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    Tag der Einheit: Festung mit 500 000 Gästen?

    Laith Al-Deen, Tim Bendzko und Karat, das sind die Top Acts beim Tag der Deutschen Einheit in Mainz. Vier große Bühnen und diverse kleinere sollen am 2. und 3. Oktober für die Unterhaltung der erwarteten rund 500.000 Besucher sorgen. Der ZDF-Fernsehgarten präsentiert zudem Max Giesinger, Adel Tawil und Wincent Weiss in einer Show am 3. Oktober. Dazu gibt es zahlreiche Informationsmeilen: Bundestag, Bundesrat und Bundesregierung auf der Kaiserstraße, Rettungsdienste und Polizei auf der Blaulichtmeile in der Bauhofstraße.

    Mainz lädt zum Einheitsfest ein. Im Vorfeld befürchten Bürger, Pendler und Einzelhandel schwere Einschränkungen.  Foto: Gisela Kirschstein
    Mainz lädt zum Einheitsfest ein. Im Vorfeld befürchten Bürger, Pendler und Einzelhandel schwere Einschränkungen.
    Foto: Gisela Kirschstein

    Zentraler Bestandteil eines Tags der Deutschen Einheit ist daneben die Ländermeile: Die 16 Bundesländer präsentieren sich auf dem Schillerplatz und der Ludwigsstraße, Rheinland-Pfalz steht zentral auf dem Gutenberg-Platz vor dem Theater. „Wir wollen die Stärken der Demokratie hervorheben“, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) bei der Vorstellung des Programms am Donnerstag in Mainz. Es gelte, die Demokratie zu feiern und daran zu erinnern, dass Deutschland dies in Frieden, Freiheit und Einheit könne.

    Es soll ein fröhliches Fest werden

    Nach den Tumulten beim Tag der Deutschen Einheit 2016 in Dresden, bei dem Demonstranten massiv die Feierlichkeiten störten, will Rheinland-Pfalz nun dem Tag der Deutschen mit einem friedlichen und fröhlichen Fest wieder ein positives Gesicht geben. Mit dem Motto „Zusammen sind wir Deutschland“ soll für Vielfalt geworben werden, Rheinland-Pfalz will zeigen, „dass es der Zusammenhalt ist, der unser Land auszeichnet“, betonte Dreyer. Das spiegele auch der gleichnamige Imagefilm, an dem sich 488 Bürger beteiligten. Für den Tag werden denn auch rund 1000 Helfer im Einsatz sein, die meisten allerdings Bedienstete von Land oder Stadt.

    Rund 280 Bürger meldeten sich auf den Helferaufruf des Landes, sie sollen nun als Guides oder an Infopunkten eingesetzt werden. Dazu hat das Land einen Wettbewerb ausgerufen, ein Ritual für den Tag der Einheit zu erfinden. Mehr als 240 Einsendungen habe es gegeben, verriet Dreyer, darunter Ideen zu Rezepten, Baumpflanzungen, Nachbarn besuchen oder 99 Luftballons steigen zu lassen. Die Ergebnisse sollen kommende Woche vorgestellt werden.

    „Es ist ein besonderes Fest, es ist der Nationalfeiertag, ein Tag, der Demokratiegeschichte geschrieben hat“, sagte der Mainzer OB Michael Ebling (SPD) mit Blick auf die Wiedervereinigung, die am 3. Oktober 1990 vollzogen wurde. Die Demokratie sei „kein Geschenk vom Himmel, sondern etwas, was Menschen erkämpft haben“, betonte Ebling. Mainz will sich auf dem Bischofsplatz präsentieren, auf dem Programm stehen etwa Hanne Kah und Comedian Sven Hieronymus – allerdings ohne die Bummtschaks.

    Allerdings mischen sich in die Vorfreude derzeit kritische Stimmen über die komplette Sperrung der Innenstadt: Ab 2. Oktober, 9 Uhr, wird die Mainzer Innenstadt für Fahrzeuge jeder Art komplett abgeriegelt. Das schließt auch die Theodor-Heuss-Brücke ein, auf der es nur noch einen „Mobi-Shuttle“ für mobilitätseingeschränkte Menschen geben soll. Doch das stößt auf Kritik, denn in Mainz ist der 2. Oktober zwar ein Brückentag – nicht aber im benachbarten Wiesbaden: Schon in Mainz-Kastel herrscht ein ganz normaler Arbeits- und Schultag, da in Hessen noch keine Herbstferien sind.

    Arbeitnehmer auf beiden Seiten werden so gezwungen, auf die immer noch durch Baustellen verengte Schiersteiner Brücke oder die Weisenauer Brücke auszuweichen. Anreisende Besucher sollen indes auf Park & Ride-Plätzen am ZDF, der Messe in Hechtsheim, der Universität oder am Petersweg in Kastel parken und von dort mit Bussen in die Stadt fahren. Bei Geschäftsleuten und Gastronomen ist die Verunsicherung groß, viele überlegen, gar nicht erst zu öffnen. „Wie werden die Besucher in die Stadt kommen, wer kommt überhaupt – und wohin mit den Einkäufen, wenn das Auto in Hechtsheim steht?“, sagte Jan Sebastian vom Einzelhandelsverband. Mainz werde sich wohl mit vielen geschlossenen Läden präsentieren.

    OB Ebling betonte hingegen, das Fest sei „eine wahnsinnige Chance für die Stadt Mainz“, der Werbeeffekt „marketingtechnisch unbezahlbar“ – das wisse auch der Einzelhandel. Die Sicherheitsvorkehrungen seien aber ebenfalls unabdingbar. Wo 500.000 Besucher erwartet würden, „würde ich schwerlich von Geisterstadt sprechen“, sagte Ebling, und: Der Tag der Deutschen Einheit sei hier ja „auch nur einmal alle 16 Jahre“.

    Von Gisela Kirschstein

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