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    Koblenz/Dernau

    Kinderschänder kommen in die Psychiatrie

    Das Ende eines Ausnahmeprozesses vor dem Koblenzer Landgericht: In die Psychatrie müssen ein Luxemburger (28) und ein Mann aus dem Kreis Ahrweiler (23) , die drei Kinder (4,6, 11) entführt haben und als Sexsklaven verkaufen wollten.

    Foto: frei

    "Was bei der Familie der Kinder nachwirkt, ist das Entsetzen", so Rechtsanwältin Rosetta Puma, die die drei Minderjährigen im Saal vertrat. Von Beginn an hatte der Prozess um die Kindesentziehung und den versuchten Mord in Dernau alle Verfahrensbeteiligten fassungslos gemacht. Beide Männer- die sich per Internetchat kennengelernt hatten - gestanden schon bei der Polizei. Nüchtern schilderten sie auch dem Gericht, was sich Ende März in einer Waldhütte bei Dernau abgespielt hatte.

    Der Plan: Der Luxemburger sollte seiner Internetbekanntschaft seine drei Neffen als Sexsklaven anbieten, im Gegenzug hatte der Ahrkreisler ihm Mädchen versprochen. Die hatte der Deutsche nicht dabei: Dafür eine CO2-Waffe. Beide hatten abgemacht, dass sich der 28-Jährige in den Kopf schießen und seinen Tod vortäuschen sollte- der Jüngere räumte allerdings ein: Er habe seinen Mitangeklagten töten wollen. Die Jungen wollte er an einen Abnehmer in die Schweiz verkaufen. Doch: Der Luxemburger überlebte, sein Komplize ergriff die Flucht. Am nächsten Morgen fand die Polizei Onkel und Neffen, die im Auto übernachtet hatten.

    Am letzten Verhandlungstag schilderte die Nebenklagevertreterin das Ausmaß des Schreckens, den die Entführer bei den Kindern hinterlassen haben: Schlaflosigkeit und Angstzustände seien der ständige Begleiter der Jungen. Und: "Wir wissen trotz der Einlassungen nicht, was sich tatsächlich in der Hütte abgespielt hat", so Puma.

    "Da ist der gute, nette Onkel, der dreht sich um und wird zum Entführer", so Staatsanwalt Hermann-Josef Vierbuchen in seinem Plädoyer. Kindesentführung und Nötigung gingen ihm zufolge auf das gemeinsame Konto des Duos. Der 23-Jährige habe sich außerdem des versuchten Mordes schuldig gemacht. Die Männer seien zum Tatzeitpunkt vermindert schuldfähig gewesen - das hatten die forensisch-psychiatrischen Gutachten am Donnerstag dokumentiert.

    Rechtsanwalt Michael Hürth, der den 28-Jährigen vertrat, schloss sich der Staatsanwaltschaft an. "Hier sitzen zwei Angeklagte, die im Prinzip beide noch Kinder sind. Von der Art des Denkens und Handelns - das ist, was erschreckt", resümierte Rechtsanwalt Markus Herzog. Ein konkretes Strafmaß für seinen Mandanten überließ er der Kammer. Die letzten Worte der beiden Verurteilten: Ein stummes Kopfschütteln.

    Nach langer Beratungszeit fiel am Mittag das Urteil: Sechs Jahre und sechs Monate für den Rheinland-Pfälzer und vier Jahre und drei Monate für seinen Mitangeklagten. Für beide Täter wurde die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet. Der Vorsitzende Richter Andreas Groß resümierte die Rolle der beiden Delinquenten in dem Ausnahmeprozess abschließend mit Hannah Arendts Worten als "Banalität des Bösen".Von unserer Mitarbeiterin Julia Fourate

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