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Bad Münster-Ebernburg

Rundgang durch Bad Münster-Ebernburg: Die SPD rudert bei der Fähre nicht zurück

Harald Gebhardt

Im April 2016 unternahm der Bad Münsterer Ortsbeirat eine Tour durch den jüngsten Bad Kreuznacher Stadtteil. Erich Menger, SPD-Fraktionschef im Ortsbeirat, sprach damals von einem „Ruinenrundgang“. Jetzt trafen sich die Sozialdemokraten im Rahmen ihrer Sommertour erneut zu einem Rundgang. „Wir wollen mit den Bürgern ins Gespräch kommen, hören, wo sie der Schuh drückt und was sie sich für die Entwicklung ihres Stadtteils wünschen“, erklärte der SPD-Fraktionschef im Kreuznacher Stadtrat, Andreas Henschel.

 Auf dem früheren LVA-Gelände laufen die Abrissarbeiten. Momentan ist man dabei, die Gebäude zu entkernen. Nicht nur Menger hofft, dass es möglichst schnell geht, „damit dieser Schandfleck endlich verschwindet und etwas Neues entstehen kann“.
Auf dem früheren LVA-Gelände laufen die Abrissarbeiten. Momentan ist man dabei, die Gebäude zu entkernen. Nicht nur Menger hofft, dass es möglichst schnell geht, „damit dieser Schandfleck endlich verschwindet und etwas Neues entstehen kann“.
Foto: Gebhardt

Getan hat sich in den zurückliegenden mehr als zwei Jahren eher wenig. Der Rundgang zeigte vor allem eins: Wer Stadtumbau West sagt, braucht einen langen Atem. Auch wenn Fördermittel in Millionenhöhe fließen. Vielen geht es im Stadtteil unterm Rheingrafenstein nicht schnell genug voran. Da konnte sich Menger die Bemerkung nicht verkneifen, dass oft gerade diejenigen das Schneckentempo kritisieren, die für den Sanierungsstau in zweistelliger

Soll es zu der Fähre ins Huttental noch eine Fußgängerbrücke geben? Auch darüber diskutierte SPD-Fraktionschef Henschel mit den Bürgern.
Soll es zu der Fähre ins Huttental noch eine Fußgängerbrücke geben? Auch darüber diskutierte SPD-Fraktionschef Henschel mit den Bürgern.
Foto: Gebhardt

Millionenhöhe zumindest mitverantwortlich sind. „Das ist kein Zustand, den Bad Kreuznach erzeugt und zu verantworten hat, sondern die ehemalige Stadt Bad Münster am Stein“, machte er unmissverständlich klar. Und: „Das wird uns noch Jahrzehnte beschäftigen.“

Beispiel Kurmittelhaus – ein architektonisches und kulturelles Kleinod. Darin war sich die 25-köpfige Runde einig. „Wir sind verpflichtet, es zu erhalten“, führte Menger aus und verglich es mit der Sanierung des Kreuznacher Casinogebäudes. Das ist ein gesellschaftlicher Auftrag. „Natürlich muss das Gebäude saniert werden. Das ist keine Frage“, meinte auch Henschel. Die Sanierung aber wird, unabhängig von der künftigen Nutzung, so oder so Millionen kosten. Ob sich ein privater Investor dafür findet, darf bezweifelt werden. Einen suchen darf man dennoch.

Drei Problemfelder auf einen Blick: Noch ist offen, wie es am früheren Bewegungsbad (links), dem Kurmittelhaus und dem unteren Teil der abgerissenen Saline Ost (rechts) weitergeht. Die Denkmalbehörde fordert hier eine hohe Hecke als Raumkante.
Drei Problemfelder auf einen Blick: Noch ist offen, wie es am früheren Bewegungsbad (links), dem Kurmittelhaus und dem unteren Teil der abgerissenen Saline Ost (rechts) weitergeht. Die Denkmalbehörde fordert hier eine hohe Hecke als Raumkante.
Foto: Gebhardt

Goetheplatz, Tiefgarage, Saline Ost, das frühere Bewegungsbad und die Fähranlegestelle zum Huttental waren weitere Stationen. Fähre und/oder Brücke? Darüber wurde heftig diskutiert. Von den zwei Fähren hat Fährmann Hans-Joachim Gellweiler eine in Betrieb. Der zweite marode Kahn lag ein Jahr lang auf der Wiese gegenüber. Seit vier Wochen ist er nun beim städtischen Bauhof, wird dort untersucht. Der Bürgermeister polterte zwar: „Wir sind nicht verpflichtet, aus einem Schrottkahn schnell wieder ein Boot zu machen.“ Er versprach aber zugleich, man werde auch das zweite Boot untersuchen – und wenn beide defekt sind, für Ersatz sorgen. Heinrich ließ aber auch anklingen, dass sich die Frage „Fähre oder Brücke?“ mal von allein entscheidet. „Sie werden auch mal in Rente gehen“, meinte er zu Gellweiler. Dann werde es möglicherweise keinen Nachfolger geben. Gellweiler reagierte empört: „Aber bitte, ich bin noch topfit!“

Für Henschel hat man bei der Idee, den Bau einer Brücke ins Huttental zu prüfen, einfach mal „laut gedacht“. Das müsse erlaubt sein. Diese könne aber auch an einer anderen Stelle flussabwärts oder flussaufwärts über die Nahe führen. Natürlich gehe es dabei um eine reine Fußgängerbrücke, betonte Heinrich, und nicht um eine Autobrücke, wie ein Teilnehmer befürchtete. „Wir wollen sanften Tourismus.“ Und Gernot Bach meinte: „Wer sagt denn, dass bei einem Brückenschlag der Fährbetrieb eingestellt werden muss?“

„Das ist ein wundervoller Ort“, hob Peter Dill vom Verein „Das Huttental lebt“ hervor und kündigte an: „Wir werden gegen eine Erweiterung kämpfen, so fest wir können, um diese kulturelle Oase zu erhalten.“ Menger und Heinrich betonten, man setze auf Wandertourismus und Landschaftstourismus – und zwar ganzjährig. Es gehe darum, diesen weiterzuentwickeln. Die Gäste müssen auch ans andere Ufer kommen, wenn die Fähre nicht in Betrieb ist. „Wenn die Leute von dort wieder zum Kuhberg zurücklaufen müssen, kommen sie nie wieder“, so Menger. Und Heinrich ergänzt: „Wir leben von unseren Gästen. Da wären wir ja doof, wenn wir die Fähre stilllegen würden.“ Ein weiterer Bericht folgt.

Von unserem Redakteur Harald Gebhardt

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