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    Weißer Ring: Opferfälle sind im Ahrkreis stark gestiegen

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    Gewalt in Beziehungen: Das ist im Ahrkreis die häufigste Ursache, weshalb sich Opfer an den Weißen Ring wenden. Der Verein hat 2011 bislang 115 Menschen beraten. Zwei Drittel von ihnen waren Frauen und Mädchen. 
Foto: dpa
    Gewalt in Beziehungen: Das ist im Ahrkreis die häufigste Ursache, weshalb sich Opfer an den Weißen Ring wenden. Der Verein hat 2011 bislang 115 Menschen beraten. Zwei Drittel von ihnen waren Frauen und Mädchen.
    Foto: dpa - picture alliance / dpa

    Meist war es sexuelle und häusliche Gewalt (siehe Grafik), die Menschen erfahren mussten und deshalb daraufhin Schutz und Hilfe bei dem gemeinnützigen Verein suchten. Zwei Drittel der Menschen sind Frauen und Mädchen, sagt Raubal. Er leitet die Außenstelle des Weißen Rings in Rieden. In den vergangenen Jahren haben die Fälle deutlich zugenommen. Raubal ist darüber sehr froh.

    Dass seine zwölf Mitarbeiter (siehe Kasten) und er nun viel mehr zu tun haben, liegt nicht daran, dass die Zahl der Gewalttaten im Ahrkreis stark zugenommen hätte. Es sind mehr Opfer von Gewalttaten, die sich bei der Vereinsfiliale im Ahrkreis melden. "Vor zehn Jahren waren es nur 50 Menschen, die sich jährlich an den Weißen Ring im Kreis wandten", sagt Raubal. Seit drei Jahren liege die Zahl konstant über 100.

    Das jüngste Gewaltopfer, mit dem es Raubal in seinen elf Jahren im Verein zu tun bekam, war gerade einmal zweieinhalb Jahre alt, das älteste über 80. Meist sind die Menschen, die sich in Rieden melden, zwischen 15 und 60 Jahre alt - quer durch alle sozialen Schichten. In der näheren Vergangenheit hat der ehemalige Soldat Raubal festgestellt, dass sich vermehrt Frauen melden, die "vor Jahren von ihrem Vater vergewaltigt worden sind, wo die Straftat schon verjährt ist". Warum? "Entweder treten Posttraumata auf, oder der Vater vergeht sich nun am Enkelkind - und die Frauen wollen sich nun wehren."

    In der Hälfte der Fälle in diesem Jahr waren es das Opfer selbst oder waren es Angehörige, die bei Raubal anriefen. Ansonsten kamen die Hinweise von der Polizei (20 Prozent) und Rechtsanwälten, von Ärzten und Therapeuten. Nach der Meldung wird zunächst geprüft, ob es sich auch um eine Straftat handelt, also um vorsätzliche Gewalt. "Und die Straftat muss in Deutschland passiert sein", sagt Raubal.

    Ist das der Fall, nimmt er oder ein Mitarbeiter Kontakt zum Opfer auf. Es geht dann in diesem ersten Gespräch um den groben Ablauf der Tat, "wir fragen nicht nach Details. Sonst kann man kein Vertrauen zum Opfer aufbauen", sagt Raubal. Es wird ein Treffen vereinbart, in der Wohnung des Opfers oder besser in einem Café oder anderswo - etwa wenn der Ehemann der Täter ist und nicht wissen soll, dass seine Frau verzweifelt Hilfe von außen sucht. Manchmal ist die Situation so brenzlig, dass Raubal auch finanziell sofort hilft. Etwa wenn eine Frau "nur in Unterwäsche von der Polizei aus einer Wohnung befreit wurde", erklärt der Opferschützer, wenn jemand dringend Lebensmittel benötigt. 2011 hat der Weiße Ring im Ahrkreis bislang 5000 Euro für die Soforthilfe (Bargeld bis 250 Euro), die Opferhilfe (Beträge bis 14 000 Euro) und für Beratungsschecks ausgegeben.

    Nach einem ersten Treffen mit dem Opfer folgen meist weitere Gespräche und Beratungen (in 80 Prozent der Fälle wird so geholfen), eine Begleitung zum Gericht, zu Ärzten, Anwälten und Therapeuten. Das Ziel des Weißen Rings: Das Opfer soll wieder in der Lage sein, selbst für sich zu sorgen - Hilfe zur Selbsthilfe, wie es so schön plakativ heißt. Meist ist das nach einem halben bis dreiviertel Jahr der Fall. Der Beratungsbedarf ist zu Beginn eines Falls am höchsten. Manchmal allerdings ziehen sich die Fälle auch hin - bis zu fünf Jahre. Etwa dann, wenn eine Frau und ihre Kinder wissen, dass der gewalttätige Ehemann seine Zeit im Knast bald abgesessen haben wird. Wenn sie wissen, dass er demnächst wieder vor ihnen stehen könnte - und sich womöglich an ihnen rächen will?

    Raubal hat da im Moment einen Fall, da könnte das demnächst der Fall sein. "Aber in der Regel wird den Tätern im Gefängnis bewusst, was sie getan haben", sagt Raubal. Täter sind für ihn und sein Team ansonsten tabu: "Wir kümmern uns nur um die Opfer." Das machen sie auch zum Schutz der Mitarbeiter so, dass sie als Opferschützer nicht selbst zum Opfer werden. Außerdem wollen sie keine Nähe zum Täter aufbauen. Nicht dass sie so irgendwann zu zweifeln beginnen an den Aussagen des Opfers, dass ihren Schutz oft so dringend benötigt. Der Weiße Ring im Ahrkreis ist zu erreichen unter Telefon 02655-96 12 59, Hubertus Raubal

    Von unserem Redakteur Jan Lindner

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