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    Bad KreuznachRänkespiele und Romantik zur Zeit Priegers: Premiere begeistert Zuschauer

    Prieger, die Witwe Wihelmi und ihre Töchter sowie die Badfrauen statt Faust, der schwarze Abt, Gretchen und die Waschweiber: Die Premiere von „Wasser, Salz & Liebe“ des Nahe Theaters über den Wiesbadener Arzt Dr. Johann Prieger, der 1817 nach Kreuznach kam und das Heilbad gründete, stand dem großen Erfolg von „Faust und der schwarze Abt – Duell am Ellerbach“ nahezu in nichts nach: eine großartige Freiluftinszenierung vor beeindruckender Naturkulisse und voll besetzten Zuschauerrängen mit einem starken, bestens aufgelegten Ensemble.

    Premiere auf der Roseninsel: Frau Wilhelmi (Heidrun Schlenger) mit ihren Töchtern.
    Premiere auf der Roseninsel: Frau Wilhelmi (Heidrun Schlenger) mit ihren Töchtern.
    Foto: Gebhardt

    Geld und Politik, Sole und Liebe: Politische Streitereien zwischen Preußen und Hessen, der Zoff um die Solequellen („Mit Salz ließe sich gut Geld machen. Geld, das die Stadt gut gebrauchen könnte“), zaudernde, „kleingeistige“ Stadträte ohne Weitblick („Ihr Blick reicht ja gerade noch bis zum nächsten Weinkeller“) und Beamte, Ränkespiele und Romantik, amouröse Verwicklungen und schillernde Figuren, Kurgäste und von der Kur Lebende, Wunderheiler oder Quacksalber, dazu eine scharfe Prise Lokalhistorie samt gehöriger Portion Lokalkolorit – der Stoff hat alle Zutaten, die eine deftige Episodenkomödie würzen.

    Ausdrucksstark:  Martin Zeckai spielte Dr. Prieger.
    Ausdrucksstark:  Martin Zeckai spielte Dr. Prieger.
    Foto: Gebhardt

    Dazu kommt die Naturkulisse am Brunnen auf der Roseninsel – quasi ein Originalschauplatz. Die Bühne ist quer darüber aufgebaut. Die Zuschauer sitzen im Halbkreis am Brunnen und sind so nah dran am Geschehen. Sie können auch die wunderschön illuminierte Säulen oberhalb des Brunnens genießen, die immer wieder in anderes Licht getaucht werden und eine eigene stimmungsolle Atmosphäre erzeugen. Zur Premiere ist auch die undefinierbare trübe Flüssigkeit, die bei den Proben noch vorhanden war und vor allem Stechmücken und andere Plagegeister anlockte, verschwunden. Sie hat einer Flüssigkeit Platz gemacht, die zwar nicht die Kreuznacher Mutterlauge ist, aber den Namen Wasser verdient hat. Die Badfrauen können bedenkenlos mit den Füßen darin planschen.

    Die Badfrauen (Anette Fritz, Erika Hartmann und Karin Weyrich).
    Die Badfrauen (Anette Fritz, Erika Hartmann und Karin Weyrich).
    Foto: Gebhardt

    Zum perfekten Spielort kommt der richtige Zeitpunkt: der Beginn der Dämmerung. Zwar bleibt es bewölkt, und mitunter weht ein leicht unterkühltes Lüftchen, doch nach ein paar Regentropfen verziehen sich die Wolken, sodass einem ungetrübten zweieinhalbstündigen Theaterspaß für Zuschauer wie Akteure nichts entgegensteht. Es wird ein unterhaltsamer, kurzweiliger (Volks-)Theaterabend. Dem eingespielten Ensemble sind der Spaß und die Spielfreude sichtlich anzumerken. Gelegentliche Mikroprobleme zu Beginn tun dem genauso wenig Abbruch wie die ein oder andere Länge im ersten Teil.

    Magister Laukhard zum Ersten.
    Magister Laukhard zum Ersten.
    Foto: Gebhardt

    Wen aus dem 17-köpfigen Ensemble soll man da hervorheben? Anne Grammes-Weschke vielleicht, die mit Petra Theisen die beiden Beamten aus Hessen-Darmstadt so famos skurril verkörpert, und auch als Herr von Ballenstein glänzt. Oder Petra Theisen als unverbesserliche Romantikerin Frau von Brockdorf? Oder Andreas Helpe, der in die Rollen des Magisters Laukhard und des Hausdieners der Priegers schlüpft und mehr oder weniger durch das Stück führt?

    Magister Laukhard zum Zweiten.
    Magister Laukhard zum Zweiten.
    Foto: Gebhardt

    Erzählt wird weniger die Geschichte Priegers. Der Hauptprotagonist, so lebendig und ausdrucksstark er von Martin Zeckai auch gespielt wird, als historische Figur, als Mensch, bleibt er blass – und das ganz bewusst. Es ist von den Autoren Jörg Staiber und Armin Peter Faust so gewollt. Im Mittelpunkt stehen andere: Die Witwe Wihlemi etwa mit ihren drei Töchtern. Deren Mann hat erst in Australien nach Gold und später den ersten Solebrunnen auf Kreuznacher Gebiet, die Elisabethquelle, gegraben, um kurz danach das Zeitliche zu segnen. Oder die Badfrauen. Aus ihrer Sicht werden die Schicksalsjahre der Familie und Kreuznachs erzählt, der Aufstieg der Stadt zum mondänen Kurbad, das Geschacher um den Kauf der Solequellen, den Reibach, der sich damit machen lässt, und gegen welche Wehwehchen die Sole hilft. Getreu Priegers Motto: „Die Kreuznacher Sole ist wunderbar. Immer dran glauben, dann wirkt sie auch.“

    ... und zum Dritten.
    ... und zum Dritten.
    Foto: Gebhardt

    Vier weitere Aufführungen sind vom 20. bis 23. Juli, jeweils um 20.30 Uhr (Einlass ab 20 Uhr). Karten gibt es im Vorverkauf bei der Touristinfo im Haus des Gastes, der Volksbank in der Salinenstraße, im Altstadtkiosk und an der Abendkasse.

    Stadtratsmitglieder.
    Stadtratsmitglieder.
    Foto: Gebhardt
    Von unserem Redakteur Harald Gebhardt

    Bad Kreuznach
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