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    Auf den Spuren des Pariser Kriegsballons

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    Wo vor mehr als 140 Jahren ein französischer Kriegsballon gelandet war, schickten Drittklässler aus Kempenich ihre Luftballons auf die Reise. 
Foto: Schneider
    Wo vor mehr als 140 Jahren ein französischer Kriegsballon gelandet war, schickten Drittklässler aus Kempenich ihre Luftballons auf die Reise.
    Foto: Schneider

    Während des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 war Paris nach einem schnellen Vorstoß der deutschen Truppen eingekesselt. Aus der belagerten Stadt wurden mit 66 Ballons neben Postsendungen auch Menschen, Brieftauben, Posthunde und sogar Kisten mit Dynamit herausgeflogen. An einem Dezembertag des Jahres 1870 schwebte ziemlich niedrig, vom Westwind getrieben, über die Haustener Höhe hinweg eine runde Kugel, unter der an Stricken ein Korb baumelte. Am Alten Weiher verfing sich das Ankertau in einem Eichenbaum. Herbeigeeilte Leute aus Hausten und eine Gruppe Schulkinder aus Weibern staunten, konnten aber kein Wort der drei Insassen verstehen. Einer der Ballonfahrer kletterte an Seil und Baum herunter, um sich nach dem Standort zu erkundigen. Der alte Förster Emsbach antwortete ihm auf Französisch: "In der Nähe von Koblenz am Rhein."

    Im gleichen Moment wurde das Halteseil durchschnitten, ein Schauerregen von Sand prasselte auf die verdutzten Bauern nieder. Schon erhob sich der Ballon, von Fessel und Last befreit, in die Lüfte und entschwebte in Richtung Rhein. Später verlautete, dass er in der Nähe von Sinn bei Herborn niedergegangen und beschlagnahmt worden sei. Der zurückgebliebene Franzose wurde im Triumph nach Kempenich gebracht, wo er vom damaligen Bürgermeister Arens vernommen wurde. Die Nichte von Pastor von Freyhold dolmetschte. Der Gefangene gab an, sie seien in der Nacht in Paris aufgestiegen, um Postsachen und Nachrichten ins neutrale Gebiet zu schaffen. Wegen mangelhafter Orientierung seien sie über die deutsche Grenze geflogen. Er wurde wie seine beiden Kumpane auf die Festung Ehrenbreitstein gebracht.

    Zwischen Weibern und Kempenich entstand ein heftiger Streit darüber, wem die Seile und der Anker gehörten, da der Ballon ziemlich nahe der Gemarkungsgrenze gelandet war. Schließlich wurde entschieden, dass Kempenich die Seile und Weibern den Anker bekommt, der bis heute an der Decke der Eingangshalle zur Grundschule Weibern zu bewundern ist. Dorthin wanderte Mannebachs Klasse, nachdem ihre Ballons mit einem Aufruf und der Adresse versehen in den wolkenlosen Himmel entschwebt waren. Wegen des Ostwinds werden sie aber keinesfalls im Westerwald zu Boden gegangen sein. Von unserem Mitarbeiter Hans-Josef Schneider

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