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    Heistenbach

    Bürgerentscheid zur Windkraft gefordert

    Nach einer ähnlichen Veranstaltung in Altendiez wurde nun auch in Heistenbach ausführlich im Rahmen einer Bürgerversammlung über das Für und Wider bei der Windkraft gestritten.

    Der Heistenbacher und Nabu-Vorsitzende Winfried Lieber stellte in der gut besuchten Lindenhalle unter anderem Fragen zu den Gutachten zum Vogelzug, deren Verlässlichkeit er massiv anzweifelte. Auch weitere Bürger kritisierten die Ausführungen der Vertreter von Projektierern und Planern zu den geplanten Windenergieanlagen in der Nähe der Gemeinde.  Fotos: Andreas Galonska
    Der Heistenbacher und Nabu-Vorsitzende Winfried Lieber stellte in der gut besuchten Lindenhalle unter anderem Fragen zu den Gutachten zum Vogelzug, deren Verlässlichkeit er massiv anzweifelte. Auch weitere Bürger kritisierten die Ausführungen der Vertreter von Projektierern und Planern zu den geplanten Windenergieanlagen in der Nähe der Gemeinde. Fotos: Andreas Galonska
    Foto: ag

    Von unserem Redakteur Andreas Galonska

    Das Podium mit (von links) Martin Hector, Elena Loos, Ralf Ratanski, Elmar Thyen und Hans-Leo Cremer.
    Das Podium mit (von links) Martin Hector, Elena Loos, Ralf Ratanski, Elmar Thyen und Hans-Leo Cremer.
    Foto: ag

    Die Mehrheit der Teilnehmer machte deutlich, dass sie die geplanten Rotoren auf dem Steinkopf ablehnt und darüber bei einem Bürgerentscheid abstimmen lassen möchte. Diskutiert wurde mit Ortsbürgermeister Peter Solbach, Hans-Leo Cremer (Landesforsten), Elmar Thyen und Martin Hector von der Firma Trianel, die den Windpark projektieren und bauen wollen, sowie mit Ralf Ratanski und Elena Loos vom beauftragten Planungsbüro iTerra.

    Peter Solbach verdeutlichte zunächst die Lage aus seiner und der Sicht des Gemeinderates. "Heistenbach hat weder etwas geplant noch in Auftrag gegeben. Wir sind weder Freund noch Feind der Windanlagen", betonte er. "Die Ortsgemeinde ist aber auch nicht Herr des Verfahrens", fügte er an. Es habe zunächst eine Kooperation mit Hirschberg, Eppenrod und Altendiez gegeben. "Es hat mich enttäuscht, dass Eppenrod und Hirschberg 2014 rausgegangen sind", beklagte Solbach. Dann habe man zwei Jahre nichts mehr zum Thema Windkraft gehört, bis ein Antrag von iTerra zur Nutzung eines Wegs eingebracht wurde. "Wäre Heistenbach dagegen gewesen, dann wäre ein neuer Weg zwei Meter neben dem alten gebaut worden", monierte der Ortschef. Die Gemeinde habe versucht, bei den Planungen im Spiel zu bleiben und der Nutzung zugestimmt.

    Hans-Leo Cremer blickte auf die rechtlichen Hintergründe der Windkraftplanungen. Beim Landesforsten orientiere man sich an den von der Bundesregierung benannten Zielen und den weiteren Vorgaben der Landesregierung. Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist ein solches klares Ziel. Windanlagen im Wald seien billiger als Offshoreanlagen auf dem Meer, sie ließen Wertschöpfung in der Region und seien Teil einer dezentralen Energieversorgung. Der beauftragte Projektierer Trianel trage alle Planungskosten. "Wenn sechs Hektar gerodet werden, dann sind das 0,75 Prozent des Staatswalds. Das ist nicht erheblich", betonte Cremer. Die Breite der Wege zu den Windanlagen soll 4,50 Meter nicht überschreiten. "Der Eingriff erscheint aushaltbar", schätzte Cremer.

    Elmar Thyen und Ralf Ratanski skizzierten die Aufgaben von Trianel und iTerra und hoben hervor, dass für zahlreiche Detailuntersuchungen renommierte externe Büros beauftragt worden seien, die beispielsweise die Tier- und Pflanzenwelt sowie die Bodenbeschaffenheit untersuchen. Die geplanten Anlagen sollen eine Gesamthöhe von 212 Metern haben, der Rotordurchmesser liegt bei 126 Metern. "Für die Anlieferung müssen die bestehenden Wege im Wald ein bisschen ertüchtigt werden", erklärte Ratanski. Es handele sich um moderne Anlagen, mit denen ein schallreduzierter Betrieb möglich sei. Zur Anlieferung der Bauteile müsse nicht durch Heistenbach gefahren werden, da hinter Hambach ein abzweigender Waldweg als Zufahrt genutzt werden könne.

    Die Bürger hatten zahlreiche Fragen an die Referenten und den Ortsbürgermeister. Florian Fillbach fragte nach den Auswirkungen von Infraschall, wozu es aber noch keine Ergebnisse gibt. "Wir haben 30 Jahre Erfahrung vorzuweisen", meinte Elmar Thyen zu dem Vorwurf, man würde sich auf ein Experiment einlassen. Der Naturschutzbund-Vorsitzende Winfried Lieber kritisierte, dass die Messergebnisse für bestimmte Vogelarten nicht stimmen könnten. "Es wurden 342 Kraniche gezählt", bemängelte er – tatsächlich könnten leicht Tausende Vögel beobachtet werden. "Vor 14 Tagen hatte ich Besuch von einem Vertreter für Staubsauger, der wie Sie auch einen perfekten Vortrag gehalten hat. Ich habe ihm aber nichts abgekauft", sagte Hilmar Horny unter lautem Applaus. "Der geplante Eingriff in die Natur ist beängstigend und geht über jedes Maß hinaus", fügte er an. Horny zweifelte die Menge der CO2-Einsparungen durch die Windanlagen an und befürchtete, dass es nicht bei den geplanten acht Rotoren bleiben werde. "Wie rechtfertigen Sie, dass hier eine Kulturlandschaft kaputtgemacht wird?", wollte Dirk Gasteier wissen. Elmar Thyen wies darauf hin, dass ein Ziel wie die Energiewende durch den Staat vorgegeben wurde. "Windkraftanlagen sollen gebaut werden, aber niemand will die Dinger bei sich haben", betonte er. Thyen störe sich persönlich nicht an Windanlagen, für ihn seien Braunkohlewerke belastender. "Wir sind noch weit vom Bauen weg, wir planen und prüfen", meinte Hans-Leo Cremer.

    "Der Gemeinderat soll Farbe bekennen und sich klar gegen diese Riesenräder aussprechen", forderte Horst Christmann. "Der Gemeinderat hätte doch sagen können, dass er die Anlagen nicht will", meinte Gudrun Quast. Auch weitere Bürger, etwa Katja Noll, forderten einen Bürgerentscheid zu den Windanlagen. "Ich will gerne die Verwaltung damit beauftragen, dass geprüft wird, ob eine solche Abstimmung möglich ist", antwortete Peter Solbach. Sie sei aber nutzlos, wenn es bei einer reinen Willensbekundung ohne tatsächliche Auswirkungen bliebe.

    Fragen gab es zudem, ob Rotoren in der Kernzone des Naturparks Nassau gebaut werden dürfen. Hans-Leo Cremer erläuterte, dass der Naturpark und dessen Kernzone von der Oberen Naturschutzbehörde in der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord festgelegt wurden. Der Bereich Heistenbach/Altendiez gehöre demnach zum Randgebiet.

    Diez
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