40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RZ Ahrweiler
  • » Kunst im Park: Wie eine Festtafel alte Erinnerungen weckt
  • Aus unserem Archiv
    Kreisstadt

    Kunst im Park: Wie eine Festtafel alte Erinnerungen weckt

    Zwei Künstler, zwei Installationen: Die Erinnerungsstätte im Kaiser-Wilhelm-Park in Bad Neuenahr war Schauplatz einer besonderen Liaison.

    In ungewöhnlicher Umgebung präsentierte Nicola Goedecker eine Festtafel, die altmeisterlich daherkam: Weiße Tischdecken, edles Porzellan, Kristallgläser und Silber zogen die Blicke auf sich.  Foto: Uwe Sülflohn
    In ungewöhnlicher Umgebung präsentierte Nicola Goedecker eine Festtafel, die altmeisterlich daherkam: Weiße Tischdecken, edles Porzellan, Kristallgläser und Silber zogen die Blicke auf sich.
    Foto: Uwe Sülflohn

    Auf der von Eibenhecken eingefassten Fläche, wo Gedenktafeln und ein monumentales Holzkreuz an die Gefallenen der Weltkriege erinnern, präsentierten am vergangenen Sonntag die Mainzer Künstlerin Nicola Goedecker und der Kirchdauner Künstler Gregor Bendel zwei sehr eigenständige Installationen – Erstere im Rahmen des Kultursommers unter dem Motto „Episoden und Epochen“, Letztere im Rahmen des Tages des offenen Denkmals unter dem Motto „Macht und Pracht“.

    In der Tat prachtvoll waren die mit Spiegelglas versehenen Objekte, die Bendel an einer fragil erscheinenden Konstruktion aus langen Bambusstäben „fliegen“ ließ. Um das hohe Holzkreuz selbst hatten die Künstler einen weißen Schal gelegt – so, dass oben am Kreuz nur noch die Inschrift „Liebe“ zu lesen war. Denn die Liebe sei es schließlich, um die sich alles dreht. Auch in Goedeckers symbolgeladener Installation „Erinnerung“ spielte sie als integrale Zutat des Beziehungsgeflechts innerhalb einer Familie die Hauptrolle.

    In ungewöhnlicher Umgebung präsentierte Goedecker eine Festtafel, die altmeisterlich daherkam: Weiße Tischdecken, edles Porzellan, Kristallgläser und Silber zogen die Blicke auf sich. Zu dem altmeisterlichen Eindruck trugen auch die Schalen mit allerlei Obst bei, wie man sie oft auf den prachtvollen Stillleben der niederländischen Meister findet. Aus den verschiedensten Epochen stammten die zwölf Holzstühle, die die Künstlerin um die Tafel platziert hatte. Dem Impuls, sich an die einladende Tafel setzen zu wollen, stand aber ein gravierendes Problem gegenüber: Die eigentlichen Sitzflächen waren nicht mehr existent.

    Goedecker hatte sie durch eine Glasscheibe ersetzt und mit „Sitzkissen“ aus leise vor sich hintropfendem Eis versehen. Und das kam nicht von ungefähr: Für die Künstlerin ist der Stuhl im kollektiven Gedächtnis ein Symbol für den Platz, den jemand einnimmt; mit dem Wegnehmen der Sitzfläche verschwinden auch die Spuren ihrer Vorbesitzer. Was bleibt, sind leere Plätze – und Raum für die Erinnerung an Menschen.

    Für die Künstlerin wurde das Eindecken des Tischs ganz unbeabsichtigt fast so etwas wie eine systemische Familienaufstellung: Jedem Platz ordnete sie Personen aus ihrer familiären Vergangenheit zu. Die Richtung der Messerschneide, der fehlende Teller, die einsame Fleischgabel, die zerknüllte Stoffserviette – nichts hatte sie dem Zufall überlassen. Doch im Voraus geplant war auch nichts – wie die Objekte auf dem Tisch verteilt standen, hatte sich ganz spontan ergeben. „Es ist nur eine Momentaufnahme“, formulierte Nicola Goedecker.

    Durch die gewählten Materialien – allen voran Glas und Eis – sei die Zerbrechlichkeit, Vergänglichkeit und das Entschwinden der Zeit erfahrbar. Das schmelzende Eis nahm die Künstlerin als Sinnbild für die Erinnerungen, die mit der Zeit schwächer werden und sich immer mehr auflösen. „In Wasser. Tränen könnten es auch sein“, meinte Goedecker, die von der Resonanz auf die Kunstaktion sehr angetan war: Erstaunlich viele Passanten suchten den Kontakt mit den Künstlern und ließen sich dabei auch auf tiefschürfende Gespräche ein, aus denen klar wurde, dass die Festtafel für viele Menschen Anknüpfungspunkte an ihre eigene Kindheit und Jugend bot. Positive Stimmen gab es auch zu dem Einfall, die Erinnerungsstätte im Kaiser-Wilhelm-Park einmal auf ganz neue Weise zu nutzen.

    Von unserer Mitarbeiterin
    Petra Ochs

    Bad Neuenahr-Ahrweiler
    Meistgelesene Artikel
    Anzeige
    Online regional
    Nina Borowski

    Nina Borowski

    Regio-CvD Online

     

    Mail

    Anzeige
    Anzeige
    epaper-startseite
    Regionalwetter Bad Neuenahr-Ahrweiler
    Freitag

    5°C - 13°C
    Samstag

    3°C - 6°C
    Sonntag

    3°C - 6°C
    Montag

    5°C - 6°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach