie für verschiedenste Einsatzszenarien. Am Mittwochmorgen galt es dann, das Gelernte in die Praxis umzusetzen. Für die jungen Männer und Frauen ging es bei ihrer ersten Nachtübung gleich richtig zur Sache. „Wir wollten das Szenario so realistisch wie möglich gestalten“, erklärt Ausbildungsgruppenleiter Manfred Hasse. In der Planung wuchs diese Idee nach und nach zu einem großen Projekt heran, die Bundespolizisten baten das Rote Kreuz aus Limburg, das Montabaurer THW und die Feuerwehr Heilberscheid um Hilfe. Als die Auszubildenden im Wald an der Heilberscheider Grillhütte ankamen, wurden sie dementsprechend schon von den anderen Einsatzkräften erwartet.

„Wir haben uns gern bereiterklärt, weil wir in einem solchen Szenario wirklich so zusammenarbeiten würden“, erklärt der Wehrführer der Heilberscheider Feuerwehr Matthias Noll. Für die Auszubildenden hieß es dann, im Laufschritt zur Lagebesprechung anzutreten. „Nach einem Bahnbetriebsunfall haben sich Verletzte in diesem Waldstücke verirrt“, erklärte Manfred Hasse. „Zwei Gruppen umstellen das Gebiet, die anderen beiden durchsuchen es.“ Die Hälfte der 88 Einsatzkräfte bildete eine Menschenkette um das Waldstück herum, die anderen begannen gemeinsam mit Feuerwehr und DRK die Suche. Insgesamt fünf realistisch geschminkte Schwerverletzte mussten gefunden und anschließend versorgt werden. Die Anwendung der Erste-Hilfe-Maßnahmen wurden von den Helfern vom Roten Kreuz genauestens überwacht, im Anschluss gaben sie den Auszubildenden direkt Rückmeldung zum Vorgehen. „Sie haben die Verletzten sehr gut versorgt“, lobte Notarzt Klaus Lanio die jungen Polizeianwärter.

Bei der Übung standen die Einsatzkräfte immer unter Beobachtung der Ausbilder.  Foto: Sascha Ditscher
Bei der Übung standen die Einsatzkräfte immer unter Beobachtung der Ausbilder.
Foto: Sascha Ditscher

Nach der erfolgreich abgeschlossenen Suche und einer kurzen Nachbesprechung wurde das Szenario wiederholt, diesmal wechselten die vier Gruppen die Aufgaben. Auch dieser Durchgang konnte erfolgreich abgeschlossen werden. Anschließend durften die Einsatzkräfte pausieren und frühstücken, ehe Hasse ihnen die nächste Aufgabe offenbarte: Die Rückfahrt mit den Bussen blieb den Azubis verwehrt, stattdessen stand ihnen ein langer Marsch zurück in die Kaserne bevor. „Auch Orientierung im Gelände gehört zum Lehrinhalt“, erklärt Hasse den Hintergrund dieser Herausforderung.

Am Ende eines 14 Kilometer langen Marsches musste noch die Lahn durchschwommen werden. Vor dieser Aufgabe drückten sich auch die Ausbilder nicht.  Foto: Sascha Ditscher
Am Ende eines 14 Kilometer langen Marsches musste noch die Lahn durchschwommen werden. Vor dieser Aufgabe drückten sich auch die Ausbilder nicht.
Foto: Sascha Ditscher

Doch der krönende Abschluss folgte, als die jungen Männer und Frauen schließlich die Lahn erreicht hatten. „Die Brücken sind leider gesperrt, ihr müsst durch die Lahn schwimmen“, lautete die letzte Aufgabe für die erschöpften Azubis. Unter sorgsamer Beobachtung durch die DLRG absolvierten sie auch diese mit Bravour, inklusive simulierter Menschenrettung. Selbstverständlich durften sich auch die Ausbilder nicht davor drücken.

Sie werden uns heute verfluchen, aber morgen können sie stolz auf sich sein.

Zwar erschöpft, nass und müde, aber auch zufrieden kehrte die Gruppe so in die Kaserne zurück. „Sie werden uns heute verfluchen, aber morgen können sie stolz auf sich sein“, hatte Hasse zu Beginn der Übung geschmunzelt. Damit sollte er Recht behalten, denn die Azubis haben eindrucksvoll bewiesen, dass sie schon jetzt bereit für den Ernstfall sind und dass sie zusammenhalten, um Leben zu retten. Darauf dürfen sie definitiv stolz sein.

Von unserem Mitarbeiter Elias Müller

Bundespolizei statt Bundeswehr

Im September 2017 hat der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière in der ehemaligen Freiherr-vom-Stein-Kaserne der Bundeswehr die Bundespolizeischule eröffnet. Am Standort Diez will die Bundespolizei nach eigenen Angaben in den nächsten Jahren mehr als 7000 zusätzliche Bewerber ausbilden. Offiziell ist in Diez eine Außenstelle des Aus- und Fortbildungsbildungszentrums der Bundespolizei in Swisstal (Rhein-Sieg-Kreis). In Spitzenseiten sollen in der früheren Kaserne jährlich bis zu 490 Polizeianwärter ausgebildet werden. Der erste Jahrgang wurde am 27. Oktober 2017 in der Diezer Innenstadt offiziell vereidigt. Die Schule soll bis mindestens 2023 genutzt werden.

Diez
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